Bildung im Vorübergehen: Paul-Riebeck-Straße bekommt Zusatzschild

18. Oktober 2019 | Kultur | 1 Kommentar

Über das Leben von Paul Riebeck ist nicht viel bekannt. Als Sohn des für die Entwicklung der Stadt Halle bedeutenden Großindustriellen Carl Adolph Riebeck erbte er neben mehreren Fabriken und Rittergütern ein gewaltiges Vermögen, das er mit dem eigenen Tod nur wenige Jahre später der Stadt Halle vermachte. Auflage war die Gründung eines Alten- und Krankenheims, das noch heute als Paul-Riebeck-Stiftung besteht.
Die Paul-Riebeck-Straße erhält nun Zusatzschilder, die über den Namensgeber informieren. Die Einweihung des Schildes geschieht am 23. Oktober.

Die Schilder wurden gespendet von der Paul-Riebeck-Stiftung zu Halle an der Saale; Stiftungsratsvorsitzende Katharina Brederlow wird bei dem Termin mit vor Ort sein.  Am 9. Oktober 1859 wurde Johann Wilhelm Paul Riebeck in Weißenfels geboren. Er war der zweite Sohn des Großindustriellen Carl Adolph Riebeck und seiner Frau Marie geb. Menke, Tochter eines Berliner Wagenmeisters. Von seinen 16 Geschwistern erreichten nur wenige das Erwachsenenalter. Auch der sechs Jahre ältere Bruder Emil, bekannt als Ethnologe und Naturforscher, starb jung. Im Geburtsjahr seines Sohnes Paul besaß der Vater eine Spedition in Weißenfels, die Kohle, Kerzen und Teer mit der Eisenbahn in die Umgebung, später nach Berlin versandte. In diesem Jahr erhielt er den entscheidenden Kredit vom Bankhaus Lehmann als Grundlage für das Wachstum seines Unternehmens. Später gehörten ihm mehrere Bergwerke, Schwelereien, Brikettpressen, Ziegeleien, sieben Rittergüter und eine Brauerei. Über 4000 Menschen beschäftigte Carl Adolph Riebeck in seinen Betrieben.
Über Paul Riebecks Kindheit ist nichts bekannt. Vermutlich war Pfarrer Albert Hugo Teudloff aus Pobles bei Hohenmölsen, wo Riebeck ein Rittergut besaß, sein „Erzieher“. 1866 zog die Familie nach Halle und wohnte hier am Leipziger Platz (heute Riebeckplatz, das prächtige Wohn- und Geschäftshaus wurde im Zuge der Umgestaltung des Riebeckplatzes abgerissen). Nach dem Besuch des Gymnasiums war Paul Riebeck ab 1879 für vier Semester an der Universität in Bonn immatrikuliert, in welchem Fach ist nicht bekannt. Da er in dem Bonner Corps Hansea aktiv war, ist anzunehmen, dass er sich im Fach Jura als typischem Studium eines  Burschenschaftlers einschreiben ließ. 1881 wurde er aus dem Studentenverzeichnis wegen „Nichtannahme von Vorlesungen“ gestrichen. Außerdem war er Reserveoffizier bei den Bonner Husaren. Nach dem Tod des Vaters 1883 gründeten die Brüder Emil und Paul eine Aktiengesellschaft, die A. Riebeck’schen Montanwerke, zur Weiterführung der Geschäfte. Paul war hier im Aufsichtsrat. Emil starb jedoch schon zwei Jahre nach seinem Vater. Paul Riebeck erbte nun auch die etwa noch 700 Stück umfassende Sammlung ethnologischer und kunstgewerblicher Gegenstände, welche der Bruder auf seinen Expeditionen mitgebracht hatte. Einen Teil der Stücke schenkte Paul dem Kunstgewerbemuseum Dresden, dessen Ostasien-Sammlung auf eine frühere Schenkung von Emil selbst zurückging. Paul Riebeck wurde dafür zwar für den Roten-Adler-Orden vorgeschlagen, erhielt stattdessen aber das Ritterkreuz I des Königl. Sächs. Albrechtordens als Auszeichnung für geleistete Dienste in Staat, Wissenschaft und Kunst sowie „für gute bürgerliche Tugenden“. Weitere Auszeichnungen waren das Ritterkreuz I des gr. S. Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken und der Oesterr. Franz-Joseph-Orden. 1889 wurde Paul Riebeck Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.
Die sieben Rittergüter im Besitz der Riebecks befanden sich im Zeitz-Weißenfelser Kohle-Revier, in den Dörfern Kreischau, Pobles, Poserna, Deuben, Naundorf, Starsiedel, Groß Görschen. Paul Riebeck war ein leidenschaftlicher Jäger, in Pobles ließ er ein Jägerhaus bauen. In seinem Testament vererbte er eine Unmenge an Waffen, Jagdutensilien, Pferden und Wagen.

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