Ausstellung zu Schalenmüller, fünf HP-Schalen in Dölau entdeckt und ein neues Denkmal der Ostmoderne

12. Juli 2014 | Kultur | 4 Kommentare

Am vergangenen Donnerstag wurde bereits in der Neustädter Passage Teil 1 der Jubiläumsausstellung „50 Jahre Halle-Neustadt“ eröffnet. Am Sonntag, 13. Juli folgt Teil 2. Dann wird um 11 Uhr im Stadtmuseum in der Großen Märkerstraße mit einer Matinee der zweite Teil der Halle-Neustadt-Ausstellung eröffnet.
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Eine große Betonplatte steht dazu auf dem Marktplatz, eine sogenannte Hyperbolische Paraboloid-Schale, kurz HP-Schale. Aus denen bestehen viele DDR-Schulturnhallen, die sogenannten Delta-Kindergärten, aber auch die Fußgängerbrücke am Riebeckplatz. Und ein wichtiger Baustein der neuen Ausstellung im Stadtmuseum ist die Fotoschau „Vom Gummibaum zum Weltniveau – Sichten auf Halle-Neustadt“. Es handelt sich um eines der geförderten Projekte der gemeinsamen Ausschreibung des Rotary Club Halle / Saale und der Bürgerstiftung Halle für den Bildungsfonds 2013 zum Thema „Stadtgeschichte – Stadtgeschichten“. „Das ist mal Werbung auf eine andere Art“, freut sich Museumschefin Jane Unger.

Von zwei Seiten nähert sich das Projekt „Vom Gummibaum zum Weltniveau“ der Kunstplattform Sachsen-Anhalt e.V. dem Stadtviertel westlich der Saale. Oder besser gesagt, aus zwei Zeiten. Da ist der Architekt Herbert Müller, bekannt als „Schalen-Müller“, der den heimischen Gummibaum studierte und ihm das Geheimnis der Stabilität seiner Blätter entlockt – eine Entwicklung, die als HP-Schale in Halle-Neustadt Kindergärten, Turn- und Schwimmhallen oder Kaufhallen bedeckt und in der ganzen DDR vielfältige Verwendung im Stadtbau fand. Einen ganz anderen Blick auf das Viertel werfen Jugendliche, die heute dort leben und sich im Familienzentrum Roxy treffen. Sie erkunden die Architektur, die für sie normales Lebensumfeld ist. Leiter des Projektes ist der Fotograf Knut Mueller, Sohn von Herbert Müller, der bereits seit 2 Jahren im Rahmen von „Max macht Oper“ mit der Bürgerstiftung zusammenarbeitet. Das Kulturprogramm der Eröffnung wird eine Tanzdarbietung sein, die im Rahmen von „Max macht Oper“ entstanden ist: Schüler (3. Klasse) der Liebmann-Schule in Halle-Neustadt setzen sich mit ihrem Leben in der Neustadt auseinander – und tanzen in und zu den Fotos. Gemeinsam mit zwei Profitänzern aus Berlin haben sie eine Choreographie erarbeitet.
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Gefunden wurde die HP,Schale, die jetzt auf dem Markt wirbt, auf einem verwilderten Gewerbegrundstück in Halle-Dölau. In den 70ern hatte ein Elektromeister sich die Schalen besorgt. Er wollte einen Anbau für seine Werkstatt errichten. Das jedoch untersagten ihm die Behörden, weil er ein Kleinunternehmer war. Und so lagern die Schalen eben seit 40 Jahren in Dölau. Dort entdeckte sich der frühere Stadtplaner Ingo Kautz. Und Knut Müller, der Sohn von Schalenmüller, hat auch schon Ideen, was mit den insgesamt sechs Schalen passieren soll. Ein Denkmal der Ostmoderne in Halle-Neustadt stellt er sich vor. Nun gelte es, dafür Sponsoren und Förderer zu finden.

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