Auf Schlittenfahrt im Stadtmuseum Halle

21. Dezember 2015 | Kultur | 1 Kommentar

Mit Schlittenfahren wird es zwar bei der derzeitigen Wetterlage nichts. Doch das Stadtmuseum lädt zumindest zu einer gedanklichen Schlittenfahrt ein.

Dank der großzügigen finanziellen Förderung des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder e.V. kann ein historischer Schlitten aus dem 18. Jahrhundert nach seiner Restaurierung wieder im Stadtmuseum Halle in der Dauerausstellung zum 18. Jahrhundert „Geselligkeit und die Freyheit zu philosophieren – Halle im Zeitalter der Aufklärung“ gezeigt werden.

Andrea Himpel, Restauratorin für Gemälde und gefasste Holzskulpturen, hat das Gefährt liebevoll wieder hergerichtet. Etwa 85 Arbeitsstunden hat sie hierfür gebraucht. Der Schlitten erinnert an verschneite Wintertouren hallescher Studenten vor rund 250 Jahren. Zum beliebten Wintervergnügen der Studenten gehörte das Schlittenfahrten durch die abendlichen Straßen und Gassen der Stadt. In wildem Tempo ging es mit Peitschenknall und lautem Rufen zum erleuchteten Markt. Männer und Frauen saßen in prächtigen Schlitten, denen geschmückte Pferde vorgespannt waren, und ließen sich im Fackelschein über den Markt ziehen.

Im Dezember 1796 endete das Vergnügen in einem handfesten Konflikt. Als ein Oberst der halleschen Garnison verspottet wurde, ließ es die Soldaten der Hauptwache aufmarschieren. Bei dem anschließenden Tumult wurden mehreren Studenten Augen ausgestochen. Erst das Einschreiten des Regimentchefs konnte die Auseinandersetzungen beenden.

Johann Amandus Kühn hat die damaligen Ereignisse in einem 51 Strophen umfassenden Gedicht „die maskirte Schlittenfahrt“ niedergeschrieben. Dort heißt es: „In Hall‘ ist jetzo alles todt, O mache, Vater; es thut Noth, Und schicke Schnee auf Erden, Dann wird der Hallsche Bursch sich freun, Wird Schlittenfahrt, Maskrade seyn, Da soll ein Jubel werden.“

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