Alles nur geklaut: Kunstmuseum Moritzburg in Halle zeigt Fälschungen

21. November 2014 | Kultur | 1 Kommentar

Sie sehen dem Original täuschend ähnlich, doch sind es Fälschungen. Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) stellt nun das Phänomen Kunstfälschung vor. Im Kern stehen drei legendäre Fälle, die in den Jahren 1932, 1947 und 2012 aufgedeckt wurden. Geöffnet ist die Schau bis zum 2. Februar.

Günter Hopfinger: 1000-DM-Banknote, ca. 1973, Buntstift auf Papier, 199 x 118 mm, HVB-Stiftung Geldscheinsammlung, München, Foto: HVB-Stiftung Geldscheinsammlung, München

Günter Hopfinger: 1000-DM-Banknote, ca. 1973, Buntstift auf Papier, 199 x 118 mm, HVB-Stiftung Geldscheinsammlung, München, Foto: HVB-Stiftung Geldscheinsammlung, München


Fälschungen entstehen im Verborgenen. Gelten sie noch als Originale, werden sie bewundert und verehrt, sind sie als Fälschungen entlarvt, verschwinden sie in den Depots der Museen oder den Asservatenkammern der Polizei. Die Ausstellung zeigt die corpora delicti und wirft Licht auf dieses Phänomen der Wirtschaftskriminalität.

Fälscher agieren in der Gesellschaft unerkannt. Sie analysieren den Kunstmarkt, beschaffen sich für Ihre Fälschungen auf Flohmärkten u. a. alte Gemälde und sind Spezialisten für künstlerische Techniken, Naturwissenschaften und kunstgeschichtliche Zusammenhänge. Entscheidend ist der Schritt der Fälscher aus der verborgenen Produktion in die Öffentlichkeit des Kunstmarktes. Dafür brauchen sie Vermittler. Sie instrumentalisieren Experten, die ihre Arbeiten für echt erklären und auf dem Markt platzieren. Doch irgendwann treten Ungereimtheiten auf. Umfangreiche Untersuchungen folgen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass eine Fälschung vorliegt und damit ein gigantischer Betrug an künstlerischen Ideen, Sammlern und Museen.

Am Beispiel von Otto Wacker, Han van Meegeren und Wolfgang Beltracchi verdeutlicht die Ausstellung, wie das System Kunstfälschung funktioniert. Otto Wacker eröffnete im Berlin der Weimarer Republik seine nach ihm selbst benannte Galerie. Er debütierte mit einer viel beachteten Ausstellung von Originalen des teuer gehandelten Vincent van Gogh. Nach seiner Entlarvung stritt sich ein internationales Experten-Gremium über die Echtheit der Werke – ohne Ergebnis. So wurden erstmalig naturwissenschaftliche Untersuchungen zum Nachweis der Fälschung angewandt. Diese galten in den Niederlanden der 1930er Jahre als Standard in Museen zur Überprüfung von Neuankäufen. Der Fälscher Han van Meegeren tüftelte in seiner französischen Villa in Roquebrune ein Verfahren aus, diese Prüfungen zu überstehen. Es entstanden Fälschungen, die in ihrer Substanz mit Bildern von Jan Vermeer identisch erschienen. Bei seiner Entlarvung wollte niemand glauben, dass diese Bilder gefälscht seien – van Meegeren musste seine Autorenschaft beweisen. Hatte van Meegeren seinerzeit die naturwissenschaftlichen Untersuchungen unterlaufen können, so ist der Fälscher Wolfgang Beltracchi an ihnen gescheitert. Er verwandte Pigmente, die nicht zum Alter seiner Fälschungen passten. Doch auch andere Ungereimtheiten hinsichtlich Stil und Provenienz der Werke führten zu seiner Entlarvung.
Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich bezüglich allen drei Fällen den Techniken, Fälschungen aufzudecken. Dieser Bereich stellt auch die Arbeit des Alexej von Jawlensky-Archivs in Locarno als paradigmatisches Beispiel im Vorgehen gegen Fälschung vor. Forscher haben sich in einem pluridisziplinären Beirat zuammengeschlossen. Stilanalyse, Provenienzforschung und Naturwissenschaften gehen zur Wahrung der Werkintegrität des Œuvres seit 15 Jahren erfolgreich Hand in Hand.

Fälschungen sind für den Kunstbetrieb ein schwieriges Thema, weil es an den Grundfesten unserer Vorstellungen von Originalität rüttelt. Es ist eine Notwendigkeit für das Museum, sich diesem Thema zu widmen und es öffentlich zu machen. Zugleich führt die Ausstellung in die für die Kunst zentralen Fragen von Echtheit, künstlerischer Qualität und ihrer Vermittlung ein. Zu den Leihgebern gehören neben Privatsammlern die Nationalgalerie der Staatlichen Museen Berlin, das Rijksmuseum in Amsterdam, das Kröller-Museum in Otterlo, das Jawlensky-Archiv in Locarno, die Kunsthalle Emden, die Kulturstiftung DessauWörlitz und das Archäologische Museum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Ausstellung wird begleitet von einem Katalog und einem Programm von Vorträgen, Lesungen sowie museumspädagogischen Angeboten.

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