5 vor 12: Rote Karte gegen Kürzungen in der Kultur

21. Mai 2013 | Kultur | 5 Kommentare

Schauspieler und Musiker protestieren derzeit unter dem Motto „5 vor 12“ in Halle (Saale) gegen Kürzungen der Landesregierung von Sachsen-Anhalt im Kulturbereich. Planungen zufolge soll der Etat von derzeit 85 Millionen auf 75 Millionen Euro abgesenkt werden.

Mit Marschmusik zogen die Kulturschaffenden zunächst vom Opernhaus zum Marktplatz, wo unter anderem der Gefangenenchor aus Nabucco erklang. Mit einem Musikalisch-literarischen Programm mit Orchester, Chor, Band und Schauspiel sollte gezeigt werden, auf was die Hallenser verzichten müssten. nt-Intendant Matthias Brenner rief den Demonstranten lautstark zu, „Wir haben von der Landessparpolitik die Schnauze voll“, und kündigte zugleich eine neue Welle der Proteste an. „Wir werden mehr werden in den nächsten Wochen.“

Weiter ging es in einem Demonstrationszug vorbei an den von der Schließung bedrohten Kultureinrichtungen der Stadt wie Kulturinsel und Opernhaus bis zum Friedemann-Bach-Platz. Dort stießen Vertreter der verschiedenen Theater aus Sachsen-Anhalt wie Dessau-Rosslau, Magdeburg und Stendal hinzu. Sie alle präsentierten sich mit kurzen Ausschnitten aus ihrem Programm und speziellen Beiträgen zum Protesttag. „Demonstrationserprobt und Sparen gewohnt“, stellte sich beispielsweise das hallesche Thalia Theater vor. Gemeinsam wurde kurz vor Schluss der insgesamt vierstündigen Demo noch „O Fortuna“ aus Carl Orffs „Carmina Burana“ angestimmt, bevor sich auch die jugendlichen Darsteller aus dem Musical „13“ dem Protest anschlossen. Wegen der Schule konnten sie nicht eher.

Unter den Demonstranten sind auch viele Stadträte wie Harald Bartl (CDU), Hans-Dieter Wöllenweber (FDP), Sabine Wolff (Neues Forum), Johannes Krause (SPD) und Swen Knöchel (Linke). „Wir sind solidarisch mit euch“, sagte ein Vertreter des Hochschulbündnisses Sachsen-Anhalt, das ebenfalls gegen Kürzungen der Landesregierung protestiert. „Rotstiftpolitik ersetzt keine Konzepte“, sagte Dietmar Weihrich. Gerry Kley erklärte, „Kultur ist die Sprache des Volkes. Wir lassen uns nicht entmündigen.“ Swen Knöchel wies daraufhin, dass die Zahl der Orchestermusiker in Sachsen-Anhalt halbiert wurde. Kritik übte er auch an der Stadtverwaltung und forderte ein Kulturkonzept ein. Der Landtagsabgeordnete Stefan Gebhardt bemängelte die Ignoranz der Landesregierung zu den 163 Forderungen des Kulturkonvents. „Dieser Politik müssen wir unseren kulturvollen Protest weiterhin entgegenhalten.“ Claudia Dalbert, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, warf der Landesregierung vor, keine Vorstellungen von der Zukunft Sachsen-Anhalts zu haben. „Statt dessen kennt sie nur Excel-Tabellen.“ In den Protestzug reihte sich auch der hallesche Sänger Ralf Schmidt (IC Falkenberg) ein, der Klartext gegen „die Gier der kriminellen Banker“ redete. „Das Geld ist nicht weg, das Geld haben nur die anderen.“

Per Pressemitteilung reagierte Kultusminister Stephan Dorgerloh auf die Proteste, er habe Verständnis, hieß es. „Bei der Ausgestaltung der Kulturlandschaft – gerade in Zeiten knapper Kassen – ist es jedoch wichtig, im wechselseitigen und fairen Miteinander die richtigen Schwerpunkte zu verabreden.“ Die qualitativ hochwertige und vielseitige Kulturlandschaft sei ein identitätsstiftendes Merkmal Sachsen-Anhalts. Daran solle sich auch in Zukunft nichts ändern. „Die Kultur ist und bleibt ein Pfund, mit dem wir wuchern wollen und müssen“, so der Minister. Gleichwohl stehe das Land vor der wichtigen Aufgabe der finanziellen Konsolidierung, die von allen Ressorts Anstrengungen verlange. „Vor diesem Hintergrund kann ich zwar nicht versprechen, dass es im Kulturbereich keine Einsparungen geben wird. Aber ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass der Kulturbereich so finanziert wird, dass wir auch weiterhin eine vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft auf hohem Niveau vorfinden. Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip lehne ich ab.“ Wo genau einzelne Veränderungen im Haushalt vorgeschlagen werden, fügte der Kultusminister hinzu, stehe erst nach der Haushaltklausur Ende Mai fest. „Dazu werden wir dann umgehend das Gespräch suchen.“

Die Spitzen der Landesregierung hielten sich von den Protesten fern und schickten nur die zweite Garde nach Halle: ihre Staatssekretäre.


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