37 neue Exponate: Glassammlung der Moritzburg Halle wächst

15. Juli 2015 | Kultur | Keine Kommentare

Flakons, Vasen, Schalen, Flaschen… die Glassammlung der Moritzburg in Halle (Saale) wächst um weitere Exponate. Am Mittwoch konnten 37 neuerworbene Stücke von Ulf Dräger, Leiter der Sammlung Kunsthandwerk des Kunstmuseums, präsentiert werden. Möglich macht es eine Unterstützung der ostdeutschen Sparkassenstiftung.

Im Jahr 2001 bot der private, anonym bleiben wollende Sammler dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) bedeutende Teile seiner umfangreichen Sammlungen zum Kauf an. Das Konvolut internationaler Studioglaskunst umfasst insgesamt 157 Werke. Zwischen 2004 und 2011 konnte das Museum mit Hilfe der Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. in vier Teilen hiervon bereits 120 Objekte erwerben. Mit den nunmehr angekauften 37 Arbeiten ist die Sammlung vollständig für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) gesichert.

Die Sammlung bietet einen exzellenten Überblick über die Entwicklung der Glaskunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit herausragenden Werken von Künstlern aus den USA, wo die Bewegung begann, sowie Deutschland, Tschechien, Polen, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich, Island, Estland, Ungarn und Japan.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Glas als künstlerisches Medium neu entdeckt. Künstler begannen mit diesem besonderen formbaren Material ihre bildkünstlerischen Konzepte und Inhalte zu vermitteln. Aufgrund der revolutionären Entwicklung des Studioglasofens durch Harvey K. Littleton (1922–2013) und Dominick Labino (1910–1987) waren die Glaskünstler in der Lage, ihre Objekte unabhängig von den großen Glashütten und den professionellen Glasarbeitern bzw. der Industrie herzustellen. Diese Innovation motivierte Kunstschaffende aus allen Kunstgattungen, die Arbeit an der heißen Glasmasse auszuprobieren. Die Glasobjekte waren somit nicht mehr Gegenstände des Gebrauchs, sondern wurden zu transparenten Bildträgern künstlerischer Auseinandersetzungen. Damit gelang den Künstlern ein wesentlicher Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst. Dies ging einher mit der Entfremdung vom traditionellen Glasgebrauch, was sich in neuartigen Verformungenen und Schnitten sowie dem Hinzufügen von Schrift und Bild ausdrückt. Die Gläser nähern sich somit der Skulptur und werden zu Objekten der freien Kunst. .

„Internationale Ankäufe waren zu DDR-Zeiten den meisten ostdeutschen Museen verboten. Mit dem Erwerb des letzten Teils dieser bedeutenden Sammlung wird eine empfindliche Lücke geschlossen und das Kunstmuseum weiter in seinem Profil gestärkt.“, so Patricia Werner von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
Dr. Jürgen Fox von der Saalesparkasse sagt dazu: „Mit dem Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt verbindet uns eine langjährige Partnerschaft, die durch dieses Projekt weiter ausgebaut wird“

Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich freut sich sehr über die bedeutende Erweiterung der vor einhundert Jahren von Max Sauerlandt begründeten Sammlung Kunsthandwerk des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), „festigt das Museum damit doch einmal mehr seine Position innerhalb der international renommierten Sammlungen wie der des Glasmuseums Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf oder der Kunstsammlungen der Veste Coburg“.
Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Das besondere Kunstwerk“ wird ab Ende August eine Auswahl der neu erworbenen Objekte öffentlich präsentiert.

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