Verhüllung ist Verheißung – Über den Verpackungswahn

23. Dezember 2017 | Glosse | 1 Kommentar

Ein Geschenk gewinnt mit seiner Verpackung erfahrungsgemäß beträchtlich an Wert. Zu Weihnachten bricht deshalb geradezu ein Verpackungswahn aus. Geschenkpapiere, Bänder und Schleifchen sind in allen nur denkbaren Variationen erhältlich. Es gibt Geschäfte, die nichts anderes als Verpackungsmaterialien verkaufen. Eine gigantische Rohstoffverschwendung findet statt, denn für die Papierherstellung braucht man Holz; Produktionsabfälle belasten die Umwelt; die Papiermüllberge nehmen nach Weihnachten gigantische Ausmaße an. Geschenkpapier gibt es seit der Erfindung der Papierherstellung. In Deutschland sind buntbedruckte Geschenkpapiere erst nach dem letzten Krieg mit dem Wirtschaftswunder in Mode gekommen. Zugegeben, eine schöne, stilvolle Verpackung beglückt, das erwartungsvolle Auspacken, den Überraschungseffekt will man nicht missen als Beschenkter aber auch als Schenkender. Insbesondere für Kinder ist das Auspacken der verhüllten Geschenke ein großartiges Erlebnis. Verpackung gar als Kunstevent ist uns von den Aktionen von Christo bekannt.
Wie dem ökologischen Wahn angemessen begegnen? Recycling wäre ein Weg. Packt man sein Geschenk mit Vorsicht aus, kann man Papier und Bänder durchaus wiederverwenden. Das überlegte, nicht überstürzte Auspacken drückt dazu noch eine besondere Wertschätzung des Geschenks aus. Die Bänder geduldig entknotet, das Papier vorsichtig aufgerollt (nicht gefaltet), zuvor von Klebestreifen befreit, steht der Wiederverwendung nichts im Wege. Auf das Glattbügeln von Verpackungspapier habe ich bislang verzichtet. Allerdings sollte man darauf achten, dass das Verpackungsmaterial nicht für den ursprünglichen Schenkenden wiederverwendet wird. Bewährt haben sich auch papierne Geschenktragetaschen, die problemlos mehrfach verwendet werden können.
Statt Recycling könnte Selbermachen Freude bereiten. Unbedrucktes Papier kann sehr schön aussehen, wenn man es mit Leimfarben bestreicht und mit einem Kamm mehrfarbige, ineinander verlaufende Wellenmuster erzeugt. Das ist zudem eine schöne vorweihnachtliche kreative Tätigkeit für Kinder. Interessant zum Verpacken ist auch Zeitungspapier. Hierfür eignen sich besonders großformatige Gazetten. Interessante, eventuell geschenkbezogene Seiten laden nach dem Auspacken sogar zum Lesen ein. Zudem zeugen sie vom Bildungsniveau des Schenkenden…..
Besonders nachhaltig für unsere Umwelt ist der gänzliche Verzicht auf Verpackungspapier. Tücher und Stoffbeutel können ein Geschenk auch aufhübschen. Sie sind bestens wiederverwendbar. In Japan ist mir dieser Brauch schon vor Jahren begegnet. Möglicherweise verwendet man dort das Holz statt zur Papierherstellung lieber zur Produktion von Essstäbchen?
Das Thema Verpackung berührt uns Menschen offensichtlich in sehr vielen Lebensbereichen: Geschenke, Gütertransport, Mode u.v.m., ist ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor, sollte aber im Hinblick auf seine Auswirkungen auf die Umwelt mehr und kritisch bedacht werden.

HJ Ferenz

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