The Spirit of Woodstock

14. November 2019 | Glosse | 1 Kommentar

Paula ist mit ihrem Spanier gestern in den Abendstunden zweimal an der Händelhalle vorbei gekommen. Festlich gekleidete Menschen strömten zu einer Veranstaltung an uns vorbei. Eine Dame trug einen Karnevalshut. Im Innern wurde Sekt, Bier oder Selters gereicht. Streng blickende Sicherheitsmänner kontrollierten die Tickets. Vielleicht spielt die Staatskapelle oder, ich dachte an den Karnevalshut, ist heute eine Faschingsveranstaltung? Ernster Spaß oder spaßiger Ernst in der Händelhalle, na, Sie wissen schon, wie Karneval halt so ist.

Dieses ganz besondere Hippie-Lebensgefühl

Nach unserer Stadthausverpflichtung kamen wir ca. 2 Stunden wieder vorbei. Es schien in der Händelhalle gerade Pause zu sein. Es wurde in festlichen Kleidern, Anzügen und bei angeregter Unterhaltung Weinchen, Sekt etc. geschlürft. Nun war ich doch neugierig. Was wird denn heute geboten? Ups, „The Spirit of Woodstock“ stand für den 13. November 2019 auf einem Plakat. Dazu gab es eine bunte LSD-Illustration mit bekifften jungen Leuten. Blick aufs Plakat. Blick auf die Mittvierzigerin im knappen Abendkleid. Blick zurück aufs Plakat. Wie heißt es so schön im Pressetext der Show: „…drei Tage lang im Regen und bei Sonne, im Schlammchaos und bei dem ein oder anderen dicken Joint sich selbst und die Musik feierte. Die Songs von damals sind bis heute lebendig – und mit ihnen dieses ganz besondere Hippie-Lebensgefühl, das die Show THE SPIRIT OF WOODSTOCK auf mitreißende Weise einfängt.“

Und „Dazu laden die Moderationen und Erzählungen zwischen den Songs zu einer emotionalen Zeitreise ein und lassen den kreativen Geist des „Summer of ´69“ lebendig werden.“ (Quelle: Pressetext der Show „The Spirit of Woodstock“, Michael Noll für Reset Production)

Und dann kam der Lachkrampf. Wenn es einen Beweis dafür gegeben hätte, das Woodstock tot ist, so war es diese Szene: Sekt, Wein oder Selters im Anzug und Abendkleid zum „Spirit of Woodstock“. Nie im Leben wäre ich darauf gekommen. Vor Lachen rannte ich fast gegen den Bandbus. Der Spanier zog mich rechtzeitig beiseite. Ein Passant, der vorbei schlenderte, schaute peinlich berührt. Der Spanier erklärte: „Zuviel gekifft, die Oma.“

Zu Hause habe ich dann das alte Kleid von Roskilde-Festival 1979 herausgeholt, noch mit Originalschlammspritzern, und das Electric-Lady-Land-Album auf volle Lautstärke gedreht. Der Spanier hat sich in der Bibliothek eingeschlossen und bis zum Frühstück nicht mit mir geredet.

„Bei allen schwarzen Madonnen der Pyrenäen, was hast Du denn erwartet? Halloren, Hallenser und Hallunken als Blumenkinder verkleidet?“, fragte er mich beim Kaffee, „Du hast es doch nicht gesehen, es war bestimmt gut gemacht.“

„Love and Peace“, erwiderte ich, dachte wieder an die Gesellschaft, die den kreativen Geist von 1969 lebendig gemacht hatte, dachte an Regen, der in das Sektglas tropft, an den knöchelhohen Schlamm, der das Abendkleid einsaut, konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen. Der Spanier gab mir irgendwann einen Beruhigungstee, fragen Sie mich nicht, was für ein Kraut er da aufgebrüht hatte. Hat jemand von Ihnen ein weißes Kaninchen gesehen? Es hat bestimmt den Geist von Woodstock gestohlen!

Sie können übrigens die Show noch sehen: am 14.11.2019  in Wolfen im Kulturhaus, 19:30 Uhr, am 15.11.2019 in Wittenberg im Stadthaus, 20:00 Uhr und am 16.11.2019 in Weißenfels im Kulturhaus, 20:00 Uhr. Bitte ziehen Sie sich festlich an!

Paula Poppinga

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