Festakt: Himmelsscheibe ist Weltdokumentenerbe

1. Oktober 2013 | Nachrichten | 2 Kommentare

Sachsen-Anhalt gehört mit zur Wiege der zivilisierten Menschheit. Mit einem Festakt im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) wurde am Montag die Himmelsscheibe von Nebra ins Welt-Dokumentenerbe aufgenommen.

Die UNESCO hat die goldverzierte Bronzescheibe, die 1999 bei einer Raubgrabung entdeckt wurde, bei ihrer Tagung südkoreanischen Gwangju ins Weltregister des Dokumentenerbes “Memory of the world” aufgenommen. Nun erfolgte noch der offizielle Akt. Walter Hirche, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, überreichte die Urkunde an den Landesarchäologen Dr. Harald Meller.

“Die Himmelsscheibe ist ein Beleg dafür, dass die Menschen in der Bronzezeit über exaktes Wissen kosmischer Zusammenhänge verfügten. Vor ihrer Entdeckung ließen bisher nur monumentale Errichtungen wie Stonehenge verschlüsselte Rückschlüsse auf frühes Wissen zu”, sagt Professor Joachim-Felix Leonhard, Vorsitzender des Deutschen Nominierungskomitees “Memory of the World”.

„Die Aufnahme der Himmelsscheibe in das Weltdokumentenerbe ist für unser Bundesland Sachsen-Anhalt eine große Ehre und Freude. Auf dieser Liste finden sich sublime Schöpfungen des Geistes. Auch aus diesem Grund erfüllt uns diese Auszeichnung mit Stolz. Mein Dank gilt allen, die sich für die Aufnahme stark gemacht haben.“ Das sagte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff während des Festakts. In seinem Grußwort hob Haseloff die Bedeutung der Himmelsscheibe für den Kulturtourismus in Sachsen-Anhalt hervor. „Die Himmelsscheibe von Nebra hat dem Tourismus in unserem Land neue Potentiale erschlossen, und sie wird ihm weiterhin wichtige Impulse geben. Auf viele Menschen übt die Himmelsscheibe eine große Faszination aus. Auch sind die Kultur und die kulturelle Infrastruktur wichtige Standortfaktoren. Ein reiches und anspruchsvolles kulturelles Angebot ist für jede Stadt und Region ein Vorteil.“ Haseloff wies auf die historische Bedeutung der Himmelsscheibe hin. „Sie ist zweifellos einer der wichtigsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts. Die Himmelsscheibe von Nebra konfrontiert uns mit bisher unbekannten Fakten, stellt vermeintliche Gewissheiten infrage und eröffnet uns tiefe Einblicke in die geistigen Konzepte und das Weltbild des Menschen vor mehr als 3.600 Jahren.“ Haseloff erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das 7.000 Jahre alte Sonnenobservatorium in Goseck. „Goseck und die Himmelsscheibe sind früheste archäologische Belege für systematische Himmelsbeobachtungen. Sachsen-Anhalt ist reich an archäologischen Sensationsfunden“, so der Ministerpräsident.

Die Himmelsscheibe wurde vor etwa 3.600 Jahren auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt vergraben. Die 32 Zentimeter große Scheibe wurde 1999 bei einer Raubgrabung entdeckt. Sie ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) zu sehen. Sie vereint das Wissen mehrerer Generationen und wurde während ihrer 100- bis 200-jährigen Nutzungszeit mehrfach verändert, bevor sie vor etwa 3.600 Jahren auf dem Mittelberg bei Nebra (Sachsen-Anhalt) zusammen mit wertvollen Beigaben rituell begraben und den Göttern geweiht wurde. In ihrer frühesten Form zeigt die Himmelsscheibe den Vollmond bzw. die Sonne, den Sichelmond und das Siebengestirn und birgt in dieser scheinbar einfachen Form eine komplizierte Botschaft – die genaue Abgleichung des unterschiedlich langen Mond- und Sonnenjahres. Damit war zum ersten Mal ein astronomisches Instrument verfügbar, mit dem Termine über Jahre hinaus exakt bestimmt werden konnten. Eine schriftliche Überlieferung der Schaltregel taucht erst 1000 Jahre später auf. Astronomisches Wissen aus einer so frühen Zeit war uns bislang nur in monumentalen Bauwerken wie etwa Stonehenge bekannt, dort allerdings in wesentlich abstrakterer Form. In ihrer wechselvollen Geschichte wurde die Scheibe ergänzt und verändert und erhielt so auch eine religiöse Komponente. In einer schriftlosen Zeit vereinigte die Himmelsscheibe somit ein außergewöhnliches Verständnis astronomischer Phänomene mit religiösen Vorstellungen. Sie ist von einzigartigem historischem Wert für das Erbe der Menschheit.

Ebenfalls aufgenommen wurden das Lorscher Arzneibuch sowie die Goldene Bulle und Schriften von Karl Marx. Seit 1992 sichert die UNESCO mit einem globalen digitalen Netzwerk den Erhalt historisch bedeutsamer Dokumente vor dem Vergessen. Es umfasst nun 299 Dokumente aus allen Weltregionen. Deutschland ist im Register jetzt mit 17 Einträgen vertreten, darunter mit der Gutenberg-Bibel, Beethovens Neunter Symphonie und dem Nibelungenlied. Die Herkunftsländer verpflichten sich, für die Erhaltung und Verfügbarkeit des jeweiligen Dokumentenerbes zu sorgen. Alle zwei Jahre kann jeder UNESCO-Mitgliedstaat zwei Vorschläge zur Aufnahme in das “Gedächtnis der Menschheit” einreichen.

Print Friendly, PDF & Email
2 Kommentare

Kommentar schreiben