Von Begabtenförderung hält der Bildungsminister offensichtlich gar nichts

16. Oktober 2017 | Bildung und Wissenschaft | 1 Kommentar

25 Jahre lang gab es in Sachsen-Anhalt für begabte Kinder und Jugendliche das Angebot, sich in verschiedenen Fächern in sogenannten Korrespondenzzirkeln mit anspruchsvollen Aufgaben auseinanderzusetzen und so ihre Kompetenzen über das Niveau des Schulunterrichtes hinaus zu entwickeln. Mit diesem Haushaltsjahr hat die Landesregierung dieses einmalige Angebot eingestellt, in dem zuletzt jährlich bis zu 2.000 Schülerinnen und Schüler vor allem aus Grundschulen und Gymnasien von qualifizierten Fachkräften aus Schulen und Hochschulen betreut und angeleitet wurden. Als Grund gibt die Landesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die LINKE an, dass die 12.000 Euro pro Jahr – also etwa 6 Euro pro Schüler – die als Aufwandsentschädigung an die Kursleiter gezahlt wurden, im Doppelhaushalt 2017/2018 nicht mehr aufzutreiben gewesen wären. Dazu erklärt der Bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Lippmann:

„Es ist ein Armutszeugnis für die Landesregierung und Bildungsminister Tullner, ein etabliertes und seit Jahren bewährtes System der Begabtenförderung wegen einer lächerlich geringen Summe einfach sang und klanglos einzustellen. Mehr als ein mageres Dankeschön hatte das Bildungsministerium für das oft jahrelange Engagement von Lehrkräften und Hochschulbeschäftigten nicht übrig. Diese wurden schon vor knapp einem Jahr darüber informiert, dass die Korrespondenzzirkel beendet würden, weil keine Haushaltsmittel mehr zur Verfügung stehen.

Von Begabtenförderung hält der Bildungsminister offensichtlich gar nichts

Zu dem Zeitpunkt war der Haushalt noch längst nicht beschlossen, die fehlenden Mittel hätten eingestellt werden können, wenn die Abgeordneten ausreichend auf die Folgen hingewiesen worden wären. Das ist aber von Seiten des Ministeriums unterblieben. Auch jetzt wird nicht an eine Korrektur dieser Fehlleistung gedacht. Das Ministerium verhält sich, als sei man ein lästiges Übel losgeworden und habe nicht gerade ein Juwel weggeworfen.

Von Förderung hält der Bildungsminister offensichtlich gar nichts – nicht für die, die Unterstützung brauchen, um in der Schule erfolgreich lernen zu können und nicht für die, die mehr leisten können und wollen, als im normalen Unterricht möglich ist. Die Fraktion Die LINKE fordert das Bildungsministerium auf, durch Umschichtungen im Haushalt für 2018 und die folgenden Jahre die Mittel wieder bereitzustellen, so dass die Korrespondenzzirkel ab dem Schuljahr 2018/19 wieder im bisherigen Umfang ihre Arbeit aufnehmen können.“

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