Uni Halle knackt im Wintersemester die 20.000-Studenten-Marke

1. Oktober 2012 | Bildung und Wissenschaft | 2 Kommentare

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg startet erstmals mit mehr als 20.000 Studenten in ein Wintersemester. Demnach studieren aktuell 20.230 junge Männer und Frauen an der MLU, darunter 2.827 Ersteinschreibungen sowie 1.004 Neueinschreibungen. Darüber informierte Uni-Rektor Udo Sträter am Montag. Immer beliebter wird die Uni bei Studierenden aus den alten Bundesländern, so kommen vier von zehn Erstsemestern aus Westdeutschland. „Die Atmosphäre draußen ist sehr schön, die Sonne strahlt“, so Sträter. Das treffe auch auf die Zahlen der Uni zu. „Wir gehen davon aus, dass wir den Hochschulpakt erfüllen.“ Deshalb sei man relaxt. Ende Oktober gibt es die endgültigen Zahlen. Denn mehrere Studenten bewerben sich an mehreren Hochschulen, springen dann ab. Mindestens 2.707 Erstsemester muss die MLU vorweisen. Dazu zählen auch die Einschreibungen des Sommersemesters.

„Das letzte Jahr war im Grunde genommen nicht schlecht“, fasste Sträter das letzte Semester zusammen. Beispielhaft nannte er die Zertifizierung als familiengerechte Hochschule oder die Beteiligung an einem Artikel im Fachmagazin „Nature“. Für Wissenschaftler sei dies ein Ritterschlag. Jede Menge Tagungen wie eine Bienenforscher-Konferenz habe die Uni durchgeführt. Zusammen mit Jena und Leipzig erhielt Halle zudem das integrative Zentrum für Biodiversitätsforschung. Auch der Wissenschaftscampus Bioökonomie zusammen mit den Leibniz-Instituten sei hervorzuheben. Platz 40 unter den 117 deutschen Universitäten belege man bei der Einwerbung von Fördergeldern, insbesondere bei den Geisteswissenschaften sei Halle gut vertreten. Auch ein Zentrum für multimediales Lernen und Lehren werde eingerichtet, erklärte Sträter. In der zweiten Runde des „Qualitätspakts Lehre“ von Bund und Ländern erfolgreich. Umstritten sei das CHE-Ranking, wies Sträter darauf hin. Die Uni Halle sei nicht ganz unzufrieden mit den Ranking werden, habe man doch gute Noten bekommen. Kürzlich erfolgte auch die Grundsteinlegung für den Steintor Campus – das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum. Begangen wurde in Halle das Jahr auch als Jahr der Wissenschaften, wenn auch die Saalestadt den Titel nicht geholt habe. Auch eine Schenkung von Druckgrafiken Dalis und Picassos zählte Sträter zu den Highlights der letzten Monate.

In den nächsten Monaten stehen Fragen der internen Strukturanpassung an. Deshalb sei keine Zeit, sich auszuruhen. Daneben stehe im kommenden Jahr die Bewertung durch den Wissenschaftsrat an, der im Oktober noch die Geistes- sowie Agrar- und Ernährungswissenschaften sowie die Medizin unter die Lupe nimmt. Sträter rechnet im Sommer mit Ergebnissen. Am 31. Dezember 2013 laufen zudem die Zielvereinbarungen mit dem Land aus, die Neuverhandlungen stehen also an. Daneben stehen die Gespräche über den Doppelhaushalt des Landes an und damit Fragen der Zahlungen an die Uni.

Man bleibe für Studierende attraktiv, erklärte Prorektor Christoph Weiser. Zwar sind die Zahlen der Erst- und Neueinschreibungen geringer als im letzten Jahr. Doch da gab es auch den doppelten Abiturjahrgang in Niedersachsen. Mittlerweile kommen nach Sachsen-Anhalt die meisten Studenten aus Niedersachsen. Im laufenden Jahr gab es in Baden-Württemberg einen doppelten Abiturjahrgang. Zwar habe man deshalb auch dort geworben, aber nicht ganz so viele Studenten anlocken können. Mit 112 Personen kommen die meisten ausländischen Studierenden aus Vietnam, gefolgt von Russland und China. Weiser rechnet im Oktober noch mit weiteren Einschreibungen, aber auch einigen Exmatrikulationen. Erfreulich sei die Zahl der ausländischen Studierenden, die weiterhin ansteige. Stark nachgeragt sind wieder Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre. Laut Weiser habe man zusätzliche Mittel zu Verfügung gestellt, wolle aber schauen, ob weitere Gelder nötig sind.

Die Uni will sich immer mehr als Gründer-Hochschule profilieren. Laut Pro-Rektorin Birgit Dräger wolle man sich dem Spannungsfeld zwischen akademischer Grundlagenforschung sowie praktischer Fertigkeiten und Fähigkeiten stellen. Inzwischen habe man den Status als Gründerhochschule erworben. Mit Hilfe von Univations habe man einen Gründungsservice ins Leben gerufen. Professorin Dr. Claudia Becker berichtet von ersten Befragungen unter Unternehmen, die gegründet haben, sowie Studierenden und Lehrkräften. Hauptmotiv für eine Gründung sei demnach der Wunsch für selbstbestimmtes Handeln. Nur 9 Prozent sind der Meinung, es wäre ein Weg aus der Arbeitslosigkeit. „Es ist also mehr ein Wollen als ein Müssen, sich für Existenzgründungen zu entscheiden.“ Das Gründungspotential nehme mittlerweile 52 Prozent aller befragten Studenten ein. Auch um das nicht gehobene Potential wolle man nun werben. Je nach Fachbereich sei die Offenheit aber unterschiedlich. Hoch sei das Potential in den Bereichen Ingenieure, Wirtschaftswissenschaften, Kunst, Forstwirtschafts- und Ernährungswissenschaften. Laut Birgit Dräger sei es mit finanzieller Unterstützung möglich, Qualifikationen zur Existenzgründung zu lernen. Vom 12. bis 16 November gibt es daher eine eigene Gründerwoche an der Uni.

„Wir haben im Moment eine Struktur, die sich mit dem Budget nicht ganz deckt“, fasste Sträter die aktuelle Situation an der Uni blumig zusammen. Denn Studenten klagen doch über einige Probleme. Die Uni müsse raus aus der Defizitfalle. Aktuell beträgt das strukturelle Defizit beim 6,5 Millionen Euro, „das ist schon eine ziemliche Behinderung der Universität.“ Die Uni müsse nun zeigen, dass sie mit diesem Geld auskommt. Bei den Neuverhandlungen gelte es, diese Mittel zu verteidigen.

Viele Studenten bedeuten auch diesmal wieder Platzprobleme. Voraussichtlich müsse man auch diesmal wieder das Steintor Varieté anmieten, weil der Audimax zu klein sei. „Und ich will keinen Ärger mit dem Brandschutz“, so Prorektor Weiser.

Bei einigen Studiengängen mit universitärem Numerus clausus gibt es weit mehr Bewerber als zur Verfügung stehende Plätze. Besonders überlaufen ist die Psychologie, 34 Bewerber auf jeden Bachelor-Studiengang stehen bereit. Beim Geographie-Lehramt für Gymnasien sind es 26 Bewerber je Studienplatz, Chemie und Deutsch jeweils 15. Die meisten Einschreibungen gab es wie im Vorjahr bei der Rechtswissenschaft mit 416. Eine schwache Nachfrage gibt es dagegen in der Physik.

Die Uni Halle bietet 97 Bachelor- und 90 Master-Studiengänge. Hinzu kommen 5 Staatsexamensstudiengänge, drei Studiengänge mit Abschluss Konzertexamen, Evangelische Theologie sowie mehr als 50 unterschiedliche Lehramts-Studiengänge. Neben den Zahlen der Einschreibungen sind auch die Absolventenzahlen interessant. Etwa zwei Drittel holen am Ende tatsächlich einen Abschluss. Beim restlichen Drittel handelte es sich nicht ausschließlich um Studienabbrecher, viele setzen ihr Studium an anderen Hochschulen fort oder wechseln das Fach.

Print Friendly, PDF & Email
2 Kommentare

Kommentar schreiben