Tullners Sprüche zu Schulen auf der Silberhöhe lösen Empörung aus

25. Januar 2021 | Bildung und Wissenschaft | 14 Kommentare

In der Samstagsausgabe der Volksstimme äußerte sich Bildungsminister Marco Tullner (CDU) zum Digitalunterricht. Dabei führte er aus, dass man beim Distanzunterricht in Stadtteilen wie Halle-Süd bedenken müsse, dass es Kinder gebe, die kognitiv nicht in der Lage seien, Videoformaten zu folgen.

Zitat aus der Volksstimme: “Beim Distanzunterricht an staatlichen Schulen müssen sie aber auch Kinder in Magdeburg-Olvenstedt, Halle-Süd oder Stendal-Stadtsee mitnehmen. Es gibt Kinder, die entweder von der technischen Ausstattung her oder kognitiv nicht in der Lage sind, Videoformaten zu folgen.”

Die Äußerungen haben sowohl bei der Halleschen Ratsfraktion der SPD als auch der LINKEN Empörung ausgelöst : So äußerte sich beispieklsweise Eric Eigendorf, Vorsitzender der SPD-Fraktion „Der Bildungsminister zeigt einmal mehr, dass er bei der Digitalisierung an den Schulen unseres Landes ein Bremser ist, wo er die Entwicklung eigentlich antreiben müsste. Dass er sich nun aber nicht um Lösungen bemüht, sondern die Intelligenz von Schülern als Grund für das Scheitern des Distanzunterrichtes anführt, ist für einen Bildungsminister ein grobes Foul. Umso erschreckender ist, dass Tullner als Hallenser für die Begründung dieser seltsamen These auch noch Halle-Süd als Beispiel anführt. Schülerinnen und Schüler aus bestimmten Stadtteilen landesweit pauschal als zu dumm für Distanzunterricht abzustempeln, ist nicht akzeptabel”

Ähnlich äußert sich auch Henrik Lange von der Ratsfraktion der LINKE:

„Es ist nicht hinnehmbar, dass der aktuelle Bildungsminister von der CDU sich einfach ein paar Stadtteile heraussucht und die dortigen Schüler*innen für sein Versagen bei der Unterrichtsversorgung in Corona-Zeiten verantwortlich macht. In seinem Interview weist er zurecht darauf hin, dass einige Kinder nicht die technische Ausstattung für Online-Unterricht haben. Dazu möchten wir ergänzen: Es gibt auch einige Schulen, die weder Ausstattung noch Personal dafür haben. Und es wäre seine Aufgabe als Minister, sich genau darum zu kümmern.

Stattdessen fügt er an, dass einige Schüler*innen an staatlichen Schulen „kognitiv“ nicht in der Lage dazu seien, dem Online-Unterricht zu folgen. Wir stellen fest: Tullner hat sich mit seinem Scheitern abgefunden. Statt Schüler*innen in einigen Stadtteilen pauschal zu stigmatisieren und private und staatliche Schulen gegeneinander auszuspielen, sollte er anfangen, seine Arbeit zu machen – oder eben seinen Stuhl räumen. Alles andere ist ein weiterer Angriff auf die Bildungsgerechtigkeit in unserem Land.“

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