Tiefwurzler ölt Schenkelbienen: Rätselpflanze vertreibt auch lästige Insekten und Husten

20. Januar 2020 | Bildung und Wissenschaft | 1 Kommentar

Unsere Rätselpflanze ist eigentlich gar nicht so selten. Aber früher hat man sie als Heilpflanze gewürdigt. Sie liebt feuchtnassen sandig-lehmigen Boden, wächst an Uferrändern und Böschungen. Trockene Biotope meidet sie. Vorübergehende Trockenheit übersteht sie offenbar dank ihrer tiefreichenden Wurzeln. Von Juni bis August blüht sie leuchtend gelb. Die Blüten stehen traubig dicht am Stängelende.
Über Drüsenhaare an den 2 Zentimeter großen Blüten scheidet die Pflanze Lipide aus, mit denen bestäubende Insekten angelockt werden. Die Bestäuber statt mit Nektar mit Öl anzulocken und zu belohnen, kommt in unserer heimischen Flora relativ selten vor. Die solitär lebende Schenkelbiene (Macropis europaea) hat sich ganz auf den öligen Nektar eingestellt. Die Weibchen sammeln das Öl mit Hilfe von Saugpolstern an ihren Mittelbeinen und streichen es in ihre Hinterschenkelbürsten, wo es sich mit dem gesammelten Pollen zu einem dicken Klumpen vermischt. Dieser Ölpollen dient als nahrhafte Nährpaste für ihre Larven. Pollenfressende Schwebfliegen lieben diese Blüten ebenfalls. Noch etwas ist bemerkenswert: Die Blüten sind je nach Belichtung verschieden. Erhalten sie viel Sonnenlicht sind die Kronblätter dunkelgelb. Fremdbestäubung ist dann bei diesen Sonnenblüten die Regel. Die Schattenblüten sind dagegen heller und kleiner, was nur spontane Selbstbestäubung begünstigt.
In die Samen ist eine luftgefüllte Schicht eingeschlossen. So werden sie leicht vom Wind verdriftet. Fallen sie ins Wasser, sind sie wegen dieser Luftschicht bis zu einer Woche schwimmfähig und werden über die Wasserströmung weiter verteilt.
Im Mittelalter wurde die Pflanze als Heilpflanze genutzt. Sie war in jedem Bauern- und Burggarten anzutreffen. Von dort ist die Pflanze verwildert. Sie findet heute noch Verwendung als Färberpflanze für Wolle und Stoffe. Ihre Wurzeln ergeben ein schönes, sattes Braun und die Blüten ein sattes Gelb. Die Blüten kann man auch als Bleichmittel für die Haare nehmen. Der Pflanzenduft soll lästige Insekten fernhalten. Essen kann man die Blätter und jungen Triebe der Pflanze. Sie enthalten viel Vitamin C. Die adstringierenden und schleimlösenden Wirkungen der Extrakte unterstützen die Wundheilung und das Abhusten.
Wer weiß, wie dieses Primelgewächs heißt?

Auflösung Rätsel 3.KW 2020 („Blätter für den Hustinettenbär“): Eukalyptus gunnii, Most-Gummi-Eukalytus

Koala auf Eukalyptusbaum (Foto Ferenz)

Dass wir es hier mit Eukalyptus zu tun haben, war leicht zu erkennen. Mehrere Hundert Eukalyptus-Arten gibt es auf dem australischen Kontinent. Fast alle bilden die Hustenbonbons-typischen ätherischen Öle und sind an die extremen Klimabedingungen in Downunder angepasst. Bis in unsere Wohnzimmer hat es der Eucalyptus gunnii wegen seiner Winterfestigkeit geschafft. Sein natürliches Verbreitungsgebiet sind die Höhenlagen Tasmaniens, nicht der australische Kontinent! Daher die Frosttoleranz. Neben der heilsamen Wirkung der ätherischen Öle wussten die Aborigines auch die üppig austretenden Säfte (=Most) zu nutzen, wenn man die Stämme anritzte. Der Baum wird deshalb auch Most-Gummi-Eucalyptus genannt.
Übrigens, die besondere endemische Tier- und Pflanzenwelt Tasmaniens kann man in diesem Film kennenlernen: https://www.3sat.de/dokumentation/reise/tasmanien-insel-am-ende-der-welt-100.html

Ein junger Zweig von Eukalyptus gunnii

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