Stura der Uni Halle will keine Anwesenheitspflicht

19. Dezember 2015 | Bildung und Wissenschaft | 47 Kommentare

Der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat sich erneut gegen eine Anwesenheitpflicht als Kriterium für Prüfungszulassungen ausgesprochen.

Ein Studium sollte eine Beschäftigung selbstbestimmter und –verantwortlicher Individuen sein, welche ihre Zeit ebenso selbstständig organisieren dürfen, so der Stura. Daneben sei im Landeshochschulgesetz die „Freiheit des Studiums“ verankert. Derzeit bestehe an der Uni Halle eine verwirrende Anzahl von Regelungen. Manche Institute kämen ohne Pflicht aus, andere Bereiche würden das ein- bis fünfmalige unentschuldigte Fehlen im Semester ermöglichen. Das Chaos um die Anwesenheitspflicht müsse beseitigt werden, eine grundsätzliche Abschaffung wäre zielführend, erklärt der Stura.

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  • #195098

    Der Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat sich erneut gegen eine Anwesenheitpflicht als Kriterium für Prüfungszulassungen
    [Der komplette Artikel: Stura der Uni Halle will keine Anwesenheitspflicht]

    #195099

    Studium ist Arbeit, und von der Arbeit kann man in begründeten Fällen entschuldigt(!) abwesend sein. Wer unentschuldigt fernbleibt, nimmt seine Pflichten nicht wahr und kann den Stoff nicht mitbekommen, der in Vorlesungen und Seminaren vermittelt wird…

    #195100

    Du kannst Dir nicht vorstellen, dass es viele Autodidakten unter den Studierenden gibt und gab, die gewisse Lehrveranstaltungen für Zeitverschwendung halten, weil für sie die Wissensvermittlung effektiver funktioniert? Zudem würde die Anwesenheitspflicht doch nur zu einer weiteren Verschulung des Studiums führen und ist an einer Universität fehl am Platze.

    #195101

    Da hast du wohl die Zeichen der Zeit „Bologna-Prozess“ nicht so recht mitbekommen…
    Autodidakt ist fein, nur kann der dann aber eben nicht auf die speziellen Facheigenschaften auch der Lehrenden nicht eingehen… und muß dann ggf. die Konsequenzen durch Verlängerung der Studienzeiten mit Gebühren bezahlen… aber jeder halt, wie er mag…

    #195102

    Warum sollte man verpflichtet sein, didaktischen Volldeppen zuzuhören, wovon es nicht wenige gibt?

    #195104

    Man kann es sich nicht vorstellen, wieviel Diziplin ein tagtägliches Arbeiten gehen erfordert. Das! kann man nicht früh! genug lernen 😉

    #195105

    SfK, schön wenn man als „grüner“ Student schon die akademischen Leistungen von Professoren und Dozenten einschätzen kann. Wozu dann überhaupt ein Studium? Wohl verschwendete Zeit?
    Punkte und Scheine gibt es im Bologna-Studium eben für Anwesenheit und Leistungen. Und das ist auch gut so! Großkotzigkeit und Überheblichkeit werden nicht bewertet und sind damit auch nicht prüfungsrelevant, zum Glück…

    #195106

    Anonym

    SfK hat aber recht. Didaktik ist keine obligatorische Voraussetzung mehr, um an einer Uni Lehren zu dürfen. Zumindest gibt es da keine Prüfungen mehr.

    Und so tummelt sich an den Universitäten einiges an wirklich fachlich hervorragendem Personal, welches schlicht unfähig ist , dieses verständlich zu vermitteln

    #195107

    Es gibt keine „Pflichten“ wie man sich ein Fachgebiet einverleibt. Es sei den, man wolle keine Wissenschaftler, sondern Zwangsneurotiker ausbilden.

    #195108

    Anonym

    Vorbemerkung mit der Bitte den vorherigen zu früh abgesendete Beitrag aufgrund von Unfertigkeit (Wirren Sätzen, Grammatik) zu löschen.

    Eigenverantwortung und Selbstständigkeit sind die zentralen Elemente auf denen ein erfolgreiches Studium aufbaut. Neben dem Besuch von Lehrveranstaltungen ist dabei die häusliche Erarbeitung von Studienarbeiten, Vorträgen etc. eigenverantwortlicher Bestandteil der zu erbringenden Studienleistungen, die oft auch an Fristen gebunden sind.

    Ich hege massive Zweifel, ob das Festhalten an klippschulartigen Herangehensweisen zur Ausbildung von Eigenverantwortung und Selbstorganisation beitragen kann.

    Hat zudem zum Beispiel ein(e) Alleinerziehende(r) aufgrund von Kindererkrankungen unaufschiebbare Arztbesuche mehr als dreimal im Semester zum gleichen Seminar, so wird sie dafür dann in der Regel noch mit einer Studienzeitverlängerung von einem Jahr bestraft. Das kann es wirklich nicht sein.

    Soviel an die Propagonisten autoritärer Verfahren im Hochschulstudium.

    #195109

    Mein Uni-Abschluß erfolgte noch in einer Zeit, als das nachgewiesene Wissen ausreichte. Jeder hatte die Wahl, mit welcher Intensität er die Vorlesungen besuchte.
    Aber es gab auch vereinzelt die Professoren, wo der Oberassistenten am Anfang der Vorlesung ein Foto von dem Hörsaal machten und die Anwesenheit auswerteten.

    #195110

    Man sollte sich doch fragen, ob das vorherige Studiensystem deutscher Prägung etwa schlecht gewesen sei (und das internationale Ansehen deutscher Diplome betrachten), weil es keine Anwesenheitspflicht gab. Dann kann man auch beurteilen, ob jetzt, mit einem Studiensystem anglo-amerikanischer Prägung, alles besser ist oder würde.

    #195125

    Anonym

    Es ist doch wirklich interessant, wie es einige schaffen, von der Anwesenheitspflicht auf die B.A./M.A. system zu schließen.

    Der Unterschied zwischen Diplom und B.A./M.A. liegt ja an dem extra Abschluss in Studienmitte beim B.A.. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen müssen die Sudierenden sich mitten im Studium auf einen extra Abschluss vorbereiten, Arbeiten schreiben etc. Damit wird viel Zeit verbraucht, die beim Diplom für andere Sachen zu Verfügung stand (einschließlich kürzerer Studienzeiten). Der Berufsqualifizierenden Abschluss das B.A. verhindert eigentlich zudem, dass das Studium anfangs direkt auf den höheren Abschluss ausgerichtet wird. Manche Studieninhalte werden so auf die Zeit nach dem B.A. verschoben, obwohl sie sonst inhaltlich (und auch beim Diplom) schon früher sinnvoll gelehrt werden können.

    Doch all das hat nicht mit der Anwesenheitspflicht zu tun. Hier geht es um die sogenannte „internationale Vergleichbarkeit“ und die Kreditpoints. Damit hier halt Äpfel und Birnen quantitaiv miteinander verglichen werden können, wird das Studium verschult, die mündliche und schriftliche Prüfungsfrequenz zu Lasten qualitativer Studienleistungen erhöht. Und um diese Verschulung/Vergleichbarkeit durchzusetzen, wird zunehmend auf die Anwesenheitspflicht zurückgegriffen. Und hier dagegen richtet sich das Ansinnen des StuRa.

    #195126

    Es ist durchaus denkbar, dass die Abwesenheit bei dem einen oder anderen Lehrveranstaltenden weniger schadet als die Anwesenheit.

    #195127

    Anonym

    Der Berufsqualifizierenden Abschluss das B.A. verhindert eigentlich zudem, dass das Studium anfangs direkt auf den höheren Abschluss ausgerichtet wird.

    Der Bachelorabschluss ermöglicht aber auch, dass man nicht ohne Ausbildung dasteht, wenn einem Lust und/oder Geld zwischendurch abhandenkommen. Eine Umorientierung ist so ebenfalls möglich. In die „richtige“ Arbeitswelt wechseln und eventuell zu einem späteren Zeitpunkt z.B. ein berufsbegleitendes Masterstudium absolvieren ist auch nicht schlecht.

    Manche Studieninhalte werden so auf die Zeit nach dem B.A. verschoben

    Das ist nicht automatisch verkehrt. Manche Auszubildende können Inhalte oft erst zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll lernen/anwenden.

    Insgesamt gibt es dennoch keinen Grund für generelle Anwesenheitspflicht. Da muss das Argument gar nicht mal Selbstständigkeit und Selbstorganisation lauten. Die deutlich sichtbaren Nachteile des seit Jahrzehnten kritisierten Frontalunterrichts sprechen für sich.

    #195128

    Der BA als „berufsqualifizierender Abschluß“ ist in den meisten Studienrichtungen eine Illusion.

    #195130

    Anonym

    Das mag sein. Es ist aber immerhin ein Abschluss. Anders als ein abgebrochener Diplomstudiengang. Ob da mehr als Politiker, Taxifahrer oder Internettroll bei rauskommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt…

    … dem Zeugnis. 🙂

    #195134

    Anonym

    Der Bachelorabschluss ermöglicht aber auch, dass man nicht ohne Ausbildung dasteht, wenn einem Lust und/oder Geld zwischendurch abhandenkommen.

    So etwas ist auf alle Fälle nicht verkehrt. Die Frage ist natürlich, ob man diesen „Abbrecher“abschluss gleich auch zum Regelabschluss machen musste. Es hätte durchaus auch andere Optionen geben können. Zudem garantiert der B.A. noch lange keinen Studienplatz in den entsprechenden M.A. Studiengängen.

    In den Naturwisschenschaften zeigt der B.A. in der Regel eine schlechtere Einstiegsqualifikation als die entsprechenden Abschlüsse für Laboranten. Auf der anderen Seite können sich die Firmen Ausbildungskosten sparen und sich aus dem Dualen Ausbildungssystem zurückziehen. An Stelle der von Ihnen auf eigene Kosten ausgebildeten Laboranten können sie dann auf die staatlich finanzierten ausgebildeten B.A.- Absolventen zurückgreifen.

    #195136

    Anonym

    Zudem garantiert der B.A. noch lange keinen Studienplatz in den entsprechenden M.A. Studiengängen.

    Kommt natürlich auf das jeweilige Ergebnis an. Das galt für postgraduale Studiengänge schon immer.

    Dafür kann man mit einem FH-Bachelor einen dem Uni-Diplom gleichwertigen (Master-)Abschluss (an der FH oder Uni) erlangen. Und diese, durch das Punktesystem nachvollziehbare Vergleichbarkeit, ist wohl der größte Vorteil an Bologna.

    #195139

    Studium ist Arbeit, und von der Arbeit kann man in begründeten Fällen entschuldigt(!) abwesend sein. Wer unentschuldigt fernbleibt, nimmt seine Pflichten nicht wahr und kann den Stoff nicht mitbekommen, der in Vorlesungen und Seminaren vermittelt wird…

    Nie studiert? Dank den ganzen Mischstudiengängen kommt man kaum noch ohne Überschneidung durch das Studium. Und abgerechnet wird bei der Prüfung.

    Je nach Studiengang gibt es dann noch ein paar richtige Hürden aber wohl mindestens die Bachelorarbeit.

    #195141

    Bei meinem Studium gab es bei den Vorlesungen keine Anwesenheitskontrolle.
    Wäre ja auch ohne IT ziemlich aufwändig gewesen.

    #195149

    Da gabe es eine nach Matrikeln oder Studiengruppen aufgeschlüsselte Anwesenheitsliste, auf der sich jeder einzutragen hatte… und von wegen mal mit unterschreiben lassen, konnte man vergessen. Irgendjemandem fiel das dann auf, und dann mar man wg. Unterschriftsfälschung geext…
    In anderen Studienbereichen war die Anzahl der Studenten auch überschaubar und die Doz wußten immer, wer seinen Platz nicht besetzt hatte…

    #195154

    Zitat: Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen müssen die Studierenden sich mitten im Studium auf einen extra Abschluss vorbereiten, Arbeiten schreiben etc. Damit wird viel Zeit verbraucht, die beim Diplom für andere Sachen zu Verfügung stand.“

    Mann, das in der DDR tatsächlich welche den Abschluss geschafft haben, erscheint jetzt im ganz neuen Licht. Da wurden doch mitten in Studium Fächer beendet und geprüft und neue begonnen, Dann wurde noch ein großer Beleg eingefordert! Viele würden heute schon an GAB scheitern 😉
    Und wir! mussten uns nachdiplomieren lassen.

    Die westdeutschen Absolventen sollten noch nachträglich dem Herrgott danken, das es nicht andersrum kam. 😉 😉

    #195157

    Stimmt, und manche haben sogar in einem Studienjahr die Prüfungen und noch ein Staatsexamen gemacht, und im anderen Jahr noch eines…
    Und ganz seltsam: sie hatten am Ende der vier Jahre Studium ein vollwertiges Hochschul/Uni-Diplom in der Hand…

    #195164

    Anonym

    “ Das galt für postgraduale Studiengänge schon immer.“

    Der Masterstudiengang ist aber (in der Regel) keine postgradualer Studiengang sondern ein konsekutiver Studiengang. Dabei entspricht der Master dem Diplom bzw. dem Magister. Bei der Hochschulreform Ende der 90er Jahre wurde offiziell eine Mastequote von 40% angestrebt (Wissenschaftsrat nach meiner Erinnerung). Das heisst, dass 60% der an den Hochschulen Immatrikulierten, ein dem Diplom entsprechender Abschluss verwehrt werden sollte. Aktuelle (reale) Zahlen kenne ich nicht.

    Gegen die Gleichstellung von FH und Uni ist nichts zu sagen.

    „Mann, das in der DDR tatsächlich welche den Abschluss geschafft haben,
    erscheint jetzt im ganz neuen Licht. Da wurden doch mitten in Studium Fächer beendet und geprüft und neue begonnen“.

    Da hat sich nichts geändert, nur dass man heute zweimal den Aufwand betreiben muss, eine vollständige Prüfung ( a la DDR-Diplomprüfung) abzulegen. Und dass natürlich der vermittelte Stoff, dem Zwischenziel eines berufsqualifizierenden Abschlusses bereits nach drei Jahren angepasst werden muss.

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