„Ringe der Macht“ ab November im Landesmuseum Halle

14. Januar 2019 | Bildung und Wissenschaft | 1 Kommentar

Ring von Paußnitz (Photo Copyright LDA Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták)

Seit über 100 Jahren befindet sich im Tresor des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle ein silberner Fingerring, der zeitweilig in wissenschaftlichen Fachkreisen als verschollen galt. Das Besondere, Rätselhafte an diesem Ring ist seine zwölfeckige Form und die eingravierte Inschrift, bestehend aus Symbolen und buchstabenartigen Zeichen. Der Ring wurde 1898 in einem Keramikgefäß zusammen mit Silbermünzen bei Paußnitz gefunden. Die Fundumstände wurden leider nicht dokumentiert und größere Teile des Silberschatzes gingen nach der Bergung verloren. Man interessierte sich für die Münzen, aber wenig für den ungewöhnlichen Ring. Der Fingerring hat einen Innendurchmesser von 18,8 mm; groß genug, dass er auch an eine Männerhand passte. Er besteht aus nahezu reinem Silber und wiegt etwas mehr als 5 Gramm. Das Bemerkenswerteste an diesem Ring ist seine Inschrift. Sie gab den Archäologen Rätsel auf. Jedes der zwölf Felder auf der Außenseite des Ringes ist mit einem Zeichen bzw. Buchstaben versehen. Anfang und Ende der Inschrift ist nicht eindeutig zu erkennen. Die Leserichtung der Buchstaben wechselt mehrfach. Natürlich ist bei einer derart verklausulierten Inschrift der Gedanke an einen geheimen und infolgedessen magischen Sinngehalt nahe liegend. Abnutzungsspuren zeigen, dass der Ring tatsächlich und für längere Zeit getragen wurde. Dem inneren Durchmesser nach zu schließen, zierte er eine Männerhand. Über den Herrn des Ringes kann nur spekuliert werden. Der beigefundene Münzschatz spricht für einen vermögender Händler, einen hohen geistlichen Herrn oder einen begüterten Adligen.
Fingerringe zierten nicht nur den Träger, sondern sagten etwas über ihn aus. Sie waren seit jeher bedeutende Herrschafts- und Statussymbole. Eine erste Kategorie bilden Herrschaftsringe, die als Zeichen des sozialen Standes, der Macht und des Reichtums zur Schau getragen wurden. Eine zweite Kategorie umfasst Fingerringe, die emotionale Botschaften symbolisieren, z. B. des Dankes, der Trauer, der Treue oder der Liebe (Trauring). Fingerringe einer dritten Kategorie sollen magische Kräfte haben und mit magischen Inschriften schützen.
Der Ring von Paußnitz ist der 3.Kategorie zuzuordnen. Die auf dem Ring dargestellte Botschaft ist, wie die Archäologen erkannten, auf mehreren Ebenen verschlüsselt. Bereits die graphische Gestaltung der Inschrift zielt darauf ab, hinsichtlich Sprache, Alphabet und Symbolgehalt falsche Spuren zu legen. So jedenfalls hätte kein Außenstehender Kenntnis von der wahren Bedeutung des Ringes gehabt und demzufolge auch keine Macht, dessen „magische Kraft“ durch Gegenzauber zu brechen. Der Silberring selbst offenbart aus diesem Blickwinkel genügend Hinweise, um ein Persönlichkeitsprofil vom Träger des Ringes zu skizzieren: Dieser Mann war schriftkundig und mathematisch geschult. Er verstand sich auf Zahlenmagie und beherrschte auch Schriftarten längst vergangener Zeiten. Dieses Schriftenwissen wie auch das theologische Programm, das der Ringkonzeption zu Grunde liegt, setzen umfassende Studien an verschiedenen Orten voraus. Offensichtlich hatte er Aufenthalt in vielen Bibliotheken und Kanzleien sowie Kontakt zu den avantgardistischen Kräften seiner Zeit. Der Urheber des Ringes war zweifelsohne vielseitig gebildet und stand auf der wissenschaftlichen Höhe seiner Zeit.
Auch heute fasziniert die von Ringen ausgehende Symbolkraft offenbar ungebrochen den modernen, aufgeklärten Menschen. Die magische Kraft von Ringen beschreibt der Fantasy-Autor J.R.R. Tolkien in seiner Trilogie »Der Herr der Ringe«. In der eindrucksvollen, effektvollen und aufwändigen Verfilmung des Romans wird der Zauber der Ringe vermittelt. Die Story in zwei Sätzen: Einem jungen Hobbit namens Frodo wird ein Ring anvertraut, von dem eine dunkle Macht ausgeht. Frodo macht sich mit seinen Freunden auf eine abenteuerliche Reise, um das von der zerstörerischen Kraft des Rings bedrohte Auenland zu retten. Die Filme waren ein großer Erfolg.
Ein ähnlicher Ring aus dem 14. Jahrhundert mit mystischer Bedeutung wurde im Schloss Meyenburg (Landkreis Prignitz) bei Ausgrabungen 2004 gefunden. Der „Dreikönigsring“ hat eine Inschrift in gotischer Majuskel: „+Jaspar+Baltazar+Melchior“. Die Namen der Drei Heiligen Könige verleihen ihm einen besonderen Zauber. Sie spiegeln den Dreikönigskult im späten Mittelalter wider. Sein Träger muss Burgherr oder eine wohlhabende Persönlichkeit gewesen sein, zum Beispiel der Meyenburger Herrscher oder ein bedeutsamer Gast. Die Heiligen Könige galten nämlich als oberste Reichsheilige, sollten Pilger und Reisende vor Unheil bewahren. Repliken des Dreikönigsrings fertigt jetzt ein Leipziger Goldschmied an. Ob sie Zauberkräfte haben, weiß man aber noch nicht.
Die Ausstellung »Ringe der Macht« im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) wird vom 15.November 2019 bis zum 1.Juni 2020 über die Vorstellungs- und Glaubenswelt des Mittelalters und die Vielfalt der »Ringe der Macht« im Verlauf der Menschheitsgeschichte informieren.

(H.J. Ferenz)

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