Marode Schulen: dringender Handlungsbedarf an 20 Einrichtungen

30. September 2012 | Bildung und Wissenschaft | Keine Kommentare

An 20 Schulen in Halle (Saale) stehen dringende Sanierungsmaßnahmen an. Das geht aus der neuen Prioritätenliste der Stadtverwaltung hervor, in der die Schulen mit dem Siegel „dringender Handlungsbedarf“ aufgeführt sind. An 26 weiteren Schulen sind ebenfalls mittelfristig Arbeiten nötig. Insbesondere beim Brandschutz hapert es. Doch teilweise ist auch der Gesamtzustand der Schulgebäude besonders schlecht.

Prioritätenliste der Stadt (zweimal anklicken, um zu vergrößern – Bewertungssystem am Ende des Artikels)

Mit ihrer neuen Prioritätenliste will die Stadtverwaltung – die letzte stammt aus dem Jahr 2007 –nun mit einem Punktesystem festlegen, welche Schulen in welcher Reihenfolge saniert werden sollen. Mit Blick auf nur begrenzt zur Verfügung stehende Mittel ist ein Platz weit vorn auf der Liste von Vorteil. „Mit der vorgenommenen Bewertung soll innerhalb des Gesamtbestandes der Schulen eine Rangliste erstellt werden, mit deren Hilfe Notwendigkeit und Dringlichkeit der Umsetzung von investiven Maßnahmen begründet werden“, stellt Bildungsdezernent Tobias Kogge klar.

Auf Platz eins steht die Sekundarschule Kastanienallee in Halle-Neustadt. Mittel für die energetische Sanierung hat die Stadt zusammen mit der benachbarten Grundschule Kastanienallee (Prioritätenliste Platz 7) bereits im Rahmen des Stark III-Förderprogramms erhalten. Beide Schulen will die Stadt zusammen mit dem ebenfalls benachbarten Christian-Wolff-Gymnasium zur ersten kommunalen Gemeinschaftsschule der Saalestadt ausbauen. Details zu diesem Projekt lesen Sie hier.

Platz zwei der Liste belegt die Grundschule „Karl Friedrich Friesen“, gefolgt vom gegenüberliegenden „Johann Gottfried Herder-Gymnasium“. In den beiden Gebäuden müssen die Keller trockengelegt und der Brandschutz verbessert werden. Mittel wurden bereits im Haushalt freigegeben.

Den vierten Platz auf der Prioritätenliste bekommt das Südstadtgymnasium. Es soll frühestens 2015 von einer Brandschutzverbesserung profitieren. Auch am Christian-Wolff-Gymnasium, das die fünfte Position belegt, ist die Verbesserung des Brandschutzes frühestens 2015 vorgesehen. Bereits jetzt profitiert die Grundschule „Gottfried Ephraim Lessing“ (Rang 6) von der Brandschutzsanierung.

Das marode Gebäude der Auenschule hat die Stadt auf Position 8 platziert. Die Stadt will Mittel für die zweite Förderrunde des Stark III-Förderprogramms beantragen. Die Gelder stehen frühestens ab 2014 zur Verfügung. In der Schule fehlt unter anderem ein zweiter Rettungsweg, es gibt keine Entrauchung und keine Brandmeldeanlagen. Zudem habe sich im Sanitärtrakt der Turnhalle Schimmel gebildet. Um die geforderte Demografiesicherheit zu erreichen, die Schule drei Klassenzüge und damit mehr als 200 Schüler erhalten. Damit dies gelingen kann sollen die Schuleinzugsbereiche angepasst werden. Unter anderem würden in dem Fall die Jamboler Straße, Murmansker Straße, Veszpremer Straße und Ouluer Straße neu aufgenommen.

Die auf Rang 9 und 10 liegenden Grundschulen Johannes und Ludwigsfeld erhalten bereits jetzt ihre Brandschutzsanierung. Auf Platz 11 wurde die Sekundarschule Halle-Süd eingeordnet. Bei der Einrichtung besteht zwar kein dringender Bedarf, es soll aber versucht werden, einen verbesserten Brandschutz herzustellen und dafür Mittel freizuschaufeln.

2014 – und damit zwei Jahre später als eigentlich geplant – soll die neue Grundschule Glaucha eröffnet werden. Doch zuvor muss das Gebäude in der Heinrich-Pera-Straße noch hergerichtet werden. Bildungsdezernent Tobias Kogge hat bereits Mittel für die Investitionsplanung 2013 angemeldet, diese muss aber der Stadtrat noch freigeben. Außerdem wird eine Einordnung in die nächste Runde des Stark III-Förderprogramms geprüft.

Bei der Grundschule „Albrecht Dürer“ (13) und der Sekundarschule „August Hermann Francke“ (14) wird die Einordnung in künftig Programme zur Verbesserung des Brandschutzes geprüft. Der wiederum wird bereits jetzt an der Fliederweg-Sekundarschule (15) hergerichtet. Dringend sanierungsbedürftig ist das Gebäude der Grundschule Frohe Zukunft (Platz 16), hier will die Stadt Mittel bei der zweiten Stark III-Förderrunde beantragen.

Weitere Schulen mit dringendem Handlungsbedarf: Grundschule am Kirchteich, Förderschule „Astrid Lindgren“, Grundschule „Hans Christian Andersen“, Grundschule Zollrain und Grundschule Diemitz.

Bewertungssystem:
SPALTE 3 – Bestand nach Demografie-Gutachten ISW
– 10 demografisch sicherer Standort, sehr hohe Bedeutung für Schulpflichtsicherung im Stadtteil/Stadtviertel
– 8 demografisch sicherer Standort, hohe Bedeutung für Schulpflichtsicherung im Stadtteil/Stadtviertel
– 5 demografisch sicherer Standort, Bedeutung für Schulpflichtsicherung im Stadtteil/Stadtviertel gegeben
– 3 z. Z. sicherer Standort, Nutzungsänderungen mittelfristig möglich
– 1 Bestandssicherheit des Standortes z. Z. nicht bestimmbar (Fortbestand der Schulform oder der Gebäudenutzung offen)

SPALTE 4 – Schülerzahl- und Kapazitätsentwicklung
– 12 Schülerzahl stark steigend, Kapazität wird überschritten
– 9 Schülerzahl steigend, Kapazität wird überschritten
– 6 Schülerzahl steigend, Kapazität ausreichend
– 3 Schülerzahl konstant, Kapazität vorhanden
– 0 Schülerzahl fallend, Kapazität vorhanden

SPALTE 5 – allgemeiner Zustand
– 5 schlechter allgemeiner Zustand
– 3 mittlerer allgemeiner Zustand
– 1 guter allgemeiner Zustand

SPALTE 6 – Brandschutz
– 5 Brandschutz im Schulgebäude mangelhaft
– 3 Brandschutz-Grundsicherung vorhanden bzw. Objekt im 1. bzw. 2. Grundsatz- und Baubeschluss Brandschutz in Schulen aufgenommen
– 1 Brandschutz gemäß Bauordnung vorhanden

SPALTE 7 – Investitionsbedarf
– 5 dringende Einordnung in Investitionsplan erforderlich
– 3 in Investitionsplanung aufgenommen bzw. Aufnahme geplant
– 0 z. Z. keine Investitionen erforderlich

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