Herder-Gymnasium: Eltern rebellieren gegen geplanten Umzug

5. November 2013 | Bildung und Wissenschaft | 1 Kommentar

Der von der Verwaltung geplante Umzug des Herder-Gymnasiums wegen Bauarbeiten sorgt für heftige Kritik unter Elternvertretern und Stadträten. Der Bildungsausschuss verschob deshalb am Dienstag den Baubeschluss.

Die Räte wollen insbesondere eine Aufschlüsselung zur geplanten IT-Verkabelung. Eine Ausstattung mit W-Lan wäre wesentlich günstiger und auch nicht so aufwändig, Wände müssten nicht zusätzlich aufgerissen und keine Kabelschächte verlegt werden. Nun soll noch einmal eine genaue Untersuchung aufgestellt werden. Diese könnte durchaus dazu führen, dass sich der Baustart verzögert. Ulrike Wünscher (CDU) hatte den Antrag auf Vertagung gestellt, dem bis auf Katja Raab (FDP) alle Räte zustimmten. Hendrik Lange (Linke) machte aber klar, dass jetzt kein aufwändiges Gutachten erstellt wird. Er forderte stattdessen eine Klärung innerhalb der Verwaltung und des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM) der Stadt. „Dort sitzen doch wohl ein paar Experten, die sich Gedanken gemacht haben, als sie die Vorlage erstellt haben“, so Lange. „Das wird doch wohl zu leisten sein.“ Katja Raab (FDP) warnte ebenfalls davor, für ein neues Gutachten weiteres Geld auszugeben. Als einzige der Räte stimmte sie deshalb gegen das Gutachten, das 15.000 Euro kosten soll. Stattdessen könnte man einen Fachmann im Ausschuss anhören, ohne weitere Mittel zu verschwenden.

Auch Eltern machten ihrem Unmut Luft. So beklagten sie sich, dass sie über weitere Pläne der Verwaltung wie die Schaffung eines neuen Gymnasiums oder einen möglichen Umzug der benachbarten Friesenschule an einen anderen Standort erst auf HalleSpektrum.de erfahren haben.

Sabine Failer-Hermann, Mutter von zwei Schülerinnen aus der 9. und 10. Klasse, befürchtet, dass das Herder-Gymnasium im neuen kommunalen Gymnasium am Hallmarkt eingegliedert werden soll. Durch die baubedingte Verlagerung in die Südstadt würden Schüler wegbrechen. „Folgt das Ganze einem höheren Ziel“, fragte sie.
Bildungsdezernent Tobias Kogge erklärte klar und deutlich, dass es am Hallmarkt um eine Neuschaffung gehe, weil die Zahl der Gymnasiasten immer mehr ansteigt. Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann ergänzte, das Herder-Gymnasium sei eine der wichtigen Bildungseinrichtungen der Stadt, beispielsweise der englischsprachige Zweig. Die Stadt stelle den Standort nicht in Frage. „Aber man muss leider in der sauren Apfel beißen, um einen kürzen Bauablauf zu bekommen.“

Ein weiterer Elternvertreter nannte es „nicht nachvollziehbar, warum eine viel höhere Zahl an Gymnasiasten einer viel kleineren Zahl an Grundschülern Platz machen soll.“ Er erkundigte sich, ob Alternativlösungen zu einem Umzug in die Südstadt geprüft worden seien. Man hätte durchaus auch während des Schulbetriebes oder in den Ferienzeiten bauen können, meinte Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann. Diese würde aber zu einem längeren Bauablauf und Mehrkosten von 300.000 Euro führen. Katharina Brederlow, Leiterin des Fachbereichs Bildung, erklärte, man verfahre nach dem Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“. Daneben gebe es für Grundschulen Schuleinzugsbereiche, für Gymnasien nicht. Dort kämen die Schüler aus der ganzen Stadt. Alternative Standorte im Umfeld gebe es nicht. Geprüft habe man aber einen Umzug in die Frohe Zukunft, doch dort finden ebenfalls Bauarbeiten statt. Eine Containerschule als Übergangslösung habe man aus Kostengründen verwiesen, diese würde mehrere Millionen Euro kosten.

Die Verwaltung will die beiden benachbarten Gebäude der Friesengrundschule und des Herdergymnasiums ab Februar 2014 sanieren. Unter anderem muss der Brandschutz gemacht werden. Die Stadt will zudem die IT erneuern. In den Winterferien soll das Herdergymnasium in die Ausweichobjekte Rigaer Straße 1a und Ingolstädter Straße ziehen, zeitgleich soll die Friesengrundschule in das gegenüberliegende Gebäude des Herdergymnasiums ziehen, damit anschließend die Brandschutz-Bauarbeiten am Grundschulgebäude beginnen können. Anschließend geht es dann am Gebäude des Herder-Gymnasiums weiter, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Erst in den Sommerferien 2015 sollen die Gymnasiasten dann zurückziehen. Zwei Jahre können die Schüler damit das Gebäude, in dem einst auch Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher zur Schule ging, nicht nutzen. Die Sanierung der Friesenschule soll 900.000 Euro, die des Herdergymnasiums 1,6 Millionen Euro kosten.

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