Großes Bürgerprojekt zur Ahnenforschung

4. März 2021 | Bildung und Wissenschaft | 10 Kommentare
Welchen Beruf haben die eigenen Vorfahren im 19. Jahrhundert in Halle ausgeübt? Und wen hat die Kaufmannstochter oder der Handwerker geheiratet? Das können Bürgerinnen und Bürger in einem neuen Citizen-Science-Projekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Vereins für Computergenealogie herausfinden. Dafür sollen Daten aus Kirchenbüchern der Mariengemeinde und der St.-Georgen-Gemeinde in Halle aus dem 19. Jahrhundert erfasst werden. Ziel ist es, mehr über den gesellschaftlichen Wandel und die soziale Klassenbildung in der Zeit zu erfahren und die Daten für die Ahnenforschung zur Verfügung zu stellen. Das Projekt startet mit einem digitalen Workshop am Freitag, 12. März.

Ahnenforschung ist beliebt und greift immer häufiger auf digitale Datenbanken zurück, wie sie beispielsweise der Verein für Computergenealogie bereitstellt. Dabei gibt es bereits regelmäßigen Austausch mit Historikerinnen und Historikern, die Daten online bereitstellen oder nutzen. Interessierte müssen längst nicht mehr selbst in die Archive und Bibliotheken gehen. So hat Dr. Katrin Moeller, Leiterin des Historischen Datenzentrums Sachsen-Anhalt an der MLU und Initiatorin des neuen Projekts, kürzlich in einem Forschungsprojekt die Kirchenbücher der halleschen Mariengemeinde aus den Jahren 1670 bis 1820 digital erfasst. „Wer möchte nicht mehr über die Geschichte seiner Familie und die Einwohner seiner Stadt in der Vergangenheit erfahren?“, so Moeller.

In einem neuen Citizen-Science-Projekt sollen nun entsprechende Daten ab 1820 erfasst werden. „Die Kirchenbücher sind ab dem 19. Jahrhundert wesentlich umfangreicher, da Halle seitdem stark gewachsen ist“, sagt Moeller. Um auch diesen Datenschatz zu erfassen, ist sie nun auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. In einer Datenbank können Interessierte selbst eintragen, wer wann wen geheiratet hat und welchen Beruf die Eheleute hatten. Als Quelle dienen digitalisiert vorliegende Kirchenbücher der Mariengemeinde, heute Marktgemeinde, und der St. Georgen-Gemeinde von 1820 bis 1900. In einem Workshop am Freitag, 12. März, von 13 bis 17 Uhr erfahren Interessierte, wie das funktioniert: Sie lernen, wie sie auf die eingescannten Kirchenbücher zugreifen und wie sie die Daten richtig erfassen können. Darüber hinaus erhalten sie Einblicke in die Recherchemöglichkeiten der digitalen Computergenealogie und erfahren, wie sie zum Beispiel ihre eigene Familie in den Onlinequellen finden können. In weiteren Workshops werden die Grundlagen der Kurrentschrift vermittelt, in der die Eintragungen verfasst sind.

Die Daten fließen anschließend unter anderem in die Promotion von Moritz Müller vom Institut für Geschichte ein. Sein Fokus liegt dabei auf den sozialen Netzwerken im 19. Jahrhundert. „Wir wollen schauen, zwischen welchen Familien sich soziale Kontakte entwickelt haben“, erklärt er. Für die Forschenden ist deswegen auch die Erfassung der Berufe wichtig. So können sie sehen, wen beispielsweise die Tochter eines Handwerkers oder eines Kaufmanns heiratete. „Frauen haben oft berufsgebunden geheiratet, weil sie selbst keinen Beruf erlernen konnten“, sagt Katrin Moeller. Im 19. Jahrhundert habe sich das aber langsam geändert, ebenso wie sich die Gesellschaft insgesamt veränderte. Da die Daten im Internet frei zur Verfügung gestellt werden, können sie darüber hinaus für weitere Forschungsprojekte oder für die eigene Ahnenforschung genutzt werden.

Interessierte können sich bis zum 11. März für den Workshop anmelden.

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  • #393543

    Welchen Beruf haben die eigenen Vorfahren im 19. Jahrhundert in Halle ausgeübt? Und wen hat die Kaufmannstochter oder der Handwerker geheiratet? Das k
    [Der komplette Artikel: Großes Bürgerprojekt zur Ahnenforschung]

    #393544
    #393545

    Das Projekt zum Adressbuch ist damit nicht gemeint, sondern das Projekt zu den Hallischen Heiratsgeschichten. Anmeldungsmöglichkeiten sind unter:

    Workshop: 12. März 2021


    beschrieben.

    #393546

    „Welchen Beruf haben die eigenen Vorfahren im 19. Jahrhundert in Halle ausgeübt?“
    Steht auch im Adressbuch.

    #393547

    Das Projekt kann sich nur an einen Bruchteil der heutigen Hallenser richten. Die Identität des Hallensers besteht darin, irgendwann zugezogen zu sein. Die Buna-Pälzer müssten ihre Kirchenbücher im Saarland und der Pfalz durchsuchen, die Nachkriegsler in Schlesien usw.
    Das ist Hallesche Identität, was ja etwas Positives hat. Inzucht gabs halt nur selten, dank anderer Gelegenheiten.

    #393600

    Lieblich Halle hat bestimmt noch einen Ahnentafel!

    #393602

    teu

    Mein Großvater erzählte mir von seinem Knastaufenthalt in Eisleben während der Märzkämpfe.
    Besonders gefiel ihm, dass eines Nachts „vergessen“ wurde die Tür zur benachbarten Frauenabteilung zu schließen.

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