Gewerkschaften protestieren gegen Uni-Kürzungen

9. Oktober 2012 | Bildung und Wissenschaft | Keine Kommentare

25 Lehrstühle mit insgesamt 100 Mitarbeitern will die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einsparen, weil ein Loch von 6,5 Millionen Euro im Uni-Haushalt klafft. Am Mittwoch will der Senat über die Sparpläne entscheiden. Umrahmt wird die Sitzung von Protesten.

Nach der Gründung eines Aktionsbündnisses von Studenten und Hochschulgruppen laufen auch die Gewerkschaften Sturm. „Eine Uni, die seit Jahren Überlast fährt und ohne Widerstand dort spart, wo jetzt schon Mangel herrscht, gefährdet nicht nur die Qualität von Lehre und Forschung, sondern schwächt den Hochschulstandort und die Region“, so Anne Voß Fachbereichsleiterin ver.di. Wenn es weniger Wissenschaftler gibt, würden auch die zugeordneten nicht wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen wegfalen. „Ob es dabei ausreicht, frei werdende Stellen nicht wieder zu besetzen oder ob gar Kündigungen die Folge sind, bleibt noch abzuwarten“, so Voß. Ausbaden müssen es die Studierenden. Das Rektorat will sich nach eigener Aussage mit dieser Vorlage in eine gute Verhandlungsposition gegenüber dem Ministerium für künftige Haushaltsverhandlungen bringen. „Jeder Haushälter weiß, dass dieses Unfug ist. Wir erwarten vom Rektorat und vom Senat, dass sie alles daran setzen, die Uni zu stärken und nicht durch Kürzungen im vorauseilenden Gehorsam den Weg zu bereiten für einen weiteren Abbau wider alle Vernunft.“ Die Gewerkschaft ver.di ruft alle Beschäftigten und Studierenden auf, am Mittwoch gegen die Pläne des Rektorats zu protestieren.

Und auch Sachsen-Anhalts Bildungsgewerkschaft GEW protestiert. „Das Rektorat der MLU sägt mit dem Konzept, 100 Stellen im Wissenschaftsbereich zu streichen, am sprichwörtlichen „Ast, auf dem die Universität selbst sitzt. Wir warnen nachdrücklich vor diesem Schritt, weil eine solche `Flurbereinigung` noch nie dazu geführt hat, die eigene Position zu stärken“, sagte GEW-Landeschef Thomas Lippmann. Er stellte sich damit hinter die Aussage der GEW-Hochschulgruppe. Diese hat sich gegen Behauptung des Rektorates gewandt, dass man auf diese Weise Handlungsfreiheit gewinnen würde und dass die Universität bei zukünftigen Haushaltsverhandlungen viel energischer auftreten könne. Wörtlich hieß es: „Diese Argumentation erschließt sich uns nicht. Wir befürchten viel mehr, dass eine Hochschule, die trotz Überlast über 100 Wissenschaftlerstellen streicht, damit den Eindruck erweckt, dass sie auch noch mehr abbauen kann. Hinzu kommt, dass ähnliche Argumentationen den Personalabbau seit 1990 begleiten. Immer gab es Akteure an der Universität, die meinten, dass man sparen müsse, um nötige Freiräume zu bekommen. Im Ergebnis waren die Stellen weg, Studiengänge und Einrichtungen wurden geschlossen.“ Die MLU habe aus Sicht der GEW wichtige Aufgaben für das Land zu erbringen, neben Lehre und Forschung in einem breiten akademischen Spektrum sei diese vor allem auch die Lehrerausbildung. Deren eben erst begonnene Zaghafte Aufwertung, werde damit in Zeiten des Lehrermangels gefährdet. Auch glaube die GEW noch nicht daran, dass die angestrebte Stellenstreichung ohne Kündigungen abgehen werde. Zumindest aber werde es erneut Arbeitsverdichtung und die Wahrnehmung der nicht zurückgehenden Aufgaben in prekären Beschäftigungsverhältnissen geben. Dagegen werde die GEW mobilisieren. Die GEW Sachsen-Anhalt unterstützt die Ankündigung der Senatorinnen und Senatoren mit GEW-Mitgliedsausweisen, gegen das Anliegen des Rektorates zu stimmen. Gegenüber der Landesregierung und den Regierungsfraktionen wiederholte Lippmann die GEW-Forderung nach aufgabengerechter Ausstattung und Finanzierung aller Hochschulen des Landes. „Es geht um die Zukunft des Landes in der Wissensgesellschaft“, sagte er.

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