Friesenschule: Eltern rebellieren gegen Umzug

6. April 2014 | Bildung und Wissenschaft | 1 Kommentar

Gegen den geplanten baustellenbedingten Umzug der Friesengrundschule in Halle (Saale) in die mehrere Kilometer entfernte Ottostraße regt sich Widerstand unter den Eltern.
Klassenraum Schule
Kurze Beine, kurze Wege: so hatte es die hallesche Stadtverwaltung noch im Herbst propagiert. Die Friesenschüler sollten während der Sanierung in das benachbarte Herdergymnasium, was anschließend saniert werden soll. Doch die Eltern der zahlenmäßig überlegenen Gymnasiasten hatten Erfolg mit ihrem Druck auf die Stadt, die knickte ein unter wollte die Friesenschüler zunächst in die Frohe Zukunft schicken. Denn wie sich jetzt herausstellt, hat die Stadtverwaltung mit der Grundschule Frohe Zukunft und deren Leiterin nicht einmal über die Umzugspläne der Friesenschule gesprochen.

Jetzt die neue Idee der Nutzung der ehemaligen Rosengarten-Grundschule in der 5 Kilometer entfernten Ottostraße. Ein Jahr sollen die 6- bis 10-Jährigen dort hin. „Die Stadt behauptet noch gegenüber der Schulleiterin, dass der Original-Speiseraum genutzt werden könne, bei einer weiteren Besichtigung jedoch mit den Elternvertretern, wird dann eröffnet, dass der Speiseraum/Küche doch nicht genutzt werden kann, da nur 1 Fluchtweg besteht und dadurch die Brandschutzvorschriften nicht erfüllt sind“, teilt der Schulelternrat mit. Dies sei ein weiteres Beispiel für das Chaos, welches offensichtlich vorliege, „erst Hüh, dann Hott.“ Nun müssten Räume geopfert werden, die für das pädagogische Konzept der Friesenschule wichtig seien wie der sehr gut ausgestattete Werkraum. Doch auch die Entfernung zur Schule sei für eine Pflichteinzugsschule für Schul-Neuanfänger erheblich „und bis jetzt ist der Transport für die Notwendigkeiten der Kinder weder hinsichtlich Abfahrtzeiten und sicherem Abfahrtsort noch hinsichtlich der Mehrkosten für die Eltern bei notwendiger Elternbegleitung der Kinder abgesichert oder zugesagt“, so der Schulelternrat. „Eiskalt wird hier sogar bei Kleinkindern, incl. Erst- und Zweitklässler vorausgesetzt, dass sie im Schulbus ggf. ohne zusätzliche Kinderbetreuung/Aufsicht den langen Schulweg alleine meistern!“

„Wir wollen die Sanierung! Jedoch wollen wir eine sinnvolle Gestaltung und keine panikartige Umsetzung“, so die Elternvertreter gegenüber HalleSpektrum.de. „Ursprünglich war uns von der Stadt eine Kinderfreundliche Lösung mit Umzug ins gegenüberliegende Herder-Gymnasium versprochen worden. Diese Zusage wurde dann allerdings von Herrn Kogge, aus uns unerklärlichen Gründen gebrochen“, beklagt der Schulelternrat. „Für uns unverständlich, da hier in keiner Weise zwischen Schulanfängern/Kleinkindern und Gymnasiasten unterschieden wurde. Wir fragen uns, wo bleibt da die Kinderfreundlichkeit und Zweckmäßigkeit, zumal es sich bei unserer Friesenschule um eine Pflicht-Einzugsschule handelt und das Herder-Gymnasium einer freien Wahl unterliegt.“

Eine weitere Argumentation der Eltern: für Grundschulen gibt es Einzugsbereiche, die Kinder kommen also direkt aus der Umgebung der Friesenschule im Medizinerviertel. Solche Einzugsbereich gibt es für Gymnasien nicht, die Schüler kommen aus ganz Halle.

Als Alternative haben die Grundschul-Eltern eine Containerschule vorgeschlagen. Doch aus Kostengründen kam auch das nicht Zustande. Der Schullternrat wirft der Verwaltung deshalb vor allem Lippenbekenntnisse. Der Stadtrat habe mitgespielt, und „den Beschluss aufgehoben wegen des Protestes der Herder-Eltern und wahrscheinlich auch bei fehlendem Rückgrat gegenüber den Kleinsten.“

Klar, dass sich die Eltern bei all diesen Vorkommnissen veralbert fühlen. „In welchem Staat, geschweige denn welcher Stadt leben wir eigentlich? Geld oder Kindersicherheit opfern? Geld oder Pädagogik opfern? Geld oder das Vertrauen der Eltern und Kinder in die Behörden opfern? Geld oder Familienzusammenhalt opfern?“, fragt der Schulelternrat. „Die Stadt entscheidet sich in allen Fällen für den Wert „Geld“. Alles Wertvolle wird dafür in Frage gestellt. Das Traurigste dabei: Kein Erwachsener der Verwaltung hat wohl das Rückgrat aufzustehen und FÜR die kleinen Kinder einzustehen. Was ist das für eine Menschlichkeit, wenn es um Sachwerte geht bei der Qualität für die Zukunft unserer Kinder am Anfang der ersten Bildungs-Schritte. Ganz zu schweigen, davon, dass die Stadt oder wer auch immer es versäumt haben, Zuschüsse für den Brandschutz zu beantragen und sich zum Sparen genötigt sehen.“

Die Stadt will die beiden benachbarten Gebäude der Friesengrundschule und des Herdergymnasiums sanieren. Unter anderem muss der Brandschutz gemacht werden, auch die IT soll erneuert werden. Ursprünglich war vorgesehen, dass in den Winterferien das Herdergymnasium in die Ausweichobjekte Rigaer Straße 1a und Ingolstädter Straße zieht. Zeitgleich wechselt die Friesengrundschule in das gegenüberliegende Gebäude des Herdergymnasiums, damit anschließend die Brandschutz-Bauarbeiten am Grundschulgebäude beginnen können. Dagegen hatten sich Elternvertreter des Herder-Gymnasiums gewehrt. Es sei “nicht nachvollziehbar, warum eine viel höhere Zahl an Gymnasiasten einer viel kleineren Zahl an Grundschülern Platz machen soll”, hatte ein Elternvertreter im Bildungsausschuss erklärt. Die Sanierung der Friesenschule soll 900.000 Euro, die des Herdergymnasiums 1,6 Millionen Euro kosten.

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