Experten antworten auf Klimaskeptiker: Das Hallespektrum-Interview zu einem umstrittenen Gastauftritt eines ‚Klimaskeptikers‘ in der MZ

23. Dezember 2017 | Bildung und Wissenschaft | 92 Kommentare

Letzte Woche, am 13. 12. 2017, erschien in der „Mitteldeutschen Zeitung“ ein als „Gastbeitrag“ gekennzeichneter Artikel des emeritierten Professors für Geologie, Karl-Friedrich Ewert. Darin bestreitet Ewert wesentliche wissenschaftliche Modelle, dass menschliche Aktivitäten für die Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich seien. Insbesondere bestreitet Ewert – der in seiner aktiven Berufszeit sich nicht mit Klima und Atmosphärenphysik befasst hat – unter anderem, dass Kohlendioxid ein wirksames Treibhausgas ist. Ewert ist den so genannten „Klimaskeptikern“ zuzurechnen. Er tritt als Aktivist des „EIKE“ (Europäisches Institut für Klima und Energie) auf.

EIKE e. V. ist kein Forschungsinstitut und publiziert nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Der Verein wird von der Fachwelt  als aktive Lobbyorganisation betrachtet. EIKE und CFACT Deutschland teilen sich eine Postfachadresse in Jena. CFACT und CFACT Europe werden durch Konzerne finanziert (Quelle: Wikipedia) . Im Jahre 2008 gehörte beispielsweise das CFACT mit fast 600.000 Dollar zu den größten Spendenempfängern des Ölkonzerns ExxonMobil.

Die Redaktion der Mitteldeutschen Zeitung erklärte in einer Anmerkung, dass sie trotz mehrfacher Versuche  keinen  Wissenschaftler gefunden habe,  der schildern wollte, warum der Klimawandel auf menschliche Einflüsse zurückzuführen sei.  Zur Begründung habe es geheißen, niemand aus der Wissenschaft sei bereit, „wissenschaftlich nicht haltbare Positionen damit zu adeln, dass man ihnen echte Wissenschaft entgegensetzt“. HalleSpektrum hat den Versuch unternommen, mit  Wissenschaftlern darüber zu reden. Es hat problemlos funktioniert. Naturwissenschaftler des in Dessau-Roßlau ansässigen Umweltbundesamtes (UBA), unter anderen Dr. Thomas Voigt und Karin Kartschall, erteilten der Redaktion des HalleSpektrums Auskunft.

Hallespektrum: Wie beurteilen Sie den Gastbeitrag von Herrn Ewert hinsichtlich wissenschaftlicher Seriosität?

UBA: Zentrale Grundlage zur wissenschaftlichen Bewertung des Klimawandels stellen für uns die Berichte des IPCC dar.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen –IPCC – wurde 1988 von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gegründet. Aufgabe des IPCC ist es, die besten verfügbaren wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Erkenntnisse zu Klimaänderungen weltweit, umfassend und transparent zu bewerten.
Hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt erarbeiten die IPCC-Berichte. Sie führen keine gezielten Forschungsarbeiten zum Verfassen der Berichte durch, sondern werten die bis dahin weltweit erschienene Fachliteratur auf dem Gebiet der Klimaforschung aus. Die Berichte durchlaufen in ihrer Erarbeitungsphase einen umfassenden und transparenten Begutachtungsprozess durch Fachleute sowie Regierungsvertreterinnen und -vertreter, an dem alle Mitgliedsländer beteiligt sind.

Die Meinung von Herrn Ewert deckt sich dabei nicht mit der von 97% der weltweit Klimaforschenden. Diese sehen, bei der Bewertung der Ursachen des aktuellen Klimawandels, klar eine anthropogene Verursachung.
Veröffentlichungen von Herrn Ewert zum Klimawandel in wissenschaftlichen begutachteten Fachpublikationen sind uns nicht bekannt. (Hervorhebung durch die Red.)

Hallespektrum: Ewert zitiert als Begründung für seine These unter anderem ein „Physik-Lexikon“ von 1959: „Die Fakten bestätigen dagegen die Aussage des 1959 veröffentlichen Frankes-Lexikons der Physik: „CO ist als Klimagas infolge seiner geringen Absorptionskapazität bedeutungslos.“ Ist dies heutiger, anerkannter Stand der Wissenschaft?

UBA: Es ist tatsächlich so, dass eine bestimmte Menge CO2 (z. B. 1kg) im Vergleich zu anderen Treibhausgasen ein relativ geringes spezifisches Erwärmungspotential (engl. ‚Global Warming Potential/ GWP’) hat. Die gleiche Menge Methan entfaltet in dem üblicherweise beim IPCC betrachteten 100 Jahres-Zeitraum etwa die 30-fache und Lachgas sogar die 265-fache Klimawirksamkeit (IPCC, 2013). Trotzdem ist die gesamte durch CO2 verursachte aktuelle Klimawirkung aufgrund seiner enorm großen Emissionsmengen global gesehen fast doppelt so groß wie die des Methans und nahezu 10 mal größer als die von Lachgas (IPCC, 2013). Die Rolle des CO2 als wichtigstes anthropogenes Treibhausgas ergibt sich also aus der riesigen emittierten Menge, wie 2016 mit weltweit etwa 36 Milliarden Tonnen allein aus anthropogenen Quellen. Die ‚Unterschätzung‘ des CO2 als Treibhausgas in Frankes ‚Lexikon der Physik‘ von 1959 beruht wahrscheinlich darauf, dass die riesigen künftigen Emissionsmengen und deren Anreicherung in der Erdatmosphäre vor etwa 60 Jahren noch kein großes Thema war.

Die Aussagen des UBA zu Fragen der globalen Klimaänderung basieren auch deshalb auf aktuellen Berichten des IPCC bzw. auf aktuellen Publikationen der wissenschaftlichen Literatur.

(Die strahlungsphysikalischen Eigenschaften des CO2 werden ausführlicher noch einmal weiter unten diskutiert.)

HalleSpektrum: Die Ursachen des Anstiegs der CO2-Konzentration werden in den Medien oft kontrovers diskutiert. Welche Nachweise existieren, dass der Anstieg auf menschliche Aktivität zurück zu führen ist (Isotopenmessungen?) Wie funktionieren diese Methoden?

UBA: Fossiler Kohlenstoff hat eine besondere Isotopenzusammensetzung. Isotopenanalysen der Atmosphäre zeigen, dass die Kohlenstoffmenge dieses Isotopenverhältnisses in unserer Atmosphäre in dem Maße gestiegen ist, wie die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen wuchsen. Das liefert klare Hinweise dafür, dass die Verbrennung fossiler Energieträger die Ursache des Anstiegs der dortigen CO2-Konzentration ist. Außerdem weiß man, wie viel fossile Brennstoffe weltweit verbrannt werden und wie viel CO2 dabei in die Atmosphäre gelangt und dort zu der gut nachweisbaren Steigerung der CO2-Konzentration beiträgt. Hier sind die Zusammenhänge ebenfalls schlüssig nachvollziehbar.

HalleSpektrum: Was ist der atmosphärische Treibhauseffekt, und wie funktionieren „Treibhausgase“?

UBA: Bis zum Beginn der Industrialisierung waren die Auswirkungen menschlicher Eingriffe lokal oder regional begrenzt. Seit der Industrialisierung werden jedoch deutliche überregionale und globale Änderungen im Stoffhaushalt der Atmosphäre als Folge menschlichen Wirkens beobachtet. Ausdruck dafür ist der Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen seit etwa 1750. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen im starken Anstieg der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas ebenso wie in der Ausweitung der industriellen Produktion, in Änderungen bei der Landnutzung oder in der Ausweitung der Viehwirtschaft. Zu den Treibhausgasen gehören Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (N2O). Aber auch völlig neue Stoffe wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), Halone (enthalten Bromatome im Molekül) vollfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW), teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (H-FKW), und Schwefelhexafluorid (SF6), die fast ausschließlich durch den Menschen erzeugt werden, gelangen in die Atmosphäre.

Alle diese Stoffe und Gase, zu denen auch Wasserdampf und Ozon gehören, haben eine besondere Eigenschaft. Sie lassen die von der Sonne (vor allem im sichtbaren, kurzwelligen Bereich) auf die Erde gelangende, energiereiche Strahlung relativ ungehindert passieren, absorbieren teilweise aber die im Gegenzug von der erwärmten Erdoberfläche abgegebene langwellige Strahlung. Hierdurch werden die Moleküle dieser Gase in einen so genannten energetisch angeregten Zustand versetzt, um nach kurzer Zeit unter Emission (Aussendung) infraroter Strahlung wieder in den ursprünglichen Grundzustand zurückzukehren. Die Emission von Wärmestrahlung erfolgt gleichmäßig in alle Raumrichtungen, das heißt zu einem erheblichen Anteil auch zurück zur Erdoberfläche („thermische Gegenstrahlung“). Damit diese zusätzlich zugeführte Energiemenge dennoch abgestrahlt werden kann (dies muss aus Gründen der Energieerhaltung bzw. des dynamischen, energetischen Gleichgewichts erfolgen, in dem sich Erde und Atmosphäre im Mittel befinden), muss die Erde eine entsprechend höhere Temperatur aufweisen. Dies ist, kurz und vereinfacht gesagt, die Natur des Treibhauseffektes. Die dabei beteiligten Gase werden allgemein als „Treibhausgase“ bezeichnet.

Die Wirkung des Treibhauseffektes ist erheblich. Ohne die natürlicherweise vorkommenden Treibhausgase wäre ein Leben auf unserem Planeten gar nicht möglich. Statt der vorherrschenden globalen, bodennahen Mitteltemperatur von circa 15 Grad Celsius, hätten wir ohne natürlichen Treibhauseffekt eine mittlere Temperatur von etwa – 18 Grad Celsius und die Erde wäre vereist. Der natürliche Treibhauseffekt sichert also unser irdisches Leben.

Durch die Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre kommt es zu einem zusätzlichen Treibhauseffekt und zu einem Anstieg der bodennahen Lufttemperatur. Der natürliche Treibhauseffekt ist also lebensnotwendig – seine Verstärkung durch menschlichen Eingriff aber gibt Anlass zur Sorge. Jede Veränderung eines Klimafaktors (hier der Zusammensetzung der Atmosphäre) kann über vielseitige Wechselwirkungen zu weit reichenden und raschen Änderungen im gesamten Klimasystem führen. Da die Ökosysteme und auch unsere Zivilisation an die derzeitigen Klimabedingungen angepasst sind, können solche Änderungen bedrohliche Folgen haben.

HalleSpektrum: Welchen Anteil hat der Mensch am Ausstoß klimawirksamer Gase?

UBA: Blicken wir nur auf die letzten Jahrhunderte, so stellen wir fest, dass mit Beginn der Industrialisierung die Menschen begonnen haben, das Klima auf der Erde spürbar zu beeinflussen. Insbesondere durch unsere Lebensweise mit hohem Energieverbrauch geben wir immer mehr Treibhausgase in die Luft ab. Die dadurch steigenden Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre verursachen den so genannten anthropogenen Treibhauseffekt. Dieser ruft eine zusätzliche Veränderung des Klimas hervor.

Für den Zeitraum der letzten 100 Jahre liegen sowohl Messungen meteorologischer Parameter wie der Temperatur als auch fundierte Erkenntnisse über das Klimasystem und dessen externe Beeinflussung vor. Diese Daten fließen in die Klimamodellierung ein.

Ergebnisse von Modellrechnungen zeigen, dass die Temperaturentwicklung der vergangenen 100 Jahre nur dann realistisch simuliert werden kann, wenn neben den natürlichen Einflüssen auf das Klima (wie z.B. Änderungen der Sonneneinstrahlung, Vulkanausbrüche) auch die anthropogenen Einflüsse (wie erhöhte Treibhausgaskonzentrationen) einbezogen werden. Besonders deutlich wird dies in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Sowohl die Simulationsrechnungen mit dynamischen als auch statistischen Modellen kommen zu dem Ergebnis, dass der größte Teil der globalen Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts äußerst wahrscheinlich (Wahrscheinlichkeit 95-100 %) durch den Einfluss des Menschen hervorgerufen wurde (IPCC 2013). Dieser Teil der Klimaerwärmung wurde nicht durch natürliche Prozesse, sondern die Lebensweise der Menschen hervorgerufen und ist demzufolge auch durch unser Handeln in der Zukunft beeinflussbar.

HalleSpektrum: Es wird zuweilen argumentiert, dass die Infrarot-Absorption von CO2 aufgrund der schon hohen Konzentration bereits gesättigt ist, d.h. vom Erdboden aus bereits bei gegenwärtiger Konzentration alle Wärmestrahlung absorbiert werde, und folglich ein Anstieg der CO2-Konzentration nichts mehr bewirken könne. Stimmt das?

UBA: CO2 absorbiert („schluckt“) langwellige elektromagnetische Strahlung bestimmter Wellenlängen. Genauer gesagt, absorbiert das Gas die Strahlung in zusammenhängenden Wellenlängenintervallen, den sogenannten Absorptionsbanden. Es gibt zwei relevante CO2-Absorptionsbanden in einem Wellenlängenbereich um 4,3μm (Mikrometer) und um 15μm. In diesen Wellenlängenbereichen absorbiert CO2 von der Erdoberfläche und aus der Atmosphäre kommende langwellige elektromagnetische Strahlung.

Die 15μm – Bande ist im Zentralbereich – das ist der Wellenlängenbereich in der Mitte der Bande– tatsächlich schon weitgehend gesättigt.

Das bedeutet, dass zusätzlich in die Atmosphäre gelangendes CO2 auf die Absorption in diesem Teilbereich der Bande keinen Einfluss hat, weil das in der Atmosphäre befindliche CO2 die Wellenlängen in dem Teilbereich bereits vollständig absorbiert.

Dies gilt aber nicht für die Flanken- oder Randbereiche der 15μm-Bande, also für die Wellenlängen an den Rändern der Bande. In diesen Bereichen absorbiert zusätzlich in die Atmosphäre gelangendes CO2 langwellige Strahlung und bewirkt damit eine weitere Erwärmung. Eine detailliertere Übersicht zu den Absorptionsspektren von Treibhausgasen wird u.a. in der wissenschaftlichen Literatur als auch in international verfügbaren Datenbanken, wie z.B. der HITRAN-Datenbank der Havard-Universität, gegeben.

HalleSpektrum: Allgemein spricht Ewert davon, dass die Erde sowieso Klimaschwankungen unterliege, was auf astronomische Einflüsse zurück zu führen sei (Änderung der Achsneigung der Erde, Bahnänderungen, wechselnde Sonnenaktivität). Ist dies zutreffend, wenn man die letzten 200 Jahre und mögliche zukünftige Entwicklungen in naher Zukunft betrachtet?

UBA: Es ist richtig, das Klima hat sich in erdgeschichtlichen Zeiträumen häufig stark gewandelt. Vor etwa 100 Millionen Jahren war es auf der Erde deutlich wärmer. Nach einer starken Abkühlung wechseln seit nunmehr 2 bis 3 Millionen Jahren Eiszeiten und Warmzeiten einander ab. Betrachten wir einen Zeitraum von hunderten bis zu tausenden von Jahren, befinden wir uns – erdgeschichtlich gesehen – seit etwa 10.000 Jahren in einer Warmzeit. Aufgrund von Erkenntnissen der Paläoklimatologie, insbesondere aus Analysen von Sedimentkernen der Tiefsee, gilt es inzwischen als gesichert, dass die (Orbital)-Parameter des Erdumlaufs um die Sonne den Hauptschrittmacher für die quartären Eiszeit-Warmzeit-Zyklen bilden (10.000 bis 2 Millionen Jahre vor unserer Zeit), genauso wie für die Klimazyklen der vorangehenden geologischen Zeitalter. Diese Erdumlaufparameter variieren jedoch in Zyklen von etwa 20-, 40- und 100-tausend Jahren Dauer.

Klimaänderungen aufgrund veränderter Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre spielen sich aber in einem wesentlich kürzeren Zeitrahmen von 50-100 Jahren und vor allem mit einer sehr hohen Geschwindigkeit ab.

Es ist schlichtweg unbegründet, darauf zu hoffen, dass sich die Auswirkungen dieser klimatischen Veränderungen durch eine bevorstehende Eiszeit vermeiden lassen, da sich hier die steuernden Prozesse in sehr langen Zeitskalen bewegen. Unabhängig vom Langzeitverhalten einer System steuernden Größe können kurzfristige Schwankungen, welche die Anpassungsfähigkeit eines Systems überfordern, durchaus zum Kollaps desselben führen. Und zwar auch dann, wenn der Langzeittrend der Einflussgröße eine Anpassung des Systems gewährleistet hätte.

Für den von Ihnen nachgefragten Zeitraum der vergangenen 200 Jahre ist uns kein Nachweis einer Veränderung der Erdbahnparameter bekannt. Auch eine Zunahme der Sonnenaktivität scheidet als Begründung für die aktuell festgestellte globale Erwärmung aus, da diese in den vergangenen Dekaden nachweislich rückläufig ist. Deshalb bezeichnet der IPCC in seinem jüngsten Bericht eine anthropogene Verursachung der aktuellen Klimaänderung als extrem wahrscheinlich (größer als 95%).

HalleSpektrum: Existieren heute auf der Welt noch dauerhafte Kohlenstoffsenken, die den gegenwärtigen CO2-Ausstoß kompensieren?

UBA: Aktuell agieren die Weltozeane und die Biosphäre (z.B. die Pflanzenwelt) als große globale Senken, die jeweils etwa 25 % der global emittierten CO2-Menge aufnehmen.

Die Aufnahme von CO2 durch die Ozeane führt allerdings zu deren nachweislichen Versauerung, was gravierende Auswirkungen auf die ozeanische Flora und Fauna haben kann. Außerdem kann die durch die fortschreitende Klimaänderung verursachte Erwärmung der Meere deren physikalische Aufnahmekapazität für CO2 langfristig mindern.

Die Funktionalität der Biosphäre als große terrestrische CO2-Senke wird und wurde wiederum durch großflächige Änderungen der Landnutzung (z.B. Abholzung) beeinträchtigt.

HalleSpektrum: Ewert spricht davon, dass die Verbrennung fossiler Rohstoffe lediglich eine Art „Recycling“ sei, es werde nur der Kohlenstoff in die Atmosphäre entlassen, der in erdgeschichtlichen Zeiten aus dieser gebunden wurde.

UBA: Der Begriff ‚Recycling‘ ist hier fehl am Platze. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass hier innerhalb des erdgeschichtlich sehr überschaubaren Zeitraums von wenigen Jahrhunderten, fossile Energieträger verbrannt werden, die seit Millionen von Jahren in der Erdkruste eingelagert waren. Die jedes Jahr verbrannte Menge entspricht dabei etwa dem, was sich zur Zeit der Entstehung der Lagerstätten von Öl und Kohle in rund einer Million Jahre gebildet hatte. Diese massive Emission von CO2 hat bereits zu einer aktuellen CO2-Konzentration von 403,3 ppm (parts per million) (etwa 44% über dem vorindustriellen Wert) geführt, ein Wert der nach Angaben neuester Publikationen in den letzten 3 Millionen Jahren nicht erreicht wurde.

HalleSpektrum: Welches Szenario erwarten Sie, wird in naher Zukunft eher eine Erwärmung oder eine Abkühlung des globalen Klimas stattfinden?
(Hintergrund der Frage: in der aktuellen Sonderausstellung „Klimagewalten“ im Landesmuseum für Vorgeschichte werden diese Varianten am Ende der Ausstellung als scheinbar gleich möglich nebeneinander dargestellt.)

UBA: Hierzu gibt der Fünfte Sachstandsbericht des IPCC 2013 eine klare Antwort:

Die Simulationen mit Klimamodellen ergeben, dass ein anhaltender ungebremster Ausstoß von Treibhausgasen zu einer weiteren Erwärmung und zu Veränderungen in allen Komponenten des Klimasystems führen würde. Bisher beobachtete Veränderungen würden dabei verstärkt.

Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird sich die Erwärmung der bodennahen Luftschichten fortsetzen. Alle zugrunde gelegten Emissionsszenarien zusammen genommen ergeben bis Ende dieses Jahrhunderts eine weltweite mittlere Temperaturzunahme, die von 0,9 bis 5,4°C reichen kann – immer gegenüber vorindustriellen Bedingungen. Allerdings haben wir einen Anstieg der globalen Mitteltemperatur von aktuell 1,0°C bereits erreicht.

Quellen:

IPCC 2013: Climate Change 2013. The physical science basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Stocker, T.F., D. Quin, G.-K. Plattner, M.M.B. Tignor, S.K. Allen, J. Boschung, A. Nauels, Y. Xia, V. Bex, P.M. Midgley (eds.) Cambridge University Press, Cambridge, New York, Melbourne, Madrid, Cape Town, Singapore, São Paolo, Delhi, Mexico City. Internet: http://www.ipcc.ch/report/ar5/wg1/#.UphlMSdMetM

Hallespektrum dankt den Mitarbeitern des Umweltbundesamtes ganz herzlich für die ausführlichen Antworten, insbesondere auch dafür, dass sie sich in der knappen Zeit vor den Weihnachtsfeiertagen noch so intensiv  mit unseren Fragen auseinandergesetzt haben.

(Red: HW, NK)

 

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  • Dieses Thema hat 92 Antworten und 22 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 1 Jahr, 8 Monaten von Anonym.
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  • #304676

    Danke für #304605 @fractus! Sachliche Aufklärung tut Not!

    #304677

    Ich habe nicht den Eindruck, dass bei EIKE dumme oder wissentlich lügende Leute tätig sind.

    #304678

    Anonym

    Ich habe nicht den Eindruck, dass bei EIKE dumme oder wissentlich lügende Leute tätig sind.

    ich habe lediglich ausgeführt, dass die Leute bei Eike weder wissenschaftlich Arbeiten, noch ihre Argumentation einem wissenschaftlichen Diskurs aussetzen.

    Trotzdem behaupten sie, dass praktisch die gesamte etablierte wissenschaftliche Klimaforschung falsch liegt. Ich kann nicht nachvollziehen, woher Leute, die nie in der Klimaforschung wissenschaftlich gearbeitet haben, die Chuzpe für solche Behauptungen hernehmen.

    Zudem tritt die Lobbyorganisation Eike gegen eine verantwortliche Klimapolitik auf. Eike bekämpft aktiv propagandistisch Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes im Interesse der Profite von Erdöl/Erdgas und Kohleindustrie. Dafür wird Eike von dort bezahlt.

    Ich weiß nicht, woher Leute die Motivation hernehmen, als bezahlte Claqueure für Eike aufzutreten. Eine wissenschaftliche lautere Argumentation ist aber von ihnen nicht zu erwarten.

    #304680

    Anonym

    Die bezahlten Claqeure wundern mich nicht, die unbezahlten sind mir ein Rätsel.

    #304681

    Die Klimakritiker argumentieren aber, dass die vom Staat bezahlten Forschungsinstitute Horroszenarien verkünden, damit sie weiter Geld für ihre Forschungen erhalten.

    Dem Diplommeteorologen Klaus-Eckart Puls (siehe oben) kann man doch nicht wissenschaftliche Argumentation absprechen, er bezieht sich ja außerdem ausschließlich auf die Angaben vom IPCC.

    #304683

    Anonym

    Natürlich gibt es Wissenschaftler die Ergebnisse fälschen. (sie z.B. Jan Hendrik Schön: https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hendrik_Schön). Aber zu behaupten, dass ein ganzer Wissenschaftszweig ausschließlich auf Fälschungen beruht ist schon ein starkes Stück.

    Wenn das so wäre bräuchte Eike nur wissenschaftlich zu arbeiten und könnte die sogenannten Fälschungen mit seriöser wissenschaftlicher Arbeit aufdecken. Aber genau das versucht Eike doch gar nicht erst. Vielleicht weil es die Fälschungen ja gar nicht gibt.

    In der Klimaforschung sind die meisten Forschungen an staatlich finanzierten Instituten beheimatet. Das heißt, dort ist die Finanzierung langfristig gesichert. Dort gibt es keine kurzfristige finanzielle Motivation, mit Fälschungen kann man dort lediglich seine ganze berufliche Perspektive verlieren.

    Dein Diplommetreologe Herr Puls hat meines Wissens nach in einer Meterologie-Station gearbeitet und nicht in der Klimaforschung. Zudem sind mir seriöse wissenschaftliche Veröffentlichungen von ihm nicht bekannt. Wenn ich bewußte unredliche Absichten ausschließe, dann beruht seine populäre Argumentation lediglich auf Halbwissen und falsch verstandenen Zusammenhängen, die sich auf Einzelpunkte kapriziert. Eine Antwort auf den gemessenen rasanten Temperaturanstieg liefert Puls genausowenig wie Eike.

    PS: für mich zeigt der Comic die Dramatik des Temperaturanstieges am besten:
    Klimawechsel historisch von 22000 v.u.Z. bis heute (inkl. einiger historischer Fakten):
    https://xkcd.com/1732/

    #304686

    Schade, dass es hier keinen „gefällt mir“ Knopf gibt.

    #304687

    Wir Senioren der CDU werden in der Mitgliederzeitschrift der Seniorenunion von Prof. Wolfgang Merbach auf Seite 12-14 wie folgt informiert:

    https://www.senioren-union.de/images/seniorenunion/pdf/souveraen/ausgaben_2016/souveraen_01-2016.pdf

    #304688

    Anonym

    Oh Gott @wolli, warum müssen sich nur so viele Emeritierten für das dilletieren auf fremden Fachgebieten hergeben.

    Wieder kein Klimawissenschaftler (sondern ein chemisch spezialisierter Landwirt s. wikipedia) ohne Erfahrung in der Klimaforschung (und auch offensichtlich ohne Veröffentlichung dort) erklärt dass der in der Klimaforschung etablierte anthropogene Ursprung der Erwärmung Unsinn ist. (gendertypisch für Eike wieder ein Mann)

    Ich glaube er hat das ganze nur geschrieben um die unwissenschaftlich formulierte Lobby-Aussage unterzubringen:
    „Eine Verringerung der atmosphärischen CO2-Konzentration ist nicht nur überflüssig, sondern auch sehr teuer und negativfür das Pflanzenwachstum. Sie sollte unterlassen werden“
    Und um ganz unwissenschaftlich gegen regenerative Energien zu polemisieren.

    Die fachliche Entgegnung findest du übrigens im UBA-Interview auf Hallespektrum.

    #304693

    Du bist offenbar Klimawissenschaftler und kannst auf entspr. eigene Veröffentlichungen zur Klimaforschung verweisen, denn nur solche Stimmen lässt Du ja gelten.

    #304707

    Fractus scheint sich in Physik auszukennen, du nicht. Das ist natürlich in einer solchen Diskussion ungerecht.

    #304708

    Ja, da ist was dran, im Fach Wärmelehre III, wo auch das i,x-Diagramm behandelt wurde, das ja mit Feuchtigkeit, Nebel etc. zu tun hat, bin ich zunächst durchgefallen, dann habe ich es begriffen, aber heute würde ich da wieder durchfallen, allerdings weilt der damalige scharfe Prüfer nicht mehr unter den Lebenden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mollier-h-x-Diagramm

    #304716

    Anonym

    ich glaube nicht, dass es hier um einen Wettstreit geht, wer am besten in Physik aufgepasst hat.

    Ich habe lediglich auf ein Methodisches Problem hingewiesen.

    Wie im UBA-Interview ausgeführt wurde ist der grundlegende Einfluss des CO2 auf die Klimaerwärmung in der Klimaforschung mittlerweile unstrittig, sprich konsensual etabliert. Er ist einer der Faktoren, der dazu führt, dass auf der Erde keine Lebensfeindliche Durchschnittstemperatur von -18°C herrscht.

    Alle hier zitierten Leugner des CO2-Einflusses auf die aktuelle Klimaerwärmung kommen dagegen nicht aus der Klimaforschung! Sie behaupten, dass es keinen Einfluss des CO2-Gehaltes auf die Temperatur der Erde gibt. Mit deren mehr oder weniger elegant ausgeführter (und damit mehr oder weniger falschen) singulären Darstellung zum angeblich fehlenden CO2-Einfluss gibt keiner eine grundlegende Antwort auf die Temperaturbilanz an der Erdoberfläche. Keiner erklärt damit, wieso es denn mehr als -18°C Durchschnittstemperatur sind und keiner kann schlüssig den aktuellen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur erklären.

    Vielmehr erklärt zudem keiner wirklich schlüssig den Zusammenfall von experimentell nachgewiesene neuzeitlichem Temperaturanstieg und neuzeitlichem CO2-Anstieg.
    hier in Figure 1 dargestellt:
    https://skepticalscience.com/news.php?n=61&p=2

    hier eine etwas ausführlichere populäre Darstellung welche Erwärmung und Abkühlung der Eis- und Warmzeiten berücksichtigt und dabei zentrale Punkte des populärwissenschaftlichen Artikels des Landwirtes Prof. Wolfgang Merbach in der CDU-Senioren-Mitgliederzeitschrift behandelt :
    https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-der-co2-anstieg-ist-nicht-ursache-sondern-folge-des-klimawandels

    #304735

    So da ja Feiertage waren und man da schon etwas lustiger ist, mal ein, in meinen Augen Lustiger Einwurf, welche Rolle spielt der Mensch an sich mit seinen 36 Grad Körpertemperatur in der Gleichung, zu Zeiten der Eiszeit waren wir doch noch keine was sind wir 7 Mrd. auf der Erde.
    Speilt das auch eine Rolle, Tiere haben ja auch eine Körpertemperatur und wir wissen alle um die Problematik des Atems der Wiederkäuer.
    Um mal wieder etwas ernster zu werden, zm einen ist der Co2 Ausstoß schon das Problem, jetzt mit dem Verteufeln des Diesels und dem Rückfall zum Benziner wundern wir uns, dass der Co2 Ausstoß höher wird. Zum anderen ist die hoch gejubelte Elektro Mobilität ja nun keineswegs Co2 frei, denn der Energiemix mit denen die Fahrzeuge betankt werden enthält nunmal Co2 egal was auf dem Vertrag mit dem Stromlieferanten steht.

    #304736

    Dass Dieselautos weniger CO2 ausstoßen als Benziner, stimmt so nicht. Grund: Dieselfahrzeuge sind in der Regel größer und schwerer („Muttipanzer“) http://www.deutschlandfunk.de/co2-ausstoss-diesel-nicht-umweltfreundlicher-als-benzin.766.de.html?dram:article_id=396340

    Pro Liter ist der CO2- Ausstoß bei Diesel ebenfalls größer.

    #304738

    Also stimmen die Co2 Angaben in den ganzen Fahrzeugbeschreibugen nicht, dort werden die Diesel immer unter den Benzinern angegeben, ist ja auch so vom Kraftfahrtbundesamt abgesegnet und dienst der Zuteilung der Plaketten. Hei-wu ehm was machen wir jetzt, es gibt zb. bei Renault und auch anderen die selben Karossen wahlweise mit Diesel als auch Benziner, gehen wir mal von meinem Scenic aus da hat mein 110Ps Diesel 114mg Co2/100km und der Benziner über 134mg Co2/100km. Das Fahrzeug ist genau so schwer und genau so groß. Man erkennt nur am Aufkleber TCE oder dci was drin steckt. Also ganz so pauschal gehts nun doch nicht. Der Artikel von dir geht viel zu Pauschal nur vom Durchschnitt aus ohne auf die einzelnen Fahrzeugklassen oder Modelle zu gucken, wie gesagt Renault Scenic Diesel 110Ps 1,5l Hubraum vergleichbares Benzinmodel 130Ps und 1,6 liter Hubraum Preis Diesel natürlich teurer. Ist halt wie mit dem Durchsnittseinkommen von 3600,-€ das haben auch nur die wenigsten.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Jahre, 9 Monaten von McPoldy.
    #304787

    Am morgigen Freitag kommen zwei Umweltforscher aus Halle in der MZ zu Wort, die den Beitrag von Ewert als hanebüchenen Unsinn bezeichnen. Für die ist klar, so viele Umweltforscher, die den menschengemachten Klimandel bezeugen, können nicht irren.

    Dieser Nobelpreisträger irrt sich offenbar auch:

    #304789

    Google macht Spaß: man gibt „Ivar Giav…“ ein und schon macht sich die Vorschlagliste auf und was steht an vierter Stelle? Ivar Giaver Exxon. Noch so ein unabhängiger Wissenschaftler…

    #305082

    Anonym

    Ein Nobelpreisträger, der von sich behauptet für seinen Meinung lediglich ein paar Stunden gegoogelt zu haben. Mehr Kompetenz geht, glaube ich, nicht.

    #305096

    Man sollte auch das biologische Alter des Herrn beachten. Die wenigsten von uns schließen ihr Leben mit der geistigen Klarheit ab, die sie in den besten Jahren hatten.

    #305384

    Anonym

    ganz konservativ eingestellt, hält sich die Erde nicht an dubiose EIKE-Taschenspielertricks und liefert trotz kaltem Sommer eine Top 2 der durch Menschen stimulierten Klimaerwärmung.

    Hier nachzulesen vom European Weather Centre (ECMWF):
    https://climate.copernicus.eu/news-and-media/press-room/press-releases/2017-extends-period-exceptionally-warm-years-first-complete

    wer es gerne auf deutsch mag ein journalistischer Beitrag auf dieser Grundlage:
    https://www.heise.de/tp/features/Zweitwaermstes-Jahr-seit-Beginn-der-Wetteraufzeichnungen-3936380.html

    #306373

    Anonym

    Laut Aussage der Weltmeteorologie-Organisation WNMO als Dachverband der nationalen Meteorologieverbände war 2017 das drittwärmste Jahr (nach 2016 und 2015) und das wärmste Jahr ohne El-Nino-Phänomen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

    Die Durchschnittstemperatur lag um 1,1°C über dem vorindustriellem Niveau:

    original:
    https://public.wmo.int/en/media/press-release/wmo-confirms-2017-among-three-warmest-years-record

    und populäre Darstellung auf deutsch:
    https://www.heise.de/tp/news/Klima-1-1-Grad-waermer-als-zum-Beginn-des-Industriezeitalters-3946798.html

    #306395

    Die Diskussion erinnert mich sehr an die über das Cholesterin und die damit verbundene Verabreichung entsprechenden Medikamente. Auch hier treten „seriöse“ Leute in den Medien auf, die behaupten, dass das Problen eigentlich nicht besteht. Ha,Ha,Ha!!

    #306407

    Vielleicht nicht der richtige Vergleich, denn die Rolle von Cholesterin in der Ernährung als Ursache für Krankheiten ist auch unter wirklich „seriösen“ Wissenschaftlern umstritten. Hier weiß man weitaus weniger als über die Auswirkung von CO2 aufs Klima.

    #306425

    Thermodynamik, die Themperatur der fechten Termometers, die Erde als Kessel! die Meere verdampfen, würde einen tollen Ökokrimi durchgehen,. iegentwann müssen die Windräder zur Abkühlung eingesetzt werden

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