Erneut Proteste gegen Kürzungen an Uni Halle

19. Dezember 2012 | Bildung und Wissenschaft | Keine Kommentare

Unter dem Motto “Stellenabbau gefährdet Dein Institut!” haben am Mittwochnachmittag erneut Studenten gegen Kürzungen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg protestiert. Sie folgten damit einem Aufruf des Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten. Hintergrund sind Bestrebungen der Uni, mehrere Professuren zu streichen, um damit das Haushaltsdefizit zu schließen. Anlass war eine Sondersenatssitzung, im Rahmen derer Uni-Rektor Udo Sträter auch den Zeitplan zu Vorbereitung für den Verhandlungen zwischen Uni und Land zu den Zielvereinbarungen vorstellte. Wahrscheinlich im September sollen die Verträge unterzeichnet werden.

Inzwischen beschäftigt die Situation an der Hochschule auch die Politik. Der Sprecher für Wissenschaft und Wirtschaft der CDU-Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt, Ulrich Thomas, hat angesichts der finanziellen Situation an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg den Senat aufgefordert, eine Strukturdiskussion ohne Tabus zu führen. „Wir haben heute eine angespannte finanzielle Situation an der Uni. Wir hatten sie gestern. Und wir werden sie auch morgen haben, wenn nicht rasch dringend überfällige Maßnahmen eingeleitet werden. Da muss auch offen über Liebgewonnenes gesprochen werden. In Zukunft müssen die Universitäten und Hochschulen solider und zukunftssicher gemacht werden. Das geht nur, wenn man ihre finanzielle Situation auf eine solide Basis stellt. Die Landesregierung befindet sich dazu in einem engen Abstimmungsprozess und ist in der Bewertung der Zukunftsfähigkeit universitärer Ausbildung schon wesentlich vorangeschritten“, so Thomas.

„Ich würde mir wünschen, dass der Senat keine Entscheidungen trifft, die die zukünftigen Strukturen an der Universität zementiert oder Strukturentscheidungen vorwegnimmt, die die gesamte Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt betreffen“, sagt Pähle, wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Stadtvorsitzende der Sozialdemokraten in Halle. „Die Wissenschaftsministerin ist in der Pflicht, endlich zu handeln. Die Lage an der MLU zeigt, dass der Druck auf die Entscheidungsträger an den Universitäten immens ist. Hier ist das Wissenschaftsministerium gefordert, endlich eigene Vorstellungen zur Entwicklung der Hochschullandschaft zu erarbeiten und vorzustellen. Niemand kann ein Interesse daran haben, dass die zukünftige Hochschulstruktur in Sachsen-Anhalt dadurch entsteht, dass notgeborene Einzelentscheidungen getroffen werden. Es bedarf endlich eines strukturierten Gesamtkonzepts.“

„Vor der Neuverhandlung der Zielvereinbarungen, den Beschlussfassungen des Landtags über die künftigen Hochschulbudgets und vor der Auswertung der laufenden Evaluierung durch den Wissenschaftsrat sollten nicht schon an einzelnen Hochschulen Pflöcke eingeschlagen werden, die diesem Diskussionsprozess vorgreifen“, so Hendrik Lange, Landtagsabgeordneter und Stadtrat der Fraktion „Die Linke“. „Wer jetzt, wie bei der Sportwissenschaft im Gespräch, Personalmittel streicht und Stellen nicht mehr besetzt, stellt klar die Weichen künftiger Entwicklung. Wenn damit für das Land, die Region und die Hochschulen selbst bedeutsame Strukturen zur Disposition stehen – wie es die Medien- und die Sportwissenschaften an der Universität in Halle durchaus sind – muss die Öffentlichkeit angemessen angeschlossen werden.“ Durch die Mittelkürzungen und die beabsichtigte Nichtbesetzung von Stellen in der Sportwissenschaft werde die Studienqualität beeinträchtigt und sicher auch Studienplatzkapazität wegfallen, „wird die Ausbildung von Sportlehrerinnen und Sportlehrern wahrscheinlich wegbrechen. Alle wissen, dass es an vielen Schulen einen eklatanten Mangel an diesen Fachlehrkräften gibt. Die Ausbildung gerade hier zu drosseln, ist auch deshalb aus Sicht der LINKEN nicht zu verantworten.“ Insgesamt dürfe es ohne einen durch den Landtag zu beschließenden Impuls nicht zu Entscheidungen kommen, die gravierende Einschnitte in die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen nach sich ziehen.

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