Eltern protestieren gegen Schließung der Borchert-Grundschule

10. Dezember 2013 | Bildung und Wissenschaft | 1 Kommentar

Es gibt genügend Schüler, die Bestandsfähigkeit ist nicht gefährdet. Trotzdem soll die Grundschule „Wolfgang Borchert“ in Halle-Neustadt dicht gemacht werden. Die Schüler sollen künftig mit auf die Grundschule „Zollrain“ gehen, haben also weitere Wege vor sich.

Schüler der Grundschule „Wolfgang Borchert“ protestieren gegen die beabsichtigte Schließung

Grund für die Pläne der Stadtverwaltung: sie braucht das Schulgebäude für ein Förderschulzentrum, in dem die bisherigen Förderschulen für Lernbehinderte Fröbel und Makarenko sowie die Förderschule für Sprachentwicklung „Albert Liebmann“ untergebracht werden sollen. Deren bisherige Gebäude sollen dicht gemacht und, sobald Geld da ist, abgerissen werden.

Der Schulelternrat der Borchert-Grundschule protestiert entschieden gegen das Vorhaben der Stadtverwaltung. Erstmals erfuhren die Eltern auf HalleSpektrum.de Ende Oktober von den Plänen, offiziell von der Verwaltung informiert wurden sie dagegen erst Mitte November. Die Pläne seien „wirtschaftlich, familienverträglich sowie lehrbetrieblich nicht durchführbar“, heißt es in einer Reaktion in Richtung Stadtverwaltung. „Gleichfalls fordern wir dringlich dazu auf den Erhalt des etablierten Standortes Grundschule “Wolfgang Borchert“ durch erfolgversprechende Maßnahmen langfristig und vor allem zukunftsorientiert zu sichern und zu unterstützen!“

Das jetzige Schulgebäude verfüge über verhältnismäßige neue Fenster, die Sanitäranlagen seien komplett in Stand gesetzt und gerecht dem Grundschulniveau. In Eigenleistung seien Klassen-und Fachräume durch die Eltern renoviert worden. „Mit der Schulentwicklungsplanung sind wir gezwungen, mit nunmehr 210 lernenden Schülern, in der Grundschule „Wolfgang Borchert“ unsere selbst geschaffene und vor allem eigenständig finanzierte Wohlfühlatmosphäre sowie einen hohen Schulstandard aufzugeben“, heißt es in der Stellungnahme. Der Pausenhof sei großzügig gestaltet. Es gebe eine Tischtennisplatte, einen Sandkasten und vielfältiges, neuwertiges Bewegungsspielzeug sowie Decken und Bücher zur Entspannung auf Bänken und Wiesen. „Alles finanziert durch aktive Elternarbeit und Spenden der unserem Schulgebiet lebenden Menschen.“ Durch Spenden habe man zudem ein Computerkabinett eingerichtet. „Hier darf die Frage erlaubt sein: Welches Zeichen setzen Sie als Stadt für die tatkräftigen Bürger, deren Kinder und unabhängige, aber standortverbundene Förderer, wenn wenig sagende Zahlen auf ihrem Papier mehr Wert sind als wohltätige Maßnahmen verbunden mit vermittelten Werten, die in unserer heutigen Gesellschaft so in Frage gestellt und hier eben auch zu Ihrem finanziellen Vorteil und ohne jegliche Unterstützung Ihrerseits gelebt und offensichtlich durchgeführt werden?“

Die Schule am Zollrain habe dagegen nicht einmal dichte Fenster, verfüge zudem nicht über einen DSL-Anschluss für das Computerkabinett. Auch mangele es hier an zwei Speiseräumen, die in der Borchert-Schule vorhanden seien. Auch sonst lasse der bauliche Zustand am Zollrain zu wünschen übrig, beklagen die Eltern.

Laut Schulentwicklungsplanung besuchen die Borchert-Grundschule aktuell 208 Schüler, die Grundschule am Zollrain 104. An beiden Schulen steigen die Schülerzahlen zunächst an, sinken zwar später leicht wieder. Doch trotzdem sind beide Schulen bis mindestens 2025 weit von der vom Land vorgegebenen Mindestschülerzahl von 80 entfernt. Für die Borchert-Schule rechnet die Verwaltung mit 185, für die Zollrain-Schule mit 113.

 

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