Drohen nun doch massive finanzielle Kürzungen an den Hochschulen?

14. April 2021 | Bildung und Wissenschaft, Politik | 1 Kommentar

 

Vor knapp einem Jahr hatte Michael Richter (CDU), Finanzminister von Sachsen-Anhalt, gefordert, die Hochschulen des Landes zu einer potentiellen Konsolidierung nach der Corona-Zeit zu verpflichten. Von Beginn an hatte es gegen diese Pläne viel Kritik gegeben; dennoch drohen auch der Martin-Luther-Universität in Halle (MLU) in diesem Jahr nun massive Kürzungen in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro.

Angesichts der heute stattfindenden Sitzung des Haushaltsausschusses der Universität veröffentlichte der Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I gestern bereits eine Presseerklärung zu diesem Thema und bezog klar Stellung gegen die geplanten Kürzungen und warnte zugleich vor den möglichen Folgen.

Trotz der strukturell unterfinanzierten Universität könne man gerade an der Philosophischen Fakultät I gut erkennen, dass es gar nichts zu Kürzen gebe, so der Fachschaftsrat. Schließlich seien Studienfächer wie die Japanologie und die Wissenschaft vom vorislamischen Orient bereits geschlossen worden, während auch in der Philosophischen Fakultät II Bereiche der Musikpädagogik stark eingeschränkt wurden.

„Jetzt lässt die Landesregierung zu, dass es an die Substanz geht: Nach den Plänen des Rektorates sollen bis zu zwei Millionen Euro weniger für Literatur ausgegeben werden dürfen. Außerdem dürfen neue Stellen jetzt drei Monate lang nicht neu besetzt werden. Aber auch die Forschung soll ganz real leiden, weshalb es Einschränkungen bei den Investitionen geben wird.“, heißt es weiter.

Der Fachschaftsrat forderte deshalb die gesamte MLU auf, Druck auf die Landesregierung auszuüben. Es brauche Protest und Widerspruch gegen diese vorsätzliche Gefährdung von Wissenschaft und Bildung.

Auch die Linke sprach sich gegen die geplanten massiven Kürzungen aus. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sei dies eindeutig das falsche Signal, da Hochschulen wichtige gesellschaftliche Akteure, bedeutende Arbeitgeber und wirtschaftliche Kraftwerke für die gesamte Region darstellten. In einer Erklärung forderte die Fraktion deshalb, das Hochschulbudget jährlich um drei Prozent zu erhöhen und von „sinnlosen Diskussion über eine neue pädagogische Hochschule“ abzusehen.

Besonders zynisch würde der heutige Beschluss der Kürzungen an der Universität insbesondere angesichts der erst vor zwei Tagen gehaltenen Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier an alle Studierenden wirken. (HalleSpektrum berichtete) In dieser erklärte er, Bildung gehöre für ihn ganz oben auf die Tagesordnung. Für die Zukunft des Landes sei die Ausbildung der jungen Generation daher unbedingt nötig.

Wie ernst diese Worte gemeint waren und ob die geplanten Kürzungen noch verhindert werden können, wird sich allerdings erst noch zeigen …

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