Demo gegen Rassismus in Merseburg – Nazis mit Kundgebung vor alter Synagoge

1. März 2014 | Blaulicht | Keine Kommentare

Drei Angriffe auf Afrikaner innerhalb einer Woche: etwa 500 Merseburger haben am Samstag mit einer Demo unter dem Motto „Flüchtlinge bleiben! Rassismus aus den Köpfen treiben“ ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt.

Nazis MerseburgZeitgleich marschierten in der Domstadt auch etwa 80 Neonazis auf. Gegen einige der Teilnehmer mussten Anzeigen Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung gefertigt werden. Weitere Anzeigen gab es wegen Körperverletzung und Beleidigung, auch einige Platzverweise wurden erteilt. „Nach Beendigung der Veranstaltungen sowie der polizeilichen Maßnahmen kann eingeschätzt werden, dass die Versammlungen friedlich verliefen und es zu keinen erheblichen Störungen der öffentlichen Sicherheit gekommen ist“, so Polizeisprecher Ralf Karlstedt.

Während einer Zwischenkundgebung der Nazi-Demo im Bereich der Apothekenstraße/Burgstraße, wurde die Polizei darauf hingewiesen, dass an diesem Ort ein jüdisches Gotteshaus gestanden hat – die alte Synagoge. „Nach Prüfung des Sachstandes muss dies leider bestätigt werden“, so Polizeisprecher Ralf Karlstedt. „Weder dem Landkreis Saalekreis, als zuständige Versammlungsbehörde, der Stadt Merseburg, noch der Polizei ist dies bis dahin aufgefallen. Dies ist äußerst bedauerlich und wird schnellstmöglich nachbereitet. Darüber hinaus wird dies zum Anlass genommen künftig Veranstaltungsorte auch dahingehend noch intensiver zu überprüfen. Sowohl der Landkreis Saalekreis auch die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd wollen in Schulungen ihrer Mitarbeiter zu regionalen Gedenkorten noch mehr sensibilisieren.“

Am Donnerstag vor einer Woche wurde ein 23-Jähriger aus Somalia am Merseburger Bahnhof verprügelt. Als Zeugen eingriffen flüchteten die Täter. Drei 18 bis 22 Jahre alte Tatverdächtige konnten ermittelt werden. Sie bestreiten die Vorwürfe oder verweigern die Aussage.

Am vergangenen Mittwoch wurde ein Afrikaner unweit des Bahnhofs attackiert, beschimpft und mit einem Messe bedroht. Hier konnten drei Frauen im Alter von 18 bis 22 Jahren sowie sechs Männer im Alter von 19 bis 26 Jahren ermittelt werden. Diese kommen aus Merseburg, Leuna und Querfurt und sind bereits wegen rechtsextremer Straftaten polizeibekannt. Einige von ihnen trugen am Samstag zur Nazi-Demo das Frontplakat.

Zudem wurde am Montag ein Algerier in einer Bahnunterführung geschlagen. Anschließend raubte ihm der 31 Jahre alte Täter den Rucksack. Dieser Mann setze später auch am Brühl ein Auto in Brand.

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