Mit einer Neuinszenierung von Georges Bizets Oper »Carmen« startet die Oper Halle am 20. September 2025 in die Spielzeit 2025/26. Das Werk, das bei seiner Uraufführung 1875 in Paris mit seiner kompromisslosen Darstellung von Armut, Gewalt und gesellschaftlichen Außenseitern als Provokation galt, gehört heute zu den meistgespielten Opern der Welt.
Regie ohne Romantik
Für die neue Produktion zeichnet Opernintendant Walter Sutcliffe verantwortlich. Gemeinsam mit Bühnenbildner Kaspar Glarner und Videokünstlerin Conny Klar verlegt er das Geschehen in ein heutiges Sevilla und verzichtet bewusst auf traditionelle Bilder wie Zigarettenfabrik oder Stierkampfarena. Im Zentrum der Inszenierung steht die „rohe Energie des Stoffs“, wie Sutcliffe betont: „Für mich hat diese Oper etwas sehr Animalisches und zugleich Menschliches. Sie führt uns mitten in den menschlichen Dschungel – mit seinem Wettbewerb, seiner Geltungssucht und seiner Zerstörungswut.“
Neue musikalische Handschrift
Die musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Fabrice Bollon, der am Pult der Staatskapelle Halle steht. Bollon eröffnet damit seine erste volle Spielzeit als Generalmusikdirektor und stellt Bizets Partitur in einen zeitgenössischen interpretatorischen Rahmen.
Starke Besetzung
In der Titelrolle ist erstmals die Mezzosopranistin Yulia Sokolik zu erleben, die seit einigen Jahren Ensemblemitglied der Oper Halle ist. Ihr zur Seite stehen Chulhyun Kim als Don José, Franziska Krötenheerdt als Micaëla und Ki-Hyun Park als Escamillo. Weitere wichtige Partien sind mit Linda van Coppenhagen, Rosamond Thomas, Robert Sellier, Gerd Vogel, Michael Zehe und Lars Conrad besetzt. Chor, Extrachor sowie Kinder- und Jugendchor der Oper Halle ergänzen die Produktion.
Spieltermine
Neben der Premiere am Samstag, 20. September 2025, 19:30 Uhr stehen in der ersten Spielzeitphase folgende Termine im Opernhaus Halle auf dem Programm:
- Sonntag, 28. September, 18:00 Uhr
- Samstag, 4. Oktober, 19:30 Uhr
- Sonntag, 19. Oktober, 16:00 Uhr
- Samstag, 1. November, 19:30 Uhr
- Freitag, 9. Januar 2026, 19:30 Uhr
- Samstag, 17. Januar 2026, 19:30 Uhr
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn gibt es eine Einführung durch die Dramaturgen Patric Seibert oder Toni Burghard Friedrich. Eine erste öffentliche KostProbe findet am 15. September, 17:30 Uhr, im Operncafé statt.
Hintergrund
Bizets »Carmen« sprengte zur Entstehungszeit die Grenzen der romantischen Oper. Die Titelfigur wurde zur Projektionsfläche widersprüchlicher Rollenbilder – Verführerin, Anarchistin, Seherin. Zugleich ist die Figur von der männlichen Sicht ihrer Schöpfer geprägt, was bis heute zu kontroversen Diskussionen führt. Mit der neuen Hallenser Produktion soll das Werk jenseits von Stereotypen als universales Drama neu erlebbar werden.