Die Sonderausstellung „Zerstört, vergessen, ausgegraben – das Kloster Kaltenborn bei Emseloh“ im Spengler-Museum Sangerhausen geht in den Endspurt. Noch bis zum 6. Januar 2026 haben Interessierte die Möglichkeit, die archäologischen Funde aus dem ehemaligen Kloster Kaltenborn zu bestaunen. Seit der Eröffnung im April 2025 haben bereits über 4000 Besucher die beeindruckenden Relikte der Vergangenheit entdeckt, die spannende Einblicke in eine der faszinierendsten Episoden der Regionalgeschichte geben.
„Es ist uns eine Freude, so viele Gäste bei uns begrüßen zu dürfen“, sagt Monika Frohriep, Leiterin des Spengler-Museums. „Die Ausstellung zieht die Menschen nicht nur durch ihre archäologischen Funde an, sondern auch durch die Geschichte des Klosters, das vor über 500 Jahren eine bedeutende Rolle in der Region spielte.“
Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Erlebniswelt Museen e. V. und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Sie präsentiert die Ergebnisse der ersten beiden Grabungskampagnen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters, das im Jahr 1118 gegründet wurde. Die Funde geben Aufschluss über das klösterliche Leben, die Architektur und die dramatischen Ereignisse des Bauernkrieges im Jahr 1525, als das Kloster von aufständischen Bauern geplündert und zerstört wurde.
„Diese Ausstellung ist auch Teil der Landesausstellung Sachsen-Anhalt zum Bauernkriegsgedenken“, erklärt Mike Leske, Geschäftsführer des regionalen Museumsverbunds. „Mit dieser Präsentation wollen wir den 500. Jahrestag des Bauernkrieges und die Geschehnisse in Kaltenborn aufgreifen. Die Fundstücke erzählen die Geschichte von Unruhen und Zerstörung, aber auch von den sozialen und wirtschaftlichen Spannungen jener Zeit.“
Besonders eindrucksvoll sind die Scherben von Ofenkacheln, die in der Ausstellung zu sehen sind. Diese Artefakte werfen ein interessantes Licht auf die Lebensweise der Augustinerchorherren, die zur Bescheidenheit verpflichtet waren – ein Gegensatz zu den luxuriösen Kachelöfen, die für den geplanten Wohlstand standen. „Diese Widersprüche könnten einen Teil des Unmuts erklären, der schließlich in der Zerstörung des Klosters kulminierte“, so Leske weiter.
Weitere Funde, wie bronzene Zierbeschläge, deuten darauf hin, dass Bücher und andere wertvolle Dokumente von den Angreifern zerstört wurden. Interessanterweise hielten viele der Aufständischen die Bücher offenbar für Verzeichnisse von Abgaben und hofften, durch deren Vernichtung ihre Schulden zu tilgen.
Die Ausstellung bietet einen einzigartigen Einblick in eine vergessene Epoche und ist noch bis zum 6. Januar 2026 im Spengler-Museum zu sehen. Danach kehren die Exponate zurück in das Depot des Landesamtes, doch das Landesamt und das Museum stehen bereits in Gesprächen, um die Funde langfristig in der Region zu bewahren.