Kinostart am 4. September – Regisseur Marcin Wierzchowski begleitet Veranstaltungen in zahlreichen Städten
Berlin/Hanau. Am 4. September 2025 startet der Dokumentarfilm „Das deutsche Volk“ von Marcin Wierzchowski bundesweit in den Kinos. Der Film beschäftigt sich mit dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020, bei dem neun junge Menschen ermordet wurden. In eindringlichen Bildern dokumentiert der Regisseur die Perspektiven der Überlebenden und Angehörigen und stellt die Frage, welche Lehren aus dem Verbrechen gezogen wurden – für Hanau, für Deutschland und für das gesellschaftliche Zusammenleben.
Begleitend zum Kinostart geht der Film auf umfangreiche Kinotour durch mehr als 20 Städte, unter anderem nach Wuppertal, Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, München, Leipzig, Dresden, Dortmund, Stuttgart und Freiburg. Regisseur Wierzchowski wird bei sämtlichen Veranstaltungen anwesend sein und steht im Anschluss an die Vorführungen für Publikumsgespräche (Q&As) zur Verfügung. Viele der Vorstellungen finden in Kooperation mit lokalen Initiativen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Festivals statt.
Vier Jahre intensive Begleitung
Wierzchowski begleitete über vier Jahre hinweg die Hinterbliebenen und Überlebenden des Anschlags. Dabei entstand ein Film, der die individuelle Trauer ebenso zeigt wie den strukturellen Umgang mit dem Verbrechen. Die Protagonist:innen berichten vom Schmerz über den Verlust ihrer Kinder, Geschwister und Freunde, aber auch von Frustration über fehlende Konsequenzen, mangelnde Aufklärung und den Umgang der Behörden mit den Betroffenen.
„Viele Angehörige mussten selbst recherchieren, um Antworten zu erhalten. Sie kämpfen bis heute für Gerechtigkeit und Anerkennung. Ich wollte mit der Kamera nicht weichen“, so der Regisseur. Wierzchowski stammt selbst aus Polen und bringt seine eigene Perspektive als Kind von NS-Überlebenden in den Film ein. Die Frage, „wer gehört zu Deutschland – und wer nicht?“, zieht sich als zentrales Thema durch den gesamten Film.
Auszeichnungen und Premiere bei der Berlinale
Seine Weltpremiere feierte Das deutsche Volk in der renommierten Berlinale-Sektion „Berlinale Special“ – einen Tag vor dem fünften Jahrestag des Anschlags. Weitere Festivalteilnahmen folgten, etwa beim Lichter Filmfest Frankfurt, wo der Film zwei Preise gewann: Bester regionaler Langfilm und Jury-Preis der Evangelischen Filmarbeit. Beim Millenium Docs Against Gravity Festival in Warschau wurde er mit dem Spezialpreis für die beste Produktion ausgezeichnet.
Tourtermine mit Publikumsgesprächen
Die Kinotour startet mit Previews am 29. August, etwa in Wuppertal (Rex), Hanau (Kinopolis) und Köln (Filmhaus). Weitere Termine folgen u. a. in:
- Berlin (03.09., Filmtheater am Friedrichshain) – mit Gästen wie Journalist Mohammed Amjahid
- Würzburg (04.09., Central) – Moderation durch Marc Velinsky
- Wiesbaden (05.09., Murnau-Filmtheater) – mit Elke Gerriets von „Omas gegen Rechts“
- Frankfurt, Darmstadt, München, Leipzig, Dresden, Dortmund, Stuttgart, Ludwigsburg, Freiburg – jeweils mit Publikumsgespräch und teils prominenten Gästen
Detaillierte Informationen zu allen Spielorten und Sonderveranstaltungen sind auf den Social-Media-Kanälen des Films sowie über Linktree abrufbar.
Film zeigt Langzeitfolgen des Anschlags
Im Mittelpunkt des Films steht nicht die Tat selbst, sondern ihr langfristiger Einfluss auf die Betroffenen. Neben der Rekonstruktion der Ereignisse werden strukturelle Probleme sichtbar gemacht: fehlende Konsequenzen, behördliches Versagen, aber auch zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen das Vergessen. Die Familien der Opfer haben sich zusammengeschlossen, organisieren Gedenkveranstaltungen, stellen Fragen, die bislang unbeantwortet blieben.
„Dieser Film ist ein Beitrag zur Erinnerung – und ein Appell, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Wierzchowski. „Die Stimmen der Hinterbliebenen verdienen Gehör.“
Hintergrund
Der Anschlag vom 19. Februar 2020 zählt zu den schwersten rassistischen Gewalttaten der jüngeren deutschen Geschichte. Der Täter erschoss neun Menschen mit Migrationshintergrund an mehreren Orten in Hanau. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Die Tat war rechtsmotiviert. Bis heute sind viele Fragen zur Tatnacht und zum Behördenhandeln offen. Angehörige kritisieren insbesondere die mangelhafte Erreichbarkeit der Polizei und unzureichende Sicherheitsvorkehrungen.
Filmstart:
4. September 2025 bundesweit im Kino
Regie: Marcin Wierzchowski
Produktion: milk&water, strandfilm
Länge: ca. 110 Minuten
Genre: Dokumentarfilm
FSK: ab 12 Jahren empfohlen