Die Burg Querfurt ist nicht nur als mittelalterliche Kulisse bei Filmemachern beliebt, sondern auch ein touristisches Kleinod. Das soll im Innenhofbereich für ca. 9
Mio EUR neu gestaltet werden. Für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie bietet sich dabei die Möglichkeit, Grabungsarbeiten durchzuführen, um die Baugeschichte und das Leben der früheren Burgbewohner zu erforschen. Archäologen, Bürgermeister und Landrat zeigten sich über den bisherigen Verlauf der Arbeiten und die Zusammenarbeit sehr zufrieden.
Das Areal des Westtores konnte freigelegt und untersucht werden. Von ganz besonderer Bedeutung war der Nachweis von Resten zweier Toranlagen, die deutlich älter als die noch sichtbare Westtoranlage zu datieren sind. Der mit ihnen verbundene Zugang zur Burg muss gänzlich anders gestaltet gewesen sein, als es die heutige Situation zeigt. Bei den beiden wieder entdeckten Toren handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Überreste der Anlagen aus dem 13. bzw. 14. Jahrhundert, die aus den Beschreibungen der Chronisten überliefert sind. Beeindruckend ist ein ca. acht Meter breiter und über vier Meter tiefer Graben in der heutigen Innenfläche der Westtoranlage. Er grenzte die Burg ursprünglich nach Westen ab, verlor jedoch mit Errichtung der heutigen Torsituation seine Funktion, wurde aufgegeben und verfüllt.
Bei Grabungen zwischen der Burgkirche und dem ehemaligen Korn-
und Rüsthaus wurden Gräber freigelegt. Bemerkenswert ist die hohe
Belegungsdichte. So wurden auf dieser kleinen Fläche bislang ca. 40
Bestattungen untersucht. An manchen Stellen wurden mindestens sechs
Belegungshorizonte festgestellt, wobei die ältesten Bestattungen
noch nicht freigelegt sind. Die Skelette lassen auf Arthrosen und
starke Abnutzungen am Bewegungsapparat, Zahnausfall und Spuren von
Entzündungen am Kiefer etc. schließen.
Die archäologischen Untersuchungen vor dem Westgiebel des Korn- und
Rüsthauses (heute Museum) stehen noch am Anfang. Dennoch kamen
bereits knapp unter der heutigen Oberfläche zahlreiche Reste
ehemaliger Bauwerke zum Vorschein. Diese sind verschiedenen Phasen
seit dem Mittelalter zuzuordnen und spiegeln eine rege Bautätigkeit
in diesem wichtigen Teil der Burg wider. Eine dicke deutlich
erkennbare Brandschicht gehört nach jetziger Kenntnis in das erste
Viertel des 16. Jahrhunderts. Der Brand war möglicherweise der
Auslöser für die überlieferte Bautätigkeit von Kardinal Albrecht,
in dessen Besitz sich die Burg seinerzeit befand. In welchem Umfang
der Kardinal bauen ließ, ist für die Archäologen eine wichtige
Frage an die weiteren Forschungen in diesem Bereich.
Neben den Geländebefunden und Mauerresten trägt auch das
Fundmaterial zum Verständnis der Baugeschichte bei. Als wichtige
Quelle erweisen sich inzwischen die zahlreichen Ofenkacheln aus
einer Schuttschicht vor den Kasematten der Westtoranlage. Zurzeit
können drei Öfen sicher unterschieden werden. Einer von ihnen ist
mit der erwähnten Bautätigkeit unter Kardinal Albrecht im zweiten
Viertel des 16. Jahrhunderts zu verbinden. Neben Portraits von
Kurfürsten findet sich unter den bildlichen Darstellungen auf den
grün glasierten Kacheln auch das Wappen des Kardinals selbst. In
spätere Zeit, jedoch noch in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts
datiert ein Kachelofen mit biblischen Motiven, der zu der bekannten
Gruppe von sogenannten „Hans-Berman-Öfen“ zählt. Für die Qualität
der Ofenkacheln und die schiere Menge der Fundstücke lassen sich
kaum Vergleiche finden und die Ofenkacheln der Burg Querfurt werden
auch in Zukunft noch für Überraschungen gut sein.
Fast jede Bauphase der Burg hat deren Innenfläche in Teilen oder
als Ganzes vergrößert. Häufig wurden die Oberflächen und
Wegeführungen deutlich verändert. Durch die Grabungen werden die
Kenntnisse der Bau- und Nutzungsgeschichte der Burg Querfurt
deutlich verbessert.
Bis Mitte nächsten Jahres ist der Zugang zur Burg stark
eingeschränkt. Ein provisorischer, eindrucksvoller Panoramaweg
entlang der Außenmauer führt aber zum Burgmuseum. Veranstaltungen,
die eigentlich gern im Burghof durchgeführt werden, werden vorerst
vorübergehend in die Stadt verlegt.
(H.J. Ferenz)






