Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein zeigt vom 12.März bis
zum 5.April in der Ausstellung vor_Ort Arbeiten von Studierenden
aus den Fachbereichen Kunst und Design zum Thema Stadt.
Die Thematik ist hochaktuell. Die Urbanisierung ist ein Bestandteil
unseres sozialen Wandels. Im 19. Jahrhundert lebten noch rund drei
Viertel der Bevölkerung auf dem Land oder in ländlichen Regionen.
Nur ein Viertel davon siedelte sich in Städten an. Heute hat sich
dieser Trend in Richtung der Städte verschoben. Weltweit leben die
meisten Menschen bereits in urbanen Räumen. Durch das Leben im
städtischen Bereich verändern sich auch die sozialen Strukturen.
Traditionelle Familien treten in den Hintergrund; in einer Stadt
herrscht ein multikulturelles Leben vor.
Eine moderne Stadtentwicklung muss sich an der Ökologie und am
sozialen Umfeld orientieren. Die Probleme, vor denen die
Stadtentwicklung steht, sind in erster Linie ein immer knapper
werdender Wohnraum, eine hohe Umweltbelastung und eine besonders
hohe Besiedlungsdichte. Auf dem Gebiet der Architektur sind neue
Konzepte gefragt. Moderne Gebäude und Wohnhäuser werden nicht nur
zum Zweck des Wohnens errichtet. Sie müssen auch die Gelegenheit
bieten, mit den Nachbarn in soziale Interaktion treten zu können.
Eine Stadtentwicklung, die nachhaltig sein will, muss bei der
Planung strategische Aspekte miteinbeziehen. Dazu gehören die
Auswirkungen auf die Umwelt, die Menschen sowie auf Wirtschaft und
Kultur. All diese Parameter müssen in einer modernen
Stadtentwicklung berücksichtigt werden.
Die Ausstellung, kuratiert von Dr. Jule Reuter, thematisiert mit 27
Beiträgen existenzielle Fragen zur Stadtentwicklung: Wie wollen wir
wohnen? Wo sind unsere Freiräume? Wie können wir ihre Veränderung
mitgestalten? Auf der Fläche vor dem Volkspark und der BurgKita
umreißen Gesa Janßen und Simon Kunze mit Markierspray eine
Spielfläche, die den Ort aktiv und neu erlebbar macht. Im
Galerieraum 1 übersetzt am Ausstellungsanfang eine filigrane
Drahtarbeit von Luzia Rux einen Stadtspaziergang aus der
gezeichneten Zweidimensionalität in ein dreidimensionales Erlebnis.
In ihrer Arbeit „Entlang der Gleise“ befasst sich Marleen
Schönfelder mit der Umnutzung eines denkmalgeschützten Gebäudes an
Europas modernstem Güterbahnhof. Niclas Haider fixiert in dem
großformatigen Bild „Brmmmm 2019“ seine Erinnerungen an Stadt
(Galerieraum 2). Die Mannigfaltigkeit von Straßenbelägen in Halle
drückt Teresa Weißert abstrahierend in ihrer Gobelin-Textilarbeit
„Weg zum Hermes, 2019/20“ aus. Andere Arbeiten thematisieren
Aspekte wie Diversität, Spuren, Vögel, Spiel, Raum, Wahrnehmung,
Leere, Motherhood, CO₂-Ausstoß, Archäologie, Nische, Verdichtung,
Erinnerung, Schwimmbad, Aktivismus, Mobilität und Kreativindustrie.
Dabei bleibt die Stadt in allen Arbeiten Ausgangspunkt für das
künstlerische Schaffen.
In die Ausstellung integriert ist ein Baugerüst als Pavillon für
Diskussionen, Lektüre und weiterführende Gespräche zur Stadt. Ein
umfassendes Begleitprogramm befasst sich mit dem Thema Stadt und
Wohnen.
Die Ausstellung ist bis zum 5.4. im Volkspark täglich 14-18 Uhr
kostenfrei zu besichtigen. Ausliegendes umfangreiches Infomaterial
beschreibt alle Beiträge.
(H.J. Ferenz)