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Blick hinter die Kulissen der Oper Halle

Wer das Opernhaus in Halle nur vom bequemen Sitz des Zuschauerraums kennt, verpasst die halbe Faszination. Bei der anderthalbstündigen Führung „Blick hinter die Kulissen“ öffnet die Oper Halle ihre verborgenen Räume.

Vom Operncafé auf die Bühne

Treffpunkt ist das Operncafé, ein großer Saal mit roten Sofas, in dem sich an diesem Nachmittag vor allem kulturbegeisterte Hallenserinnen und Hallenser im Rentenalter eingefunden haben. Die Führung übernimmt Dr. Patric Seibert, Chefdramaturg und Hausregisseur. Mit spürbarer Leidenschaft – und einer sympathischen Neigung, gedanklich schon einmal zwei Sätze weiter zu sein – gibt er zunächst einen Überblick über die bewegte Geschichte des Hauses und des Theaters in Halle.

Von mittelalterlichen Spielleuten über barocke Hofopern bis hin zur experimentellen Raumbühne der Gegenwart spannt sich der Bogen. Halle ist untrennbar mit Georg Friedrich Händel verbunden – auch wenn Dr. Seibert daran erinnert, dass Händel selbst in seiner Geburtsstadt nie eine seiner Opern gesehen hat. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich hier eine eigenständige Händel-Tradition mit regelmäßigen Festspielen und einem eigenen „Halleschen Händel-Stil“.

Technik und Theateralltag

Nach der Einführung geht es dorthin, wo sonst nur Ensemble und Technik Zutritt haben: auf die Bühne selbst. Der Moment, wenn man vom Bühnenrand in den leeren Zuschauerraum blickt, ist überraschend bewegend. Über unseren Köpfen befand sich einst eine Kuppel, erfahren wir. Fast täglich werden Bühnenbild und Beleuchtung gewechselt, denn hier steht oft jeden Abend ein anderes Werk auf dem Spielplan.

Auch Anekdoten fehlen nicht: Früher saß der Souffleur eingeengt im Souffleurkasten unter der Bühne, ein Arbeitsplatz, der inzwischen abgeschafft wurde. Heute wird der Dirigent per Monitor an die Seiten des Zuschauerraums übertragen. In den Gängen hängt die sogenannte Applausordnung, die regelt, wer wann vor den Vorhang tritt. Und während abends die Vorstellung läuft, stehen Ankleiderinnen, Schneider und Maskenbildner im Dienst bereit. Durch diese präzisen Vorkehrungen merken wir, wie viel Organisation sich im Hintergrund abspielt.

Organisation hinter der Kunst

Besonders eindrucksvoll ist der Besuch in der Maskenwerkstatt. Regalweise lagern dort Perücken, aus Menschen- und Tierhaar gefertigt, jede einzelne in aufwendiger Handarbeit hergestellt. Hier wird deutlich, wie viel Detailarbeit in einer Produktion steckt, die das Publikum später vielleicht nur für wenige Stunden erlebt.

Mit sichtbarer Begeisterung führt Dr. Seibert ein Gerät vor, das Windgeräusche erzeugt. Es wird heute kaum noch genutzt, war aber einst unverzichtbar. Anschließend führt der Rundgang in die Probebühne sowie in den Orchesterproberaum der Staatskapelle.

Zum Abschluss geht es unterhalb der ersten Publikumsreihe entlang, ein Perspektivwechsel im wahrsten Sinne des Wortes. Danach kehrt die Gruppe ins Operncafé zurück, wo die Führung endet.

Ein Haus mit Geschichte

Die Führung ist für Besucherinnen und Besucher ab 12 Jahren geeignet; aufgrund der baulichen Gegebenheiten sollten Treppen kein Hindernis sein. Die Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 7,50 Euro für Kinder. Für den 28. Februar 2026 um 16 Uhr sind noch Plätze verfügbar.

Wer die Oper Halle bisher ausschließlich aus dem Zuschauerraum kennt, erhält durch die Führung ein umfassenderes Bild vom Zusammenspiel aus Technik, Handwerk und künstlerischer Arbeit. Dr. Patric Seibert beantwortet dabei enthusiastisch jegliche Fragen.

Die Führung ist für alle geeignet, die sich für Theaterabläufe interessieren oder einen strukturierten Einblick in die Arbeit am Opernhaus gewinnen möchten. Sie ergänzt den Vorstellungsbesuch um hilfreiche Hintergrundinformationen und vermittelt anschaulich, wie eine Produktion entsteht.

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