Das Leben und Wirken des renommierten Wissenschaftlers Wilhelm Roux steht im Zentrum einer neuen Ausstellung der Universitätsmedizin Halle (Saale), die seit Mittwoch im Universitätsmuseum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) zu sehen ist.
Neben eindrucksvollen Präparaten und Wachsmodellen menschlicher Organe werden auch Akten und Unterlagen zu Roux gezeigt. Der Forscher war von 1895 bis 1921 Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Halle und zählte zu den führenden Anatomen des 19. und 20. Jahrhunderts. Er gilt als Begründer der Entwicklungsmechanik. Nach Roux‘ Definition ist sie die Lehre von den Ursachen der organischen Gestaltungen, also davon, wie sich Organe entwickeln. Bekannt wurde Roux mit einer Theorie über die Herausbildung des Embryos aus dem Ei, die er mit zahlreichen Experimenten an Froschlaich untermauerte. So widerlegte er zum Beispiel die gängige Vorstellung, dass die Schwerkraft für die Entwicklungsvorgänge entscheidend sei. Roux war außerdem mehrfach Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Halle sowie stellvertretender Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und auch Ehrenmitglied der American Society of Naturalists.
Die Schau zeigt unter anderem filigran gearbeitete Knochenschnitte durch den Oberschenkelknochen, die mit einer Elfenbeinsäge hergestellt wurden und die innere Architektur eines Knochens zeigen. Auch ein Wachsmodell zur Entwicklung des menschlichen Leberkreislaufs der weltbekannten Firma Ziegler ist ausgestellt.
„Als Abbild der damaligen Forschung beschäftigt sich die Ausstellung vordergründig mit der bedeutenden Wilhelm Roux-Sammlung für Entwicklungsmechanik, die 1920 anlässlich des 70. Geburtstages von Roux begründet wurde.“, erklärte die Ausstellungskuratorin Claudia Steinicke. Zahlreiche Kollegen schenkten ihm hierfür entwicklungsmechanische Präparate, Modelle und Druckschriften, die wie andere universitäre Sammlungen als Lehr- und Forschungsmittel nutzbar gemacht werden sollten. Die Sammlung wird heute als Bestandteil der Meckelschen Sammlungen im Institut für Anatomie und Zellbiologie aufbewahrt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September 2021, jeweils dienstags bis donnerstags 9 bis 16 Uhr, nach vorheriger Anmeldung unter kustodie@uni-halle.de im Löwengebäude auf dem Universitätsplatz zu bestaunen.