Ostern, heißt es, ist verbunden mit Hoffnung. Die Auferstehung Jesus ist – so sehen es Gläubige – Ausdruck der Erlösung des als bedrohlich erscheinenden Todes durch die Hoffnung auf ein Leben darüber hinaus. Und für diejenigen, denen das christliche Heilsversprechen dann doch suspekt erscheint lässt, sich sich einen Hauch von Aufbruchsstimmung in Goethes Osterspaziergang erahnen. Das allseits gerne zitierte „vom Eis befreit sind Strom und Bäche“ erzählt von der Wiederbelebung des Leben spendenden Quellwassers, das da fröhlich glucksend ins Tal hinunter sprudelt. Vom Klimawandel und drohender Dürre konnte der vielseitig gebildete Dichterfürst – das sei ihm nachgesehen – nun wirklich nichts ahnen. Österlich so sinnierend keimt die Frage, was wir denn für Halle und um nicht ganz in unserer – der Autor nimmt sich da nicht aus – provinziellen Denkweise zu verhaften, für Sachsen -Anhalt, zu hoffen haben.
Ganz spontan erinnere ich mich an ein Kindheitserlebnis. Einige Wochen nach einem Osterfest durchwaberten faulige Gerüche das ansonsten vom peniblen Sauberkeitswahn meiner Mutter kontrollierte Wohnzimmer. Wie sich heraus stellte, waren einige besonders gut hinter dem Sofa versteckte Ostereier der Sorte „Huhn hart gekocht“ unserer kindlichen Suchfreude entgangen und beschwerten sich ob dieser Vernachlässigung nun mit olfaktorischen Signalen ganz unerwünschter Art.
Wenn ich nun in österlicher Ruhe die Begriffe: Hoffnung, Übersehen und Fäulnis im Kontext der gar nicht mehr so weit entfernten Landtagswahlen in unserem Bundesland betrachte, komme ich nicht umhin mich zu befragen ob noch Hoffnung besteht und was wir bisher übersehen haben und registrieren sollten, damit nicht am Ende der Geruch von Fäulnis durch unser Land wabert. Mir bereiten die aktuelle Umfragen erhebliche Sorgen und ich frage mich was übersehen die AfD wahlfreudigen Menschen in unserem Land und legen sie sich selbst eventuell nicht doch ein faules Ei in ihren Landtag? Und was übersehen wir, denen die AfD eben doch „stinkt“, da nicht alle potentiellen AfD Wähler pauschal als Deppen deklariert werden können. Dieser Frage müssen wir uns in den kommenden Wochen gründlich stellen und miteinander ausdiskutieren. Das klingt nach mühseligem klein klein sollte es aber wert sein.
Denn der schöne Schluss des Osterspazierganges „Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein.“ kann für mich hier in Sachsen Anhalt nur gelten, wenn denen, die Politik unappetitlich machen, durch ein träges „weiter so“ in ihrer bisherigen Ignoranz – und davon gibt es genug auch bei den heutigen Akteuren und zwar jeglicher politischer Couleur – ihre Irrtumer genauso klar erkennen, wie die wahlfreudigen AfD Anhängern die ihrigen.
Und noch ein Tipp für Ostern, besonders die blauen Eier nicht so verstecken, dass sie übersehen werden 😉
(Detlef Wend)
(Bild: Grafikredaktion Hallespektrum, KI / Grok)