Nun zieren sie wieder diverse Laternen oder ähnliche Orte, die unvermeidlichen Wahlplakate zur anstehenden „Schicksalswahl“ unseres Bundeslandes. Passiere ich die Elisabethbrücke so blickt freundlich Hendrik Lange auf mich hinunter, dessen Engagement ich sehr schätze, aber dennoch addiert mein Gehirn ungefragt ein „zu“ vor und ein Fragezeichen nach seinem Nachnamen. Gleich dahinter das Plakat des Grünen Mamad Mohamad, wo sogleich die Frage aufkommen, ob die Begeisterung der Neustädter über die hohe Anzahl migrantischer Mitbürger in ihrem Viertel sie auch zur Wahl eines migrantischen Kandidaten animiert. Aber falsch, er kandidiert gar nicht in Neustadt. Der SPD Kandidat wirbt für „bezahlbares Wohnen“ und mein erster Gedanke: Clever, einfach ein altes Plakat recycelt und neues Gesicht drauf drapiert, aber stimmt nicht. Das Plakat ist neu, das Problem alt und immer noch ungelöst trotz vieler SPD Politiker in den Parlamenten. Viel zutreffender, das Plakat des SPD Landesvorsitzenden in Merseburg, er wirbt für „Sichere Arbeit“. Stimmt, noch das kleine Wörtchen „für“ zwischen dem Versprechen und seinem Namen und schon passt es, denn bei Wiederwahl ist zumindest sein Arbeitsplatz gesichert. SPD Spitzenmann Willingmann möchte Experimente verhindern und spontan denkt man an die historische CDU Formulierung „Keine Experimente-Adenauer“. Unfreiwillige Sympathie für die CDU? Deren Sven Schulze würdigt Lebensleistung mit einem fröhlich Rentnerpaar. Warum er sie gefühlt um einen knappen Meter völlig überragt wirkt etwas komisch, hat man unfreiwillig Körpergröße der Rentner an ihre Rentenerwartung angepasst? Und die vor keiner größenwahnsinnige Formulierung zurück schreckende AfD möchte „Deutschland retten“ und ich bin sicher der soundsovielte der sich fragt und wer rettet Deutschland vor der AfD? Vermutlich gibt es diesen Slogan deswegen auch nicht als Großplakat. Zu verlockend ein „vor der“ dazwischen zu sprühen. Martin Sehrndt, dessen Mundwinkel auch auf seinen Wahlplakaten nicht über die Horizontale hinaus kommen, wurde unfairer Weise weiß übertüncht. Nicht nur eine falsche Aktion, auch die falsche Farbe, denn so weiß ist die Weste der AfD nun auch nicht. Volt wiederum Plakatiert alles in Lila, wohlgemerkt eine Farbe die aus Blau und Rot entsteht. Ist das die versteckte Botschaft besser SPD zu wählen um die AFD zu verhindern? BSW findet sich „gefählich ehrlich“ … weiß der Himmel warum mein Gehirn die Worte vertauscht.
Den Preis für das ehrlichste aller Plakate bekommt allerdings die FDP. Zwei Strategen ihrer Partei sind darauf abgelichtet mit dem schönen Text: Er kann es! Fragt sich: welcher von beiden und einer davon wohl nicht? Soviel Ehrlichkeit in der Politik muss man sich erst mal trauen, Chapeau!
(Detlef Wend)