Pflanze der Woche: 14. – 20. Juli 2025
Heino hatte wirklich genug gesoffen. „Mädchentraube“, nannten sie das Gesöff, das ihm die Kumpane eingeflößt hatten. Billigwein mit falscher Verheißung. Er solle seine Gelüste ausleben, hatten sie gesagt. An jeder Laterne stünde eine Dirne, man müsse nur wollen.
Halle, tiefe Nacht, Gosestraße. Der Schleier des Rauschs hing ihm in den Augen, als er sie sah. An der Laterne. Da stand sie. „Ich bin Jungfrau – und keinesfalls das, was du denkst“, fuhr sie ihn an, kaum hatte er sie angesprochen.
„Jaja, Jiaogulan – nochmal lasse ich mich nicht verarschen“, lallte Heino und torkelte näher. Dich kenne ich, Betrügerin ! Klar war sie es wieder, diese Jiaogolan mit ihren fünfgliedrigen Blättern, die ihn verfolgtem, getrieben von der Hexe Dora Ji, hier in der Gosenstraße, im Mühlwegviertel. Man kann nirgends in Halle sicher sein, durchfuhr es Heino.
Sie umschlang den Laternenpfahl mit einer geschmeidigen Bewegung. Er tat es ihr gleich, suchte Halt.
„Pass auf“, sagte sie leise.
„Worauf?“
„Ich bin nicht versichert“, hauchte sie. „Ich bin selbsthaftend.“
„Du bist so ’ne KI-Verarsche“, stieß Heino hervor. „Nicht mit mir.“
Da hob sie ihre Hände. „Na, genug gesehen?“ fauchte sie.
Fünf Finger. Deutlich. Fein gezeichnet, wie Blätter im Wind.
„Nach dem Turing-Test wohl der beste Beweis, dass ich real bin“, schnaubte sie.
„Okay“, murmelte Heino. „Woher kommst du? Was kann ich mit dir machen?“
„Ich kann dir dein Haus nehmen – ringsum. Ich kann dich umwickeln. Du zahlst nicht? Ich hafte. Aber denk dran: Ich bin die Jungfrau. Das bleibe ich.“
„Eine alles umrankende Jungfrau… Lass uns Adam und Efeu sein.“
„Efeu?“ fragte sie spöttisch.
Heino war sichtlich irritiert.
„Nein. Lassen wir das“, sagte sie.
Er versuchte, sie mit Blicken zu entblättern. Doch bevor sie ihre Hüllen fallen ließ, wurde sie blutrot. Nicht aus Scham. Sondern vor Ärger.
„Anthocyane“, sagte sie trocken.
„Junge, mit uns wird das nix. Deine wilden Weinpartys kannst du mit deinen Kumpels feiern – ich bin nicht dafür gemacht.“
Am nächsten Morgen, mit pochendem Schädel, klickte Heino sich durch Streetview.
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Der Kater in seinem Kopfe schrie. Halle – ein Rebensdorf, ein Dreckskaff. Und da war sie: die Hauswand in der Gosenstraße. Begrünt, überwuchert. Fünf Finger am Stein. Jungfrau oder nicht – sie war da.
Fragen an unsere Leserinnen und Leser:
– Um welche Kletterpflanze handelt es sich, mit der Heino hier ein nächtliches Gespräch führte?
– Sie wird mit Jungfrauen in Verbindung gebracht. Warum?
– Was hat es mit der roten Verfärbung auf sich?
– Was soll die Anspielung auf Efeu? Ist es ein Efeu?
– In welchem Stadtviertel von Halle (Saale) kann man sie besonders häufig sehen?
– Ihr Name hat mit einem berühmten Tempel auf der Akropolis zu tun. Der Name klingt männlich, endlautet auf „-os“. Problem mit der geschlechtlichen Identität?
Auflösung der Pflanze der Woche „(Idylle am Kiosk in HaNeu)„
Catalpa bignonioides – der Gewöhnliche Trompetenbaum
Rati brachte es auf den Punkt, er schrieb:
„– Gewöhnliche Trompetenbaum (Catalpa bignonioides)
– treibt spät aus und beginnt zeitig seine Blätter zu verlieren
– aus den befruchteten Blüten entwickeln sich lange, bohnenähnliche Kapselfrüchte
– https://de.wikipedia.org/wiki/Wintersteher
– ?
„
Das letzte „?“ gehörte zu der Frage, wo in Halle der baum zu sehen sei. Das ist merkwürdig – denn abgesehen von dem Kiosk in Halle steht der eigentlich überall in der Stadt herum.
Der Trompetenbaum gehört zur Familie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae). Ursprünglich stammt er aus dem südöstlichen Nordamerika, wo er bevorzugt in feuchten Niederungen wächst. In Europa ist er seit dem 18. Jahrhundert als Zierbaum in Parks und an Straßenrändern verbreitet.



Besonders auffällig sind seine großen, herzförmigen Blätter sowie die langen, bohnenähnlichen Kapselfrüchte, die den Baum im Herbst und Winter zieren. Die Blüten erscheinen im Frühsommer in rispenartigen Blütenständen – sie sind weiß mit gelblicher bis purpurfarbener Zeichnung und erinnern durch ihre Form entfernt an kleine Trompeten, was der Pflanze ihren deutschen Namen eingebracht hat.
Die Bezeichnung „Beamtenbaum“ ist eine volkstümliche Anspielung auf das späte Austreiben und frühe Laubabwerfen des Baumes – „spät kommen, früh gehen“, wie es im Beamtenklischee scherzhaft heißt.
Der wissenschaftliche Name Catalpa bignonioides verweist auf die Ähnlichkeit der Pflanze mit anderen Arten der Bignoniaceae sowie auf ihren Erstbeschreiber, den französischen Botaniker Jean-Paul Bignon.
Der Trompetenbaum bevorzugt sonnige Standorte, ist frosthart und anspruchslos gegenüber Bodenbeschaffenheit – Eigenschaften, die ihn in Stadtgebieten wie Halle-Neustadt zu einem beliebten Begrünungselement machen. Seine majestätische Krone bietet im Sommer angenehmen Schatten – und Raum für Erinnerungen.
Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.
One comment on “Was tut eine Jungfrau bei Nacht an der Laterne in der Gosenstraße?”
Die Kletterpflanze wird häufig als Wilder Wein bezeichnet, was aber nicht ganz richtig ist. Es handelt sich um die Jungfernrebe.
Ki äußet sich dazu:
Die Bezeichnung „Jungfernrebe“ für die Pflanzengattung Parthenocissus leitet sich vom griechischen Wort „parthenos“ (Jungfrau) und „kissos“ (Efeu) ab. Der Name spielt auf die Fähigkeit der Pflanzen an, sich ohne Bestäubung zu vermehren, was als „Jungfernzeugung“ oder „Parthenogenese“ bekannt ist.
Hier ist eine genauere Erklärung:
„Parthenos“ (griechisch): bedeutet Jungfrau und bezieht sich auf die Vorstellung der Jungfernzeugung, bei der sich Pflanzen ohne Befruchtung fortpflanzen können.
„Kissos“ (griechisch): bedeutet Efeu und deutet auf die kletternde Wuchsform der Pflanze hin, ähnlich wie Efeu.
„Rebe“: bezieht sich auf die Weinreben-Verwandtschaft der Parthenocissus-Gattung.
Obwohl die Jungfernreben tatsächlich nicht ohne Bestäubung Samen produzieren, wird der Name „Jungfernrebe“ historisch für diese Gattung verwendet, da sie früher fälschlicherweise als parthenogenetisch angesehen wurde. Der Name hat sich aber dennoch etabliert und ist im deutschen Sprachgebrauch geläufig.
Ich freue mich über die vielen Bienen, die jeden Sommer meine Jungfernrebe bestäuben. Das ist vielleicht ein Gesumse.!!!
Die rote Herbstfärbung ist auf die Bildung von Anthocyanen in den Blättern zurückzuführen. Diese Farbstoffe werden bei sinkenden Temperaturen und abnehmender Tageslichtdauer gebildet und verleihen den Blättern ihre intensive rote Farbe.
Leider ist die Zeit der schönen Herbstfärbung sehr kurz.
Einer der berühmtesten Tempel auf der Akropolis in Athen ist das Parthenon.
Efeu – Kissos, es handelt sich um eine Anspielung auf die Wuchsform der Pflanze.
Üppiger Wchstum in meinem Garten, eventuell auch an einer Hauswand am Botanischen Garten.