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Vorweihnachtliche Bilderschau – Kunst, Kritik und ein Hauch von Weihnachten

Pflanze der Woche, 23.-30. Dezember 2024

„Neue Leipziger Schule, wieder mal“, flötete Elfriede, während Heino mit verschränkten Armen vor dem großformatigen Gemälde stand und skeptisch die Stirn runzelte. „Weiß ich“, knurrte er und ließ den Namen mit einem verächtlichen Unterton aus sich herausplatzen: „Neo Rauch. Vollkommen überbewertet.“

„Das sagst du jedes Mal“, konterte Elfriede, die seine Abneigung inzwischen fast amüsant fand. „Dabei wärest du froh, wenn du nur annähernd so malen könntest.“
„Malen? Der? Ich sage dir: der kann gar nichts!“, echauffierte sich Heino, dessen Stimme allmählich Aufmerksamkeit im Raum erregte. „Ich wette, der benutzt einen Diaprojektor, wirft ein paar willkürliche Bilder auf die Leinwand, malt sie nach – ein bisschen wie Malen nach Zahlen – und fertig. Die Figuren? Völlig bedeutungslos. Dann arrangiert er sie zu irgendeinem pseudotiefgründigen Unsinn. Und die Leute stehen ehrfürchtig davor, staunen und rätseln, als ob es große Kunst wäre.“

„Sssshhh“, zischte Elfriede beschwichtigend. „Das darf man nicht sagen!“
„Scharlatanerie!“, verkündete Heino laut und ließ ehrfürchtige Besucher zusammenzucken.

„Und dieser Unsinn im Naumburger Dom. Wie kann man ein solches Bauwerk so verschandeln?“, empörte er sich weiter.
„Das war Michael Triegel, nicht Neo Rauch“, belehrte ihn Elfriede. „Du verwechselst da was.“
„Nein, nein“, beharrte Heino. „Dieses rot-weiße Triptychon – sieht aus wie eine Mischung aus sozialistischem Realismus und NS-Kunst.“

Elfriede beschloss, den Streit auf eine sachlichere Ebene zu lenken. „Gut, Heino. Sag mir: Was siehst du eigentlich auf dem Bild?“
„Na ja…“, begann Heino zögerlich, „irgendwie sieht es nach Weihnachten aus. Gold, drei Menschen, Kamele, jede Menge Päckchen. Es scheint um den Paketversand zu gehen.“

„Interessant“, meinte Elfriede und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. „Vielleicht ja eine moderne Anspielung auf die Heiligen Drei Könige?“
„Möglich“, grummelte Heino und erinnerte sich plötzlich wütend daran, wie er kürzlich zwei Pakete nach Südtirol schicken wollte. Diese waren nach einer Woche – statt in Italien – wieder bei ihm als Absender angekommen. „Unterfrankiert“, hatte es auf dem Rückschein von DHL geheißen. „Die im DHL-Shop im Lottoladen in Halle-Neustadt, die das Paket frankiert haben. können offenbar nicht mal lesen“, fügte er kopfschüttelnd hinzu.

Elfriede zog ihn sanft zurück zum eigentlichen Thema. „Also, Heino, bleiben wir bei der Kunst. Es geht also um Geschenke, eine weite Reise, Gold und einen Stern am Himmel.“
„Na klar. Die Geschichte kennen wir doch alle. Aber was ist das für ein Klumpen, der da vom Himmel fällt? Und diese dornige Pflanze mit den winzigen Blättern – was hat die damit zu tun?“

Gemeinsam versuchten sie, den Hinweisen nachzugehen. Zwei Pflanzen kamen ihnen in den Sinn. Doch welche war gemeint?

Liebe Leserinnen und Leser, jetzt seid Ihr gefragt!

  • Was liefert diese Pflanze, die mit Dornen übersät ist?
  • Was hat das mit der berühmten Geschichte zu tun, die uns zur Weihnachtszeit immer wieder erzählt wird?
  • Und wozu wurde sie früher verwendet?

Und eine letzte Streitfrage für alle Kunstliebhaber: Wer hat recht – Heino mit seiner scharfen Kritik oder Elfriede, die Neo Rauchs Werk verteidigt?

Teilen Sie Ihre Gedanken mit uns und lassen Sie uns gemeinsam ein wenig Licht in die vorweihnachtliche Bilderschau bringen!


Auflösung der letzten Pflanze der Woche („der Dubai-Stollen“): Spirulina, Arthospira platensis, Arthospira maxima et ssp.

Rati hatte immerhin den richtigen Riecher, als er fragte, ob das irgendetwas mit Spirulina zu tun habe. Hat es natürlich. Und aus Spaß haben wir dann ChatGPT die Fragen beantworten lassen. Mit verblüffendem Erfolg. Die KI bekommt für die folgenden Antworten die volle Punktzahl:

Was hat Heino in den Stollen getan?

Heino hat eine Substanz in den Stollen gemischt, die knallgrün ist. Vermutlich handelt es sich dabei um Pulver aus Cyanobakterien oder deren Verwandten, wie z. B. Spirulina. Diese werden oft wegen ihrer intensiven grünen Farbe verwendet.

Spirulina-Pulver als Lebensmittelfarbe

Ist es tierisch, pflanzlich oder was?

Das Pulver stammt von Cyanobakterien, die streng genommen weder tierisch noch pflanzlich sind. Cyanobakterien gehören zu den Prokaryoten, einer eigenen Kategorie von Organismen, die oft als „Blaualgen“ bezeichnet werden. Evolutionsbiologisch sind sie eng mit Pflanzen verwandt, da sie Photosynthese betreiben.

Arthrospira platensis unter dem Mikroskop. Es ist eine der beiden Spirulina-Arten, die kommerziell verwendet werden (Wikimedia)

Warum ist es grün?

Cyanobakterien enthalten Chlorophyll, ein Pigment, das für die grüne Farbe verantwortlich ist. Zudem können sie Phycocyanin enthalten, ein weiteres Pigment, das ihnen manchmal eine bläuliche oder türkisgrüne Tönung verleiht.


Es wird gelegentlich als „Superfood“ angepriesen. Berechtigt?

Ja, bis zu einem gewissen Grad. Cyanobakterien wie Spirulina enthalten viele Nährstoffe:

  • Hoher Proteingehalt
  • Vitamine (v. a. B-Vitamine)
  • Mineralien (z. B. Eisen, Magnesium)
  • Antioxidative Eigenschaften (z. B. durch Phycocyanin)

Allerdings sollte der Hype kritisch betrachtet werden: Die tatsächlichen gesundheitlichen Vorteile variieren und sind nicht immer so revolutionär, wie oft behauptet wird.


Die „Pflanze“ (bzw. Vertreter aus ihrem Reich) sind evolutionsbiologisch wichtig. Warum?

Cyanobakterien spielen eine zentrale Rolle in der Evolution:

  1. Sauerstoffproduktion: Vor etwa 2,5 Milliarden Jahren waren Cyanobakterien maßgeblich an der Sauerstoffanreicherung der Atmosphäre beteiligt (Große Sauerstoffkatastrophe).
  2. Endosymbiose: Cyanobakterien sind die Vorläufer der heutigen Chloroplasten in Pflanzen. Durch Endosymbiose wurden sie zu einem Bestandteil pflanzlicher Zellen.

In Australien stolpert man in seichtem Salzwasser über komische, schwammartige Steine. Was ist das?

Das sind Stromatolithen, fossile oder lebende Strukturen, die durch Cyanobakterien gebildet werden. Sie gehören zu den ältesten bekannten Lebensformen auf der Erde und sind ein Beweis für die frühe biologische Aktivität.

Stromatholithen in der Shark Bay, Australien

Ist das wirklich wahr, dass in dieser teuren Dubai-Schokolade dieses Zeug drin ist? Und warum ist das so?

Ja, es ist möglich, dass Cyanobakterien- oder Spirulina-Pulver in Dubai-Schokolade verwendet werden. Der Grund ist die intensive grüne Farbe, die natürliche und „gesunde“ Assoziationen weckt. Außerdem ermöglicht es Herstellern, die Schokolade als innovativ und exklusiv zu vermarkten, was besonders in Luxussegmenten gut ankommt.

Alle weiteren Pflanze der Woche findet Ihr hier in unserem Archiv.

One comment on “Vorweihnachtliche Bilderschau – Kunst, Kritik und ein Hauch von Weihnachten”

  1. Die Weisen bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Weihrauch und Myrrhe sind Harze.
    Weihrauch ist ein luftgetrocknetes Gummiharz, das von verschiedenen Boswellia-Arten gewonnen wird. Myrrhe oder Myrrhenharz ist ein aromatisches Gummiharz, welches vom Myrrhenstrauch aus der Familie der Balsambaumgewächse gewonnen wird. Auf dem Bild ist ein dorniger Baum mit kleinen Blättern abgebildet, ein Myrrhenstrauch und vom Himmel fällt auch das Harz.
    Das Lied “ Maria durch den Dornwald ging“ und die Moses Geschichte vom Brennenden Dornbusch erinnern mich an die Gewächse.
    Im alten Ägypten nutzte man bereits vor 3000 Jahren Myrrhe zur Einbalsamierung. Das getrocknete, gelb-braune Harzgranulat wird seit Jahrtausenden vor allem in Jemen, Äthiopien, Sudan und Somalia verwendet. Myrrhe ist Bestandteil von kultischen Salbungen (altgriechisch Χριστός, latinisiert „Christus“, hebräisch „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“). Myrrhe wird seit der Antike unter anderem als Aphrodisiakum verwendet. Frauen und Männer benutzten es früher als Parfüm, Betten wurden vor dem Geschlechtsverkehr damit beträufelt. Aus dem Myrrhenharz (gemäß Avicenna mit Aloe und Safran)[3] wurden im Mittelalter in Europa „Pestpillen“ hergestellt und diesem auch eine fiebersenkende Wirkung zugesprochen.
    Die Bewertung von Kunst liegt immer im Auge des Betrachters,vor Ort fand ich die Fenster stimmig.

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