Verbotene Früchte

18. Juli 2022 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Unsere Pflanze der Woche kennt eigentlich jeder – ganz gewiss aber ihre leckeren, süß-sauren, kirschgroßen Früchte, die zur Zeit in vielen Lebensmittelgeschäften zu haben sind  und einen herrlichen Belag für hochsommerliche Obsttorten abgeben. Aber in den USA war der Anbau unserer Pflanze  von 1916 bis 1967 strikt verboten. Nicht etwa, weil in ihnen berauschende Drogen enthalten wären, sondern: weil sie Zwischenwirt eines Krankheitserregers sind, genau gesagt, eines Rostpilzes, der sich aus Europa kommend, in den USA ausbreitete, und eine in den USA wirtschaftlich bedeutende Kiefern-Art befällt. Als man den Zusammenhang des amerikanische „Waldsterbens“ mit unserer Obstpflanze erkannte, die ebenfalls in den USA nicht heimisch war, versuchte man sämtliche dieser Pflanzen in den Obstplantagen auszurotten.  Mit wenig Erfolg, was die Ausbreitung des Pilzes betraf, denn der Rostpilz ist nicht zwingend auf unsere Pflanze Zwischenwirt angewiesen, wie man dann bemerkte. Böse Neophyten. Ob sie auch bei uns ein Neophyt ist, gilt als umstritten. Die eine sagen, ihre Wildform sei ein eurasisches Urgewächs, andere nennen das Himalayagebiet als Heimat der Stammpflanze. In Deutschland taucht sie gesichert ab dem 13. / 14. Jahrhundert in den Klostergärten auf. Die Römer kannten sie wohl nicht. Auf dem Beitragsbild erkennen wir vor allem ihre Blätter – die Früchte sind dummerweise dem gemeinen Retuschierpilz zum Opfer gefallen.

Eine ganz dumme Geschichte ist auch, dass der amerikanische Kontinent unser Obstgewächs mit einem „Gegengeschenk“ bedachte: Einen anderen Pilz, der seit dem besonders im Erwerbsgartenbau regelmäßig zu Schäden führt und sich wie Mehltau über die Pflanzen legt.

-von welcher Obstpflanze Pflanze ist hier die Rede?

-Wie heißen die beiden Schadpilze, die die Atlantikbrücke nach West und Ost überquerten?

– Und welcher US-Kiefern-Art wurde der Ostpilz zum Verhängnis?

 

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Antiker Cat-Content auf pflanzlicher Grundlage„): Cyperus papyrus, Papyrusstaude

 

User Rati nennt sich so, weil er meint, Lösungen zu raten. Geraten hat er aber nicht. Vieles wusste er viellicht schon – oder er hat gegoogelt.

Seine Antworten:

„– Echter Papyrus – Cyperus papyrus“

Genau. Was sonst?

„– Mark des Pflanzenstängels in Streifen schneiden, überlappend aneinanderlegen, kreuzweise überlagernde Schichten dieser Streifen pressen und klopfen, stärkehaltiger Pflanzensaft dient als Bindemittel“

Das stimmt schon, und heute wird Papyrus auch noch so für Touristen hergestellt. Dass die Stärke als Bindemittel dient, ist allerdings umstritten. Man ließt es aber oft. Stärke – naturbelassen klebt sie nicht. Sonst wäre Kartoffelschälen wäre sonst eine klebrige Angelegenheit. Offenbar sind andere, natürlich im Pflanzensaft enthaltende, klebrige Substanzen (Fructane) an der Bindung beteiligt. 

– „die Schlangengöttin Uto hat die Papyruspflanze erschaffen, Planet ???“

Hm. Das war jetzt nicht gemeint. Unser Autor HW war aber auch etwas abschweifig. Er hat hübsche ägytische Papyrushandschriften gesucht, stieß immer wieder auf diese hier:

„Ich mach Dich Messer“: Der »Kater von Heliopolis« tötet die Apophis-Schlange, die Verkörperung des universellen Feindes schlechthin (heute würde der Kater Putin töten). Eine Erscheinungsform des Sonnengottes Re war der „Kater von Heliopolis“.

Und da er auch noch Katzenliebhaber ist, wich er etwas vom Thema ab. Mit Papyrus hat die messernde Katze nur in so fern etwas zu tun, dass sie halt nicht nur in Wandmalereien, sondern eben auch auf Papyroi (den Ausdruck benutzen Altphilos als Mehrzahl – bitte merken – klingt gebildet) sehr häufig auftaucht. Dargestellt ist der Kater des Sonnengottes Re (oder Ra), er tötet die Schlange Apophis (Apep) – die Schlange der bösen Finsternis. Und so sind wir bei der Himmelsscheibe angelangt:

„– Papyrusboot -> Thor Heyerdahl -> RaII“

Nach einer gängigen Interpretation stellt die „Sichel“ wohl tatsächlich ein Boot dar, das (in anderen Darstellungen) die Sonne trägt. Es erzählt den allnächtlichen Kampf der untergegangenen Sonne gegen die Mächte der Finsternis (Putin, Corona, Nazis, Zahnschmerzen, Hämorrhoiden) und ihrer allmorgendlichen wundersamen Wiederkehr. Eine Vorstellung, die altweltlich zur Bronzezeit gemein war. Von Ägypten bis in den hohen Norden.

Und die Pömpel-Hieroglyphe?  „ Papyrusstängel mit Blättern“ antwortet Rati, und dürfte da wohl richtig liegen.

Aber woher weiß man das alles? Informationen jeglicher Art benötigen immer einen physischen Datenträger. Das können unsere grauen Hirnzellen sein. Will man aber diese Information übertragen, oder gar extern „speichern“, bedarf es dazu eines externen  Mediums. Hilfreich war hierzu die Erfindung der Schrift, aber das war nicht alles. Soll sich Kommunikation auch effizient verbreiten, muss viel Information auf immer weniger physikalischem Material konzentriert werden. Stein- und Tontafeln sind da weniger geeignet als dünne Schichten „Wafers“ aus organischem, flexiblen, leichten Material. Dünn geschliffenes Leder („Pergament“) ist da eine Möglichkeit-  aber eine nicht gerade vegane und auf jeden Fall ziemlich teure Variante. Die Kosten dafür „gehen kaum auf eine Kuhhaut“.

Datensicherheit

Der leichte organische Informationsträger Papyrus bot dagegen viele Vorteile – nur einen nicht: die Datensicherheit. Der Brand der Bibliothek von Alexandria war ein Schock für die gebildete Welt der Antike.

 

 

Noch viel mehr Pflanzen findet Ihr in unserem Archiv. Seit 2016 jede Woche ein neues Gewächs in unserem Lustgarten.

 

 

Print Friendly, PDF & Email
Ein Kommentar

Kommentar schreiben