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Vaterunser und Rosenkranz

Lang hallte das Klingeln durch die leeren Räume der Redaktion. In der siebten Etage, hoch oben im Verlagsturm, war längst Feierabend. Nur Praktikantin Maria suchte noch nach den Schlüsseln, um abzuschließen. Widerwillig nahm sie ab. Eine aufgeregte Stimme drang ins Ohr:

„Sie müssen mir helfen… Vergiftung… Gebetskette… mein Sohn hat davon gegessen!“

Maria stutzte. „Ich bin nur Praktikantin. Rufen Sie die Giftzentrale!“

„Hab’ ich längst! Das Kind liegt im Krankenhaus. Erbrechen. Die Ärzte wissen nicht, was für eine Pflanze. Aber ich ahne es. Rosenkranz…“

Noch ehe Maria überlegen konnte, trat eine Gestalt durch das Portal im Erdgeschoss, stieg ein in den alten Paternoster – jenen letzten, noch nicht vom TÜV stillgelegten. Hoch und höher trug ihn die Mechanik, bis eine Frau mit wallendem schwarzen Gewand heraussprang. Perlenketten klirrten um Arme und Hals, als sie im Türrahmen stand.

Maria stockte der Atem: Ein Gesicht wie von Ikonen gemalt, von einem Tuch umrahmt, zugleich orientalisch, fast persisch – eine Erscheinung zwischen Muttergottes und Fatima.

„Mein Sohn spielte mit den Ketten aus der Werkstatt meines Vaters. Er schnitzt sie aus den Früchten eines großen Baumes. Olivengleich, doch keine Oliven. Nun liegt er krank. Und die Ärzte wissen nicht, was es ist. Mein Name ist Melia.“

Maria beugte sich über die kleinen Körner, die die Fremde auf den Tisch legte: rau, gerippt, wie winzige Melonen.

„Und im Frühjahr riecht der Baum nach Flieder“, flüsterte Melia, als könne sie Gedanken lesen. Während sie Rosenkranzgebete murmelte, griff Maria zum Handy, ließ die Erkennungs-Apps rattern – und plötzlich leuchtete ihr Blick.

„Ich weiß, was es ist. Hier der botanische Name.“ Sie schrieb sorgfältig auf ein Blatt, dazu mehrere deutsche Bezeichnungen. „Sagen Sie es der Giftzentrale – und hoffen wir für Ihren Sohn.“

Dann endet die Szene – und die Fragen an die Leserinnen und Leser beginnen:

  • Welchen Namen schrieb Maria auf?
  • Aus welchem Land stammt dieser Baum, und wo wächst er heute?
  • Trägt er wirklich den Duft, den die Fremde beschrieb?
  • Und sind die Perlen tatsächlich giftig?

Und – was hat es mit jenem Paternoster eigentlich auf sich?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Blasendruck auf dem Laternenfest): Blasenbaum, Lampionbaum – Koelreuteria paniculata

Unser Pflanzenfreund NhuDeng löste de Fragen und schrieb Folgendes:
Die Blasenfrüchte haben sie verraten, zuerst dachte ich an die Pimpernuss (Sic, Red.:) ). Nein es ist Blasenesche (Koelreuteria paniculata).
Und wenn der Schwabe sich vorstellt, ist es auch nicht schwer den Botaniker Joseph Gottlieb Kolreuter zu finden. Er war ein vielseitiger Forscher, ist viel gereist, er hatte auch mal ein Amt in Petersburg. Anfangs ein Medizinstudium, aber dann haben ihn Pflanzen und Tiere mehr interessiert. Interessant ist sein Bestreben pflanzen zu kreuzen. In Karlsruhe war er als Aufseher und Direktor der fürstlichen Gärten mit dem Titel und Rang eines Professors der Naturgeschichte.
Die Samen der Blasenesche werden vor allem zur Herstellung von Schmuck wie Halsketten und Rosenkränzen verwendet und sind in Asien als gerösteter Snack bekannt, da sie Saponine enthalten, die eine seifenähnliche Wirkung haben und zur Herstellung von Seife dienen können. In der traditionellen Heilkunde können Blüten und Blätter der Blasenesche ebenfalls genutzt werden, die Samen selbst sind giftig und sollten nicht gegessen werden.
Der Herr Kolreuter hat sich in Halle ein Denkmal geschaffen, auf dem Friedemann Bach Platz stehen Blaseneschen.

Der Blasenbaum gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae), innerhalb derer er der Gattung Koelreuteria angehört. Die Art Koelreuteria paniculata ist ein sommergrüner Laubbaum, der in freier Wildbahn in China und Korea heimisch ist und seit dem 18. Jahrhundert als Zierbaum in Europa kultiviert wird.

Morphologische Merkmale:

  • Blätter: Unpaarig gefiedert, 20–40 cm lang, mit lanzettlichen, hellgrünen Fiederblättchen, die im Herbst goldgelb leuchten.
  • Blüten: In lockeren, pyramidenförmigen Rispen angeordnet, gelb, von Juni bis Juli, stark nektarreich und bei Insekten beliebt.
  • Früchte: Papierartige, ballonartige Kapselfrüchte, 3–5 cm lang, die bei Reife aufspringen und glänzende, dunkelbraune Samen freigeben. Diese Samen sind die „Blasen“, die Nixi im Gebüsch beobachtete.
  • Rinde: Glatt bis leicht rissig, grau-braun.
  • Wuchsform: Mittelgroßer Baum, 8–15 m hoch, kugelige bis ausladende Krone.

Ökologie und Nutzung:
Der Blasenbaum ist robust gegenüber städtischem Klima, trockenen Standorten und leichten Bodenversalzungen. Wegen seiner dekorativen Blüten und der spektakulären Früchte wird er bevorzugt in Parks, Alleen und Gärten gepflanzt.

Namensgeber: Joseph Gottlieb Kölreuter (1733–1806)
Kölreuter, schwäbischer Naturforscher, studierte Theologie und Naturwissenschaften in Tübingen und promovierte 1758 über Botanik. Er war ein Pionier der Pflanzenhybridisierung und entdeckte systematisch die Grundlagen der Vererbung durch Kreuzungsversuche – lange bevor Mendel seine Arbeiten veröffentlichte. Der Blasenbaum trägt seinen Namen in Würdigung dieser bedeutenden Leistungen.

Kuriosität „Blase“:
Wenn die „Blase platzt“, fallen die schwarzen Samen wie kleine Laternen vom Baum und verstreuen sich – ein poetisches Spiegelbild des menschlichen Moments der Erleichterung, das Nixi auf dem Laternenfest erlebt hat.



Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

One comment on “Vaterunser und Rosenkranz”

  1. Der Zedrachbaum oder Indischer Zederachbaum (Melia azedarach), auch Persischer Flieder, Westindischer Flieder, Chinesischer Holunder oder Paternosterbaum genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Melia in der Familie der Mahagonigewächse (Meliaceae).
    Melia schrieb sicher „Melia azedarach“ auf.
    Der Zedrachbaum (Melia azedarach) stammt ursprünglich aus Südasien, darunter Indien, China und der Himalaya-Region, sowie aus Teilen Australiens. Auch wenn der Baum nicht aus Persien im heutigen Sinne stammt, leitet sich sein wissenschaftlicher Name vom persischen Wort „azad dirakht“ ab, was „prächtiger Baum“ bedeutet. Persien ist vielmehr ein Gebiet, in dem der Zedrachbaum aufgrund seiner schönen Blüten und seines dekorativen Werts weit verbreitet ist und geschätzt wird
    Alle Pflanzenteile werden als giftig eingestuft, besonders die Früchte.
    Die Blüten des Zedrachbaums sind violett und verströmen einen Duft, der mit dem von Flieder verglichen wird.

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