Abrissarbeiten an der „Alten Marktwirtschaft“ – Widerspruch zum angekündigten Erhalt?
In der Brüderstraße 7, am Renaissance-Fachwerkhaus „Alte Marktwirtschaft“, laufen seit Dienstag, dem 26. August 2025 Abbrucharbeiten. Ein Bagger hat damit begonnen, größere Teile der oberen Geschosse niederzureißen. Nach Darstellung der Stadt Halle sei dieser Schritt aus Gründen der Verkehrssicherheit notwendig gewesen, nachdem Mitte Juli Fassadenteile auf den Gehweg gefallen waren. Dabei musste sich die Abbruchfirma bemühen: denn die angeblich einsturzgefährdete Fachwerkkonstruktion aus dem 16. Jahrhundert brach auch nicht am 27. August zusammen, nachdem der Bagger wesentliche Teile der mittleren Geschosse heraus gerissen hatte.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung
Abbruch oder Rückbau?
Offiziell ist von einem „geordneten Rückbau“ die Rede. Tatsächlich wirken die laufenden Arbeiten jedoch wie ein Abbruch des Gebäudes. Bilder vom Einsatz des Baggers lassen Zweifel aufkommen, in welchem Umfang historische Substanz tatsächlich geborgen werden kann.
Dieser Befund steht in einem Spannungsverhältnis zu den Vereinbarungen, die Stadt und Eigentümer vor wenigen Tagen getroffen haben: Demnach soll das Bauwerk nicht abgerissen, sondern soweit möglich gesichert und anschließend nach historischem Vorbild wiederaufgebaut werden.
Quelle: Hallespektrum.de
Einigung zum Erhalt
Die Stadtverwaltung hatte erklärt, man werde „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um den erhaltungsfähigen Bestand zu retten und einen komplettierenden Wiederaufbau des Hauses nach historischem Vorbild durchzusetzen“. Auch der Eigentümer kündigte an, die „Alte Marktwirtschaft“ in ein städtebauliches Gesamtkonzept einzubeziehen.
Bürgerinitiativen und Vereine wie der Schwemme e.V. hatten den zunächst verfügten Komplettabriss kritisiert und alternative Sicherungsmaßnahmen vorgeschlagen. Die jüngste Einigung wurde daher allgemein als Hoffnungssignal für den Denkmalschutz aufgenommen.
Offene Fragen
Ob die derzeit sichtbaren Abbruchmaßnahmen mit dem Ziel der Rettung und Rekonstruktion vereinbar sind, bleibt offen. Während die Stadtverwaltung von einer kontrollierten Bergung historischer Bauteile spricht, sehen Beobachter vor Ort vor allem den Verlust historischer Substanz.
Wie viele Elemente für einen späteren Wiederaufbau tatsächlich erhalten bleiben, wird sich erst nach Abschluss der Arbeiten zeigen.
Quellen:



