Pflanze der Woche, 3.-9. August 2026
Was machen eigentlich Leonhard Fuchs und seine neue Freundin Nixi? Lange hatte man nichts von den beiden gehört.
Dabei schien zunächst alles in bester Ordnung. Nur Nixi machte sich Sorgen. Sie fand, dass Leonhard in letzter Zeit beim Pinkel immer verdächtig lange brauche. Er selbst sah darin natürlich überhaupt kein Problem.
„Leonhard?“
„Hm?“
„Du solltest mal zum Urologen.“
Leonhard Fuchs konnte es nicht mehr hören.
„Zu einem Urologen gehe ich erst, wenn mit meinem besten Stück etwas nicht mehr funktioniert.“
Nixi errötete leicht: „Nun … das scheint ja nicht der Fall zu sein.“
„Siehst du.“
„Ich habe trotzdem einen Termin gemacht.“
Leonhard erstarrte.
„Was hast du?“
„Bei Dr. Linne.“
„Linne? Seit wann ist der feine Herr Linné Arzt?“
„Er ist Spezialist.“
„Für was denn?“
„Für deinen Schwanz, mein lieber Herr Fuchs.“
Man kann sich vorstellen, wie begeistert Leonhard diese Bemerkung fand. Aber er ging hin. Des lieben Friedens willen.
Vor allem das Wartezimmer schien eigens dafür geschaffen worden zu sein, einem die Lebensfreude auszutreiben. Alte Männer in Gummischlappen schlurften mit kleinen Becherchen voller gelblicher Flüssigkeit durch die Gänge, während irgendwo ein Drucker vor sich hin knatterte.
Während Leonhard zwischen alten Zeitschriften und Topfpflanzen wartete, beschloss Nixi, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Der Garten war ohnehin längst überwuchert.
„Unglaublich“, murmelte sie.
Zwischen den Gemüsebeeten ragte überall wieder dieses Unkraut empor. Fast mannshoch waren die Pflanzen geworden. Kräftige Stängel, große eiförmige Blätter und an den Triebspitzen dichte, grünliche Blütenstände, die wie dicke Bürsten aussahen.
Nixi griff nach einem davon.
„Igitt!“. Die Ähre fühlte sich überraschend rau und borstig an. Sie stachelte in den Händen. Eine richtige Kratzbürste.
Sie begann, die lästigen Pflanzen auszureißen. Und sie machte sich zunehmend Sorgen. Er kam und kam nicht zurück. „Wenn nun doch etwas Schlimmeres ist“, dachte sie und strich nachdenklich noch einmal über diese grünen Stachelschwänze. Samen ergossen sich über ihre Hand.
Erst Stunden später kam Leonhard zurück.
„Na?“, fragte Nixi neugierig.
„Der Herr Doktor hat mich ewig warten lassen.“
„Und dann?“
„Dann hieß es: Wir biegen Ihren Schwanz einmal zurück.“
„Und?“
„War gar nicht so schlimm.“
„Der stand ja auch nicht mehr richtig.“
„Warum?“
„Na, das war ja auch alles andere als geil dort. Und nach dieser endlosen Warterei wäre jeder Schwanz schlapp geworden. Fast verdurstet wäre ich da.“
Jetzt lachte Nixi doch.
„Und was hat Dr. Linne gesagt?“
„Er meinte, mit den Samen sei alles in bester Ordnung.“
„Wie bitte?“
„Über hunderttausend Stück.“
„Hunderttausend?“
„Ja. Mehr als genug.“
Nixi schaute ihn sprachlos an.
Dann blickte sie auf die Pflanzen, die sie gerade aus dem Garten gerissen hatte. Ihre grünen Bürstenschwänze standen kerzengerade in den Himmel – bereit, hunderttausende Samen zu verbreiten.
So, genug der Anzüglichkeiten jetzt. Natürlich geht es hier wieder um die Pflanze der Woche. Und unsere Leser wissen sicher längst:
Um welche Pflanze handelt es sich?
Warum trägt die Pflanze diesen merkwürdigen „verbogenen“ wissenschaftlichen Namen ?
Dr. Linne war bekanntlich kein Arzt, sondern einer der berühmtesten Botaniker der Geschichte. Was ist ihm bei dem Pflanzenexemplar passiert, das er beschrieb, sodass die „Schwänze“ plötzlich herunterhingen? Und warum erhielt die Pflanze dadurch einen Namen, der heute eigentlich gar nicht mehr so recht zu ihrem normalen Aussehen passt?
Hat die Pflanze eine wirtschaftliche Bedeutung?
Wo kommt sie her?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche: „Der bärtige Waldschrat: eine Begegnung zwischen Botanik und Jetset“: Wald-Geißbart (Aruncus dioicus)
NhuDeng fand es heraus: „Gesucht wird der Wald-Geißbart (Aruncus dioicus). Der Wald-Geißbart enthält wenige Blausäure-Glykoside und sollte deshalb nur gekocht genossen werden. Der Wald-Geißbart ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), also befinden sich männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzenexemplaren„


Der wissenschaftliche Gattungsname Aruncus leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Ziegenbart“. Der Name bezieht sich auf die auffälligen, bartähnlichen Blütenstände der Pflanze. Der zweite Teil des Namens, dioicus, bedeutet „zweihäusig“.
Der Waldgeißbart gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Er ist eine ausdauernde Staude, die vor allem in lichten Wäldern, an Waldrändern und in feuchten, nährstoffreichen Böden vorkommt. Die Pflanze kann eine beachtliche Höhe erreichen und bildet im Frühsommer große, weiße Blütenrispen. Die jungen Triebe wurden in manchen Regionen früher als Wildgemüse genutzt und ähnlich wie Spargel zubereitet. Roh sollten sie jedoch nicht verzehrt werden. Die Pflanze enthält unter anderem cyanogene Glycoside, aus denen bei Zersetzung Blausäure freigesetzt werden kann, wie schon NhuDeng schrieb
Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.
4 comments on “Trouble um Leonhard Fuchsens bestes Stück”
Bei der Pflanze handelt es sich um zurückgebogenen Amarant (Amaranthus retroflexus), auch zurückgekrümmter Fuchsschwanz (daher die Analogie auf Leonhard Fuchs und sein bestes Stück :-)) oder auch Rauhaariger Amarant genannt.
Sie stammt aus Nordamerika und führt wirtschaftlich als Unkraut auf Feldern eher zu Ertragseinbußen. Sie verdrängt ökologisch gesehen, als eingeschleppte Pflanze, einheimische Arten. Zurückgebogener Amarant wird jedoch in einigen Teilen der Welt als Gemüse gegessen.
Ihren irreführenden Namen schuldet die Pflanze dem kümmerlichen Exemplar, das ihr Erstbeschreiber Carl von Linné in einem Topf heranzog.
Während vergangener Sommer wuchsen in meinem Garten eine Vielzahl von Fuchsschwänzen in den verschiedenen Erscheinungsformen. In diesem Jahr sind es nur sehr wenige Fuchsschwänze.
Der gebogene Fuchsschwanz (Amaranthus retroflexus, auch Zurückgekrümmter Fuchsschwanz oder Rauhaariger Amarant) wurde von Carl von Linné benannt.
Der irreführende Name: Der Artzusatz retroflexus bedeutet „zurückgebogen“ oder „zurückgekrümmt“. Dieser Name ist für die in der Natur meist straff aufrecht wachsende Pflanze jedoch wenig zutreffend.
Die Ursache: Carl von Linné.
te für seine Erstbeschreibung ein verkümmertes und deformiertes Exemplar vor sich, das in einem engen Blumentopf herangezogen worden war und untypisch herabhängende bzw. zurückgebogene Äste aufwies.
Die wirtschaftliche Bedeutung von Amaranthus liegt vor allem in der Nutzung als wertvolles Pseudogetreide, traditionelles Blattgemüse sowie als robuste Bioenergie- und Zierpflanze, während einige Arten weltweit als schwer bekämpfbare Agrarunkräuter gelten.
Der Begriff „Fuchsschwanz“ bezeichnet in erster Linie die Pflanzengattung Amarant (Amaranthus). Als Pflanze stammt der Garten Fuchsschwanz aus Südamerika, besonders aus dem Andenraum.
Gork vom Ork, bitte die Dopplung zu entschuldgen.
Den zurückgebogenen Fuchsschwanz kann man – wie alle Fuchsschwanz-Arten, essen. In Griechenland wird eine andere Art, die dem Zurückgebogenen zum Verwechseln ähnelt (aber nicht identisch ist), als Spinatgemüse gegessen (Amaranthus hybridus). Ich habe beide Arten im Garten. Ersteres allerdings nur als ziemlich lästiges Unkraut.