Trittfest & bescheiden

22. August 2022 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Nur 10 bis 30cm misst die krautige Halbrosettenpflanze mit gelappten Blättern. Eine besonders auffällige Erscheinung ist sie nicht. Auf ihre „Winzigkeit“ und „Kleinblütigkeit“ weisen ihr lateinischer Name sowie die deutsche Namensgebung hin. Die einjährige Pflanze ist eigentlich keine einheimische Art. Der Archaeophyt verdankt sein  Vorkommen und seine Verbreitung insbesondere dem Menschen. Die Pflanze hält es auf trockenen Böden, an Wegrändern und Trittflächen erstaunlich gut aus. Ihre Salztoleranz ermöglicht ihre Existenz sogar an den Rändern städtischer Straßen und Gehwege. Sie bildet kleine weißliche Blüten von Juni bis September. Für die Bestäubung sorgen Insekten. Aber auch Selbstbestäubung ist möglich. Heilkundlich finden die Blätter Anwendung bei leichten Schmerzen und bei Entzündungen der Haut, des Verdauungstrakte und der Harnwege. Die Samen sollen bei Husten, Bronchitis und Hämorriden helfen. Die Blätter sind roh oder gekocht genießbar. Sie haben ein mildes, angenehmes Aroma. Die Samen haben einen nusseigen Geschmack. Die Wurzeln kann man zum Zähneputzen verwenden.

Wie heißt der unauffällige Archäophyt? 

(H.J. Ferenz)

 

Auflösung der letzten Pflanze der Woche  (Wird der Verzehr von kaltem Wintergemüse zur Erblindung führen?“ : Chinesische Gemüsemalve, Malva verticella

 

Unser User „Malefiz“ hatte es gleich raus: Wir suchten die Quirl-Malve (Malva verticillata), auch Gemüse-Malve genannt. Die Pflanze gehört zur Gattung der Malven, zu der viele heimische Gewächse gehören, angefangen von den imposanten Stockrosen, den Wegmalven und viele mehr, auch die ganz bescheidenen kleinen „…..“ gehören dazu.

Das Artepitheton „verticillata“ bedeutet quirlig, was mit den um den Stängel rotierenden Blattansätzen zu tun hat. In Fernost sehr verbreitet als Gemüse, schätzt man dort den frischen, etwas „schleimigen Abgang“, der von den Polysaccharide her kommt. Viele Malvengewächse enthalten solche Schleimstoff, wie, das bemerkte Malefiz korrekt, bei den verwandten Okra-Schoten (Abelmoschus esculentus). Ein anderes Beispiel wäre der Eibisch, dessen Schleimstoffe die historische Grundlage für die beliebten Marshmallows lieferten.

 

Die Pflanze stammt aus Ostasien, ist aber seit einiger Zeit schon ein „Neophyt“. Die Pflanze wächst problemlos im Garten (Aussaat ab April) , und wenn man sie nicht vor der Samenreife abschneidet, sät sich die einjährige Pflanze selbst aus, mit dem Ergebnis, dass man sie dann auch die nächsten Jahre im Garten hat. Was nicht verkehrt sein muss: sie ist schon eine Bereicherung, nicht nur für die „Asian Style“ Küche. Wer der Pflanze habhaft werden kann, koche Blütenstände, Blätter und zarte Stängel etwa 15 min in Gemüsebrühe, lasse abtropfen, gebe Zitronensaft darauf und etwas Olivenöl. Unbedingt ausprobieren, der Autor kann es auf jeden Fall empfehlen. Die Pflanze wird seit über 3000 Jahren in China als Kulturpflanze gezogen, hat aber auch in China wohl etwas an Bedeutung eingebüßt. Dort nennt man sie „Kwai Cai“, oder eben auch „东苋菜粥“. Rezepte findet man da durch googeln, und wenn man den Google-Übersetzer zur Hand nimmt, kann es lustig werden.

Wer Samen haben möchte: sich einfach über das Kontaktformular von Hallespektrum wenden, Stichwort „Pflanze der Woche“.

Noch viel mehr Pflanzen findet Ihr in unserem Archiv. Seit 2016 jede Woche ein neues Gewächs in unserem Lustgarten.

H.W.

 

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