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Rosa Verführung: Fleischwurstbüsche. Lass Manna und Hirn regnen, oh Herr.

Pflanze der Woche, 8.–14. Juni 2026

Endlich Urlaub.

Kaspisches Meer.

Hier sehen wir unsere beiden Lustmolche, den Pflanzenredakteur Heino und seine etwas undurchschaubare neue Liebe Anna Blume.

Und man glaubt es kaum: Schon wieder beim Wurstessen.

Dabei hatten sie sich fest vorgenommen, keine Bilder mehr zu produzieren, die man als „anstößig“ oder gar „pornografisch“ missverstehen könnte.

Die letzte Ausgabe hatte nämlich einige bemerkenswerte Leserzuschriften hervorgerufen.

Vor allem Heino musste deshalb in der Redaktion antreten.

Alle saßen sie da.

Die Frauenbeauftragte.

Die Ernährungsbeauftragte.

Der Direktor.

Und noch einige andere, die sonst vermutlich nie Zeit hatten.

Die Stimmung war unerquicklich.

Auf dem Bildschirm erschien das betreffende Bild.

Anna. Die Wurst. Der Majoran.

„Herr Heino“, begann die Frauenbeauftragte, „können Sie mir erläutern, weshalb die Pflanze auf diesem Foto nur ungefähr zwanzig Prozent der Bildfläche einnimmt?“

„Der Majoran ist doch deutlich zu sehen“, verteidigte sich Heino.

„Die Wurst allerdings auch.“

Die Ernährungsbeauftragte räusperte sich.

„Darf ich daran erinnern, dass die Pflanzenredaktion gehalten ist, die Vorzüge einer pflanzenbasierten Ernährung zumindest gelegentlich hervorzuheben?“

Der Direktor schwieg lange.

Dann sagte er:

„Ich möchte nie wieder den Ausdruck ,Wurstpornografie‘ in einer Leserzuschrift lesen müssen.“

Heino fand das nun doch etwas übertrieben.

Schließlich habe man gar nicht die Wurst thematisieren wollen, sondern das Gewürz. Außerdem dürfe man doch wohl ein wenig Fleischeslust inszenieren. Es gäbe schließlich sogar Politiker, die sich öffentlichkeitswirksam beim demonstrativen Biss in die Bratwurst fotografieren ließen.

Am Ende blieb es bei einer Ermahnung.

Keine Abmahnung.

Kein Eintrag in die Personalakte.

Uff.

Nun also Urlaub.

Die Wellen des Kaspischen Meeres rauschten leise ans Ufer.

Die beiden hatten sich hinter rosafarben blühende Sträucher zurückgezogen.

Und natürlich packte Anna wieder Würste aus.

„Hier sieht uns keiner“, sagte sie.

„Wir sind immer im Dienst“, erwiderte Heino streng.

Im selben Augenblick musste er beinahe an dem Stück Fleischwurst ersticken, das Anna ihm in den Mund schob.

„Sag mal“, fragte sie, „welche Pflanze machen wir denn diese Woche?“

Heino zeigte wortlos auf die rosafarbenen Büsche.

„Die da.“

„Was soll das sein?“

„Fleischwurstbüsche.“

Anna betrachtete die Blüten.

„Tatsächlich. Fast dieselbe Farbe.“

„Eben.“

„Und was ist das nun wirklich?“

„Keine Ahnung“, gab Heino zu.

„Sieht ein bisschen aus wie Erika.“

„Ist aber keine.“

„Hier heißt doch auch niemand Erika.“

„Vielleicht Tamara.“

„Tamara?“

„Klingt zumindest ähnlich.“

„Eher nicht“, meinte Anna.

Eine Weile schwiegen sie.

Dann fragte sie:

„Kann man davon eigentlich etwas essen?“

„Von der hier wohl nicht.“

„Und von einer verwandten Art?“

„Möglicherweise.“

„Was denn?“

„Manna.“

„Manna vom Himmel?“

„Genau das.“

Anna begann zu lachen.

„Mana, mana“, sang sie. „Lass Manna vom Himmel regnen!“

„Tut dieser Busch aber nicht.“

„Eine verwandte Art schon“, stellte Anna fest. „Hab ich gelesen.“

„Dann müssen das diesmal eben unsere Leser herausfinden.“

Und genau das sollen sie nun tun.

Fragen an die Leser

  1. Was sind das für rosafarbene Büsche am Kaspischen Meer?
  2. Warum kommt diese Pflanze gerade dort besonders häufig vor?
  3. Welche verwandte Art wird mit dem biblischen Manna in Verbindung gebracht?
  4. Und warum ist Fleischwurst eigentlich so rosa?
  5. Die Pflanze ist schwer zu erkennen. Deshalb haben wir zumindest die Blüte nochmal als Foto reinkopiert. Maler hat als Impressionist nicht gerade botanisch exakt gemalt. Eine Picknickszene im Grünen, ohne Wurst(!), aber mit einer hübschen nackten Dame, hat ihn recht bekannt gemacht.  Wer wars?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche „Das grüne Herz vergessen: fade Thüringer Wurst“: Majoran (Origanum majorana)

Da hat unser Leser Midas so umfassen geantwortet, dass es sich eigentlich eröbrigt, die vorgesehen lösung hier einzustellen, den er hat mit seiner Antwort alles abgedeckt. Er schreibt:

1. Majoran

2. Botanisch gesehen ist der Majoran (Origanum majorana) ein klassischer Vertreter der mediterranen Kräuterwelt. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist damit direkt verwandt mit anderen bekannten Küchenkräutern wie Thymian, Rosmarin, Salbei und Basilikum.

3. Er ist das prägende Gewürz in z. B. der Thüringer Rostbratwurst, der Pfälzer Leberwurst und verschiedenen Blutwürsten. In der Hausschlachtung war er unverzichtbar.
In der klassischen Kartoffelsuppe, im Kartoffelpuffer (Reibekuchen) oder bei Bratkartoffeln ist Majoran der Standard-Partner.
Er bildet die Basis für die Würzung von Hackbraten (Frikadellen/Buletten), Gulasch und weiten Teilen der klassischen Wiener Wirtshausküche.

Herausragend ist vor allem: Im Gegensatz zu vielen anderen zarten Kräutern wie Basilikum, Petersilie oder Dill verliert Majoran beim Trocknen nicht an Geschmack .Durch das Trocknen konzentrieren sich die ätherischen Öle in den kleinen, behaarten Blättern. Getrockneter, „gerebelter“ Majoran schmeckt oft sogar noch intensiver, würziger und konzentrierter als die frische Pflanze. Das machte ihn historisch zu einem perfekten Ganzjahresgewürz für die Vorratshaltung, lange bevor es Tiefkühltruhen oder ganzjährig frische Treibhauskräuter gab. Zudem ist er extrem hitzebeständig und entfaltet sein volles Aroma erst, wenn er lange Zeit in Eintöpfen oder Saucen mitgekocht wird.

4. Antike: Aphrodite, die Göttin der Liebe, soll den Majoran erschaffen haben. Er galt als Symbol für Glück und Liebe. Frisch vermählten Paaren band man Kränze aus Majoran.

Klostermedizin: Im Mittelalter brachten Mönche die Pflanze über die Alpen nach Mitteleuropa. Schnell wurde er zu einem festen Bestandteil der Klostergärten, da man seine stark desinfizierende und krampflösende Wirkung schätzte.

Frühere Anwendungsbereiche
In den alten Kräuterbüchern (wie dem von Hieronymus Bock oder Jacobus Theodorus Tabernaemontanus) wurde Majoran für eine ganze Reihe von Beschwerden empfohlen:

Verdauungsbeschwerden: Durch seine Bitterstoffe und ätherischen Öle regt er die Produktion von Magensaft und Galle an. Das half gegen Blähungen, Krämpfe und Völlegefühl – genau der Grund, warum wir ihn heute noch an fette Speisen geben.

Nervensystem: Majorantee wurde zur Beruhigung bei Nervosität, Schlaflosigkeit und sogar bei Kopfschmerzen eingesetzt.

Atemwege: Als Aufguss oder Inhalation nutzte man ihn gegen Husten, Schnupfen und Asthma.

Die berühmte „Majoransalbe“: Ein absoluter Klassiker der Volksmedizin. Sie wurde aus Majorankraut und Butter (oder Schmalz) hergestellt und Säuglingen bei Blähungen auf den Bauch oder bei Schnupfen unter die Nase gerieben.

Die moderne Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) schätzt seine Inhaltsstoffe nach wie vor. Das enthaltene ätherische Öl (reich an Terpinenen) wirkt nachweislich antibakteriell, krampflösend und entzündungshemmend.

5. Frage an die Redaktion: Warum liefert eure KI mehr oder weniger pornografische Bilder?“



OK, hier muss die Red. also doch noch antworten. Steht ja eigentlich schon oben im Text. Bilder lösen die unterschiedlichste Assoziationen beim Betrachter aus. Was in der Regel damit zusammenhängt, mit welchen Bildern das Gehirn des Betrachters „trainiert“ wurde, sprich: was er schon gesehen hat. Beispiel: Würde man nicht christlich geprägten Kindern eine Bethlehemszene zeigen (Ochs und Esel, Jesulein usw), würden sie sicher spannende Geschichten erzählen über Menschen, die friedlich mit Tieren in einer kaputten Hütte leben. Religion käme ihnen da nicht in den Sinn.

Auch die bloße Wahrnehmung rein technischer Darstellungen aus dem Bereich der Lebensmittelproduktion kann bei empfindlichen Lesern zu unerwünschten Reizungen führen (Ausschnitt aus dem Beitragsbild „Pflanze der Woche“vom 1. Juni 2026)

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

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