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Rosa Liebespiel in Rokoko


Pflanze der Woche, 22. -28. Mjuni 2026

Oh, wen sehen wir denn da wieder?

Offenbar hat diesmal ein nicht ganz unbekannter Maler des französischen Rokoko seinen Pinsel geschwungen. Zwischen rosafarbenen Blümchen und Ranken entdecken wir zwei vertraute Gestalten: Leonhard und Nixi aus der Pflanzenredaktion.  Frisch verliebt liegen sie in einer sommerlichen Wiese irgendwo im Saalekreis. Ringsum blüht es in allen Schattierungen von Rosa und Violett. Die Blüten stehen in lockeren Trauben, als hätten sie sich eigens für dieses Gemälde geschniegelt.

Leonhard rückte ein wenig näher.

Ein wenig zu nah.

Nixi verzog das Gesicht.

„Irgendwas drückt da.“

„Nun hab dich doch nicht so“, sagte Leonhard. „Du machst hier wieder wie die Prinzessin auf der Erbse.“
„Nein“, widersprach Nixi. „Und außerdem bin ich ziemlich platt.“

Das war sie tatsächlich. Die lange Radtour hinaus ins Grüne, durch die flirrende Hitze, entlang der Feldwege und Wiesen des Saalekreises hatte ihre Kräfte erschöpft.

Sie richtete sich etwas auf.

„Aber die Blümchen sind wirklich hübsch. Fast schon kitschig.“

Dann sagte Leonhard einen Pflanzennamen.

Nixi fuhr erschrocken hoch.

„Was hast du gesagt?“

„Den Namen der Pflanze.“

„Du ordinäres Schwein!“

„Wieso denn?“

„Na wegen dieses Wortes!“

Leonhard lachte.

„Ach was. Ich habe nur den landläufigen Namen gesagt.“

„Den was?“

„Den volkstümlichen Namen.“

Nixi beruhigte sich langsam.

„Dann sag ihn nochmal.“

Leonhard wiederholte ihn.

„Aha“, sagte Nixi. „Jetzt verstehe ich das Missverständnis. Aber richtig ist das trotzdem nicht.“

„Nicht?“

„Nein. Man sagt ja auch nicht Fikipedia.“

„Was?“

„Na, du weißt schon.“

Nun wurde Leonhard neugierig. Also holte er seine elektronische Bestimmungshilfe hervor. Gemeinsam hielten sie die Kamera auf die Pflanze.

Und tatsächlich.

Nixi hatte recht.

Die gesuchte Art gehörte zwar zu einer Gattung, die ihren Namen von einem alten griechischen Wort für Hülsenfrüchte erhalten hat. Sie besitzt geflügelte Stängel, auffallend breite Blätter und klettert mit Hilfe von Ranken an ihren Nachbarn empor. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum und wird seit Jahrhunderten als Zierpflanze kultiviert. An vielen Orten hat sie Gärten verlassen und sich in freier Natur angesiedelt. Ihre Blüten erscheinen den ganzen Sommer über in kräftigem Rosa bis Purpurrot und erinnern an kleine Schmetterlinge.

„Schade“, sagte Nixi und hielt ihre Nase an einen Blütenstand.

„Warum?“

„Die duftet ja gar nicht.“

So, liebe Leser, wir verduften dann auch mal lieber und lassen die beiden allein. Denn ihr wisst sicher, worum es hier geht.

Unsere Fragen

  • Um welche Pflanze handelt es sich?
  • Wo kann man sie in Halle (Saale) und Umgebung finden?
  • Wie heißen die erbsenartigen Früchte botanisch korrekt?
  • Sind diese Früchte oder ihre Samen essbar?

Und noch ein Wort an unsere besonders zart besaiteten Leser, die in dieser Geschichte womöglich mehr Wurst-Erotik vermutet haben als tatsächlich vorhanden ist:

Hier kommt wirklich keine Wurst vor. Allerdings trägt der französische Rokoko-Maler, dem wir dieses Gemälde vielleicht verdanken, einen Namen, der manchen Menschen entfernt an ein Fleischereierzeugnis erinnern könnte.

Wie heißt er?



Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Schlangenfraß“) : Schlangen-Lauch (Allium scorodoprasum).

User Rati schwankte etwas, und das lag auch daran, dass das mit den ganzen Lauchen etwas schwierig ist.
Er schrieb: „Weinbergs-Lauch (Allium vineale), auch Weinberg-KnoblAuch genannt– Weinbergs-Lauch ist botanisch gesehen keine Knoblauch-Art. Er gehört zwar zur selben Gattung wie der echte Knoblauch, ist aber eine eigenständige Art innerhalb dieser Familie

– handelt sich um Brutzwiebeln in den Blüten, welche herunterfallen und von Tieren z. B. verbreitet werden, Brutzwiebeln gibt es auch an den Knollen

Es gibt eine extrem nah verwandte Allium-Art, die denselben Trick mit den Zwiebeln in der Blüte anwendet und den offiziellen deutschen Namen Schlangen-Lauch trägt, sieht dem Weinbergs-Lauch sehr ähnlich, hat aber etwas flachere Blätter. Seinen Namen hat er vermutlich erhalten, weil sich seine Blütenstängel vor dem Aufblühen oft schlangenartig krümmen und winden.“

Die Arten sind ziemlich ähnlich. Vielleicht am ehesten an dem abgebildeten Blütestand kann man die Art identifizieren. und die Erwähnung des Weinbergs“ im Text war fahrlässig irritierend, müssen wir auch zugeben. Sicher es Unterscheidusmerkmal: Beim Schlangen-Lauch sind auch an der (weißen) Knolle Brutzwiebeln. Und die sind fast schwarz.

Der Schlangen-Lauch gehört zur Gattung Allium, also zu derselben Pflanzengruppe wie Küchenzwiebel, Knoblauch, Schnittlauch und Porree.

Der Gattungsname Allium ist bereits aus der römischen Antike überliefert. Seine genaue Herkunft ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein altes lateinisches Wort für Knoblauch oder Lauchpflanzen.

Der Artname scorodoprasum stammt aus dem Griechischen:

  • skorodon = Knoblauch
  • prason = Lauch

Der wissenschaftliche Name bedeutet also sinngemäß „Knoblauch-Lauch“.

Merkmale

Charakteristisch sind die langen, aufrechten Stängel und die kugeligen Blütenstände.

Besonders auffällig ist, dass sich zwischen den Blüten zahlreiche kleine Brutzwiebeln entwickeln. Diese können abfallen und neue Pflanzen hervorbringen.

Auch an der Hauptzwiebel entstehen oft zusätzliche Tochterzwiebeln.

Der Schlangen-Lauch besitzt damit mehrere Möglichkeiten der vegetativen Vermehrung.

Viviparie und Brutzwiebeln

Bei vielen Beständen werden deutlich mehr Brutzwiebeln als Samen gebildet.

Diese Form der Vermehrung erinnert an die sogenannte Viviparie („Lebendgeburt“ bei Pflanzen), bei der sich bereits an der Mutterpflanze fertige Jungpflanzen entwickeln.

Beim Schlangen-Lauch handelt es sich zwar nicht um echte Viviparie, die Brutzwiebeln übernehmen aber eine ähnliche Funktion.

Verbreitung

Die Art stammt ursprünglich aus Europa und Westasien.

Sie bevorzugt warme, nährstoffreiche Standorte, Waldränder, Gebüsche, Weinbergslagen und alte Kulturlandschaften.

In Deutschland kommt sie zerstreut vor und gilt regional als selten.

An manchen Orten dürfte sie bereits in historischer Zeit als Nutzpflanze eingeführt worden sein und hat sich anschließend verwildert.

Verwendung

Der Schlangen-Lauch ist essbar.

Zwiebeln, Brutzwiebeln und junge Blätter besitzen ein deutliches Knoblaucharoma.

Früher wurde die Pflanze gelegentlich als Würz- und Gemüsepflanze genutzt, bevor der gewöhnliche Knoblauch diese Rolle weitgehend übernahm.

Heute wird sie vor allem von Wildpflanzenfreunden und Sammlern geschätzt.

Warum „Schlangen-Lauch“?

Der deutsche Name wird meist auf die kugelförmigen Blütenstände zurückgeführt, aus denen einzelne langstängelige Blüten emporheben, und die wie sich aufrichtende Schlangen aussehen.


Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

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