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Schlüpfriger Fehltritt in den Kröllwitzer Alpen

Pflanze der Woche, 17 . -25. Februar 2025

Ein etwas peinliches, ja anzügliches Erlebnis hatte er während seiner Wanderung in den Kröllwitzer Alpen. Etwas, das er eigentlich lieber verschweigen sollte, weil es doch seine heimlichen, geradezu schmutzigen Phantasien zum Zeugnis bringen würde. Gaber andererseits konnte er es nicht zurückhalten – aus rein wissenschaftlichem Interesse. Er hatte sich hier oben in den Felsen gerade von der der letzten Pflanze der Woche verabschiedet, deren Auflösung der geneigte Leser hier weiter unten finden wird.  Ein falscher Tritt – und er rutschte aus, stürzte unglücklich und landete direkt auf Ihr. Oder sogar in Ihr? „Du fettes Huhn“, wollte er sie anschreien, da sie sich um ihn herumgeschlängelt hatte und ihre üppigsten Reize ihm entgegenstreckte. Ihr Blick war fordernd, und bei ihrem Anblick kamen ihm sofort Begriffe in den Sinn, die hier nicht genannt werden sollten, wären sie nicht so eindeutig belegt. Oh feuchte Vulva, betörend saftige Klitoris. Feuchter Saft tropfte, als er sich in ihr festkrallte. Die wohlgenährte Dame präsentierte sich mit all ihren weiblichen Attributen, ihre prallen feuchten Organe verfehlten ihre reizvolle Wirkung keinesfalls, zumal jetzt im Februar, wo doch sonst alles eher vertrocknet  und eingezogen war.
Zum Glück besann sich der junge Mann, der offenbar durch den Sturz eine kurzfristige Wahrnehmungsstörung erlitten hatte, wieder auf seinen wissenschaftlichen Verstand. Nein, er würde sich von dieser Madame nicht zu einem kurzen Trip einladen lassen, und sich lieber für sein „Missgeschick“ (in doppeltem Wortsinne) zu entschuldigen und sich lieber verabschieden. Denn von dieser Dame, die in vielen Ländern unter zweifelhaften Namen bekannt war, ging ein wenig „anständiger“ Ruf aus, was auch seine späteren Recherchen bestätigten.  
Später war er in einer Bibliothek auf einen Aufsatz gestoßen, der sich das aufreizende Mauerblümchen gebührend vorgenommen hatte: „Untersuchungen zu einer genitalbezogenen Benennungsmotivation…“. Darin fand er einige überraschende Details, die er von diesem scheinbar harmlosen Wesen nie erwartet hätte. Offenbar können Männer selbst bei einer einfachen Blume auf die abwegigsten Gedanken kommen. Historische Männer. Er natürlich nicht. Eine Volksethymologische Ableitung des Trivialnamen, der aus dem Französischen stammt, bringt das Mauerblümchen sogar in den Zusammenhang mit einer unangenehmen, einst gefürchteten und auch noch heute verbreiteten Geschlechtskrankheit.
Aber er entdeckte er jedoch noch eine ganz andere Bezeichnung für die Pflanze: Knabenkraut. Aber ist das nicht etwas anderes?

Liebe Leserinnen und Leser, Ihr könnt euch, ganz neutral und nüchtern mit folgenden Fragen beschäftigen: 

  • Wie heißt dieses unscheinbare Gewächs, in das unser Freund da reingeschlittert ist?
  • Kulinarisch lässt es sich gerne genießen, auch wenn es etwas aus der Mode gekommen ist. Hier kennt man vor allem den (natürlich!) französischen Namen. Aber Vorsicht! Die Pflanze gilt heute als giftig.

Historisch belegt ist ihre regelhafte Verbindung mit weiblicher Sexualität – und das in vielfacher Hinsicht. Schon 1648 schrieb ein gewisser Simon Paulli: „Dieses Kraut wird mit einem überaus unzüchtigen Namen benannt.“ Aber es gab noch weitere Anspielungen – durchaus auch auf den männlichen Penis, wie beispielsweise „Zumpe“ mit der Anspielung auf die steil aufragenden Blütenstängel. Den Aufsatz, den Heino gelesen hat, findet man mit etwas geschickter Google-Suche recht schnell, da finden wir viel zu seiner Namensgeschichte.

  • Welche deutsche Namen gibt und gab es für die Pflanze ?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche: („Entdeckung in den Kröllwitzer Alpen“): Graukresse (Berteroa incana)

Tatsächlich nämlich fanden wir letzte Woche – als es noch nicht schneite – blühende Exemplare von Graukresse auf diesem Kröllwitzer Felsen, dem Saaleseitigen Ausläufer des Kröllwitzer Bergmassivs. Blütezeit ist normalerweise im Sommer, aber unter milden bedinguingen scheint es hie und da Ausreißer zu geben, die einfach im Winter ncht tot zu kriegen sind.

Die Graukresse (Berteroa incana) ist eine Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie ist auch unter dem Namen Graues Hellerkraut bekannt. Hier sind die wichtigsten Informationen zu dieser Pflanze:

Aussehen und Merkmale:

  • Graukresse ist eine einjährige bis mehrjährige krautige Pflanze und kann eine Höhe von 20 bis 60 cm erreichen.
  • Ihre Blätter sind schmal, länglich und von feinen Haaren bedeckt, was ihr ein gräulich-grünes Aussehen verleiht.
  • Die Blüten sind klein, weiß und in dichten Trauben angeordnet.
  • Die Früchte sind schmale Schoten mit kleinen Samen.

Vorkommen:

  • Die Pflanze ist in Europa und Asien heimisch und hat sich in Nordamerika eingebürgert.
  • Sie wächst bevorzugt an trockenen, sandigen oder steinigen Standorten, an Wegrändern, auf Brachflächen und in Feldern.
  • Graukresse ist relativ anspruchslos und kommt auch in gestörten Habitaten vor.

Nutzung:

  • In der Vergangenheit wurde sie gelegentlich als Heilpflanze genutzt, insbesondere in der Volksmedizin.
  • Sie enthält Senfölglykoside, die antimikrobielle Eigenschaften haben sollen.
  • Vereinzelt wurde sie als Wildgemüse genutzt, allerdings ist ihre Verwendung heute kaum verbreitet.

Giftigkeit:

  • Graukresse enthält giftige Alkaloide, die für Pferde, Rinder und andere Weidetiere gefährlich sein können. Insbesondere bei längerer Aufnahme kann es zu Vergiftungserscheinungen wie Koliken und Koordinationsstörungen kommen.
  • Für den Menschen ist sie in kleinen Mengen nicht hochgiftig, aber aufgrund der enthaltenen Senfölglykoside sollte sie nicht in großen Mengen verzehrt werden.
  • Besonders in getrocknetem Zustand (z. B. im Heu) kann sie für Weidetiere problematisch sein.

Verwirrung um unterschiedliche Bezeichnungen

Die Graukresse (Berteroa incana) hatte in der Vergangenheit einige andere botanische Namen bzw. Synonyme. Hier sind einige historische Bezeichnungen:

  • Alyssum incanum L.
  • Berteroa mutabilis Dulac
  • Berteroa villosa DC.
  • Erysimum incanum (L.) Scop.

Diese Synonyme stammen aus älteren Klassifikationen, bevor sich der heute gültige Name Berteroa incana durchgesetzt hat. Solche Namensänderungen sind in der Botanik nicht ungewöhnlich, da sich die Systematik durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder ändert.

Vorsicht, hilft nicht gegen Tollwut:

Der Name Alyssum stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern „a-„ (ohne, nicht) und „lyssa“ (Tollwut, Raserei) zusammen. Wörtlich bedeutet es also „gegen Tollwut“.

Früher glaubte man, dass Pflanzen der Gattung Alyssum heilende Eigenschaften gegen Tollwut haben könnten, weshalb sie diesen Namen erhielten. Heute gehört die Gattung Alyssum zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae) und umfasst kleine krautige Pflanzen, die oft als Zierpflanzen oder Wildkräuter vorkommen.

mit Tollwut ist nicht zu spaßen.

Die Graukresse (Berteroa incana) wurde früher dieser Gattung zugeordnet (Alyssum incanum), doch spätere botanische Untersuchungen ergaben, dass sie besser in die Gattung Berteroa passt.

Weitere Pflanzen der Woche findet Ihr in unserem Archiv – seit 2016, ohne Auslassung, jede Woche eine.

4 comments on “Schlüpfriger Fehltritt in den Kröllwitzer Alpen”

  1. Einspruch euer Ehren!
    Ich habe gestern das Rätsel gelöst, bis auf die Frage nach der Tollwut, denn ich wollte den Makel, uns würde das wöchentliche Rätsel nicht interessiern, nicht auf der Gruppe sitzen lassen.

  2. Oh, das stimmt, wir haben das übersehen, weil wir „Tatort“ geschaut haben. Danke NhuDeng !

  3. Das über die Sedum-Arten , vorligende enthnobotanische Material deutet jedoch
    darauf hin, dass in trique-, tripmadam(e) ein Sexualmotiv versteckt ist, mir gefällt die andere Erklärung besser:Tripmadam stamme aus trippe madame ,dicke, klotzige Frau‘ (mit Anspielung auf die
    kurzen, dicken Blätter) .
    gefunden in“Tripmadam
    Untersuchungen zu einer genitalbezogenen Benennungsmotivation aus dem Bereich der
    Dickblattgewächse“
    Gesucht waren : Tripmadam, Mauerpfeffer , Felsen-Fetthenne, Sedum rupestre.

  4. das Werk habe ich auch gerade Dank Deines Hinweises ergoogelt. Der Autor verweist auf internationale sexuelle Zuschreibungen diverser Sedum-Arten. Die Phantasie kann ich nicht nachvollziehen. Weder bei „Fetten Hennen“ noch bei „dicken klotzigen Frauen“ regt sich da was, wobei ich nur von mir spreche. Der Autor muss jung und sehr notleidend gewesen sein, oder ich bin da altersmäßig raus.

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