Pflanze der Woche, 9.-15. Dezember 2024
Es war eine dieser Mittagspausen, an denen der Tag noch frisch und voller Möglichkeiten wirkte. Elfriede und Heino, ein eingespieltes Paar, standen vor dem großen M. Das goldene „M“ prangte über dem Schnellrestaurant, und Elfriede war fest entschlossen, Heino zu überreden, dort hineinzutreten.
„Komm schon, Heini! Ein Burger bei McDonald’s, das ist doch nichts dabei!“, sagte Elfriede fröhlich und zog ihn ein Stück näher.
Heino zögerte. „Ach, McDonald’s? Och nö! Ich hab nichts gegen Fast Food, aber dieser Geschmack… der zieht sich durch alle Burger. So süß-säuerlich… irgendwie seltsam.“
„Du bist echt ein Sonderfall“, lachte Elfriede. „Das ist doch nichts Antiamerikanisches. Der Geschmack gehört einfach dazu. Und mal ehrlich, du magst doch auch diese ganzen Aromen von Grill und Rauch, wenn wir bei ‚Chez Louis-Philippe I.‘ sind!“
Heino blickte sie mit einem skeptischen Lächeln an. „‘Chez Louis-Philippe I.‘, meinst du vielleicht eher Burger King?“
„Ach ja, richtig!“, lachte Elfriede. „Aber wie auch immer, auch Burger King hat seinen Ursprung in den USA, genauso wie McDonald’s. Und trotzdem – der Geschmack!“
Heino kratzte sich am Kopf. „Vielleicht liegt es daran, dass McDonald’s schon seit den 1940er Jahren existiert, und das amerikanische Fast-Food einfach immer denselben Geschmack hat. Aber warum ist dieser Geschmack so… eigenartig?“
„Ja, das ist die Frage!“, sagte Elfriede. „Aber komm, lass uns doch einfach mal reingehen und ausprobieren. Vielleicht findest du den Geschmack ja doch nicht so schlimm.“
Kaum saßen sie am Tisch und Heino hatte seinen Burger vor sich, begann er ihn mit einer gewissen Entschlossenheit zu zerlegen. Er inspizierte das Fleisch, die Sauce, die Zwiebeln – und das, was er für die Quelle des eigenartigen Geruchs hielt.
„Ah, die Sauce!“, sagte Heino und schnüffelte daran. „Die riecht wirklich komisch. Was ist das eigentlich?“
Elfriede nahm einen Bissen von ihrem Burger und nickte. „Ja, die Soße ist besonders. Ich hab mal gelesen, dass die Amerikaner sowas mögen. Und auch wir aus dem Osten irgendwie. Meine Oma hat im Keller immer diesen Geruch wahrgenommen. War sicher ein altes Rezept.“
„Aber was ist es?“, fragte Heino neugierig, während er weiter an der Sauce schnüffelte. „Warum riecht das so anders als alles, was ich kenne?“
Schließlich griff Elfriede zum Smartphone und begann zu googeln. „Moment, da muss es eine Erklärung für geben… Ah, hier!“, rief sie plötzlich. „Es handelt sich um… ein Gelee? Die Amerikaner machen aus einer Pflanze ein Gelee und verwenden es in der Sauce.“
„Wirklich?“, Heino schaute skeptisch. „Und was für eine Pflanze ist das?“
Elfriede blätterte weiter durch die Ergebnisse. „Es handelt sich um eine Pflanze, die schon seit der Antike bekannt ist. Die Früchte sind eigentlich ganz neutral im Geschmack, aber sie können durch eine spezielle Behandlung sauer oder sogar essigartig schmecken. Die Amerikaner hängen die Früchte dieser Pflanze sogar an ihre Weihnachtsbäume. Kannst du dir das vorstellen?“
„Das ist ja verrückt“, sagte Heino, „aber Moment mal, was hat das mit einem römischen Kaiser zu tun?“
„Ah, da kommt noch mehr!“, antwortete Elfriede. „Der römische Kaiser Tiberius soll die Pflanze so sehr geliebt haben, dass er fahrbare Gewächshäuser für sie bauen ließ. Damit seine Sklaven die Pflanze durch das Land transportieren konnten, um den besten Platz für sie zu finden. Die Pflanze war so empfindlich, dass sie im römischen Imperium fast wie ein Schatz behandelt wurde.“
Heino schüttelte den Kopf. „Das klingt nach einem Gerücht. So kälteempfindlich kann die Pflanze doch gar nicht sein. Aber vielleicht war das auch einfach der Luxus der Römer.“
„Vielleicht, aber der alte Plinius schrieb wirklich darüber“, meinte Elfriede. „Und was genau Tiberius in diesen Gewächshäusern anbaute, ist nicht ganz klar. Es könnte durchaus diese Pflanze gewesen sein.“
„Und welche Pflanze suchen wir nun?“, fragte Heino, der immer noch versuchte, das Rätsel zu lösen.
„Warten wir mal“, sagte Elfriede. „Lass uns ein paar Hinweise sammeln und dann das Rätsel zusammen lösen:
- Die Pflanze hat eigentlich einen eher neutralen Geschmack, aber sie entwickelt durch eine spezielle Behandlung ein säuerliches oder essigartiges Aroma.
- In der Antike wurde sie als Delikatesse geschätzt, und sogar der römische Kaiser Tiberius soll sie geliebt haben. Aber die Betonung liegt auf „soll“, denn es kann sich auch um einen Übersetzungsfehler handeln.
- Ihre Früchte werden in den USA auch Gelee verarbeitet und sogar als Schmuck für Weihnachtsbäume verwendet.
- Der Geschmack, den Heino so abstoßend findet, ist in der Tat das Resultat einer bestimmten Zubereitung.
Und noch ein Hinweis: Der Name dieser Pflanze wird auch oft als abfälliger Begriff verwendet. Was bedeutet er?“
Fragen:
- Welche Pflanze könnte das sein, die diese Eigenschaften hat?
- Wie wird die Frucht sauer gemacht? (Es gibt zwei mögliche Methoden)
- Welche abfällige Bedeutung hat der Name der Pflanze ?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche: Phoenix theophrastii, Kretische Dattelpalme
Auflösung der letzten Pflanze der Woche (eine Urlaubsbekanntschaft mit Theo auf Kreta): Kretische Dattelpalme, Phoenix theophrastii
Die kretische Dattelpalme (Phoenix theophrastii) ist eine seltene Palmenart, die auf Kreta und einigen wenigen anderen Standorten im östlichen Mittelmeerraum vorkommt. Ihr wissenschaftlicher Name ehrt den griechischen Philosophen und Naturforscher Theophrastos, der als einer der Begründer der Botanik gilt.
Verwandtschaft mit der echten Dattelpalme
Phoenix theophrastii ist eng mit der echten Dattelpalme (Phoenix dactylifera) verwandt, die wegen ihrer süßen Früchte kultiviert wird. Im Gegensatz zur echten Dattelpalme bildet die kretische Dattelpalme jedoch kleinere und weniger schmackhafte Früchte, die oft als Nahrungsquelle für Vögel dienen.





Vorkommen
Diese Palmenart wächst in kleinen, isolierten Beständen, oft entlang von Küsten und in feuchten Tälern. Besonders bekannt sind ihre Vorkommen an den Stränden von Vai und Preveli auf Kreta.





Der Palmenstrand von Vai ist berühmt für seinen einzigartigen Palmenwald aus Phoenix theophrastii, der als einer der größten natürlichen Palmenwälder Europas gilt. Der Strand von Preveli besticht durch die malerische Lagune und den angrenzenden Fluss Megalopotamos, der von Palmen umsäumt ist und in das Libysche Meer mündet.
Alle weiteren Pflanze der Woche findet Ihr hier in unserem Archiv.
4 comments on “Das Geheimnis des Burgerriesen”
– Gurke (Cucumis sativus)
– Milchsäuregärung -> Salzgurke durch einsalzen und späterem Übergießen mit Salzlake oder Essig- bzw. Gewürzgurken durch Übergießen mit kochendem Essigsud
– aus aktuellem Anlass keine öffentliche Äußerung
Der Link zum Archiv führt auf die Homepage.
Probier es nochmal, @Rati. Es sollte jetzt funktionieren. Danke für den Hinweis.
So ist es.