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Merz ist nicht dada

Pflanze der Woche, 2. – 8. Februar 2026
(Von und mit Anna Blume) Heino hatte wahrlich schon vieles erlebt in der Redaktion, doch dass man ihn freiwillig in eine Ausstellung „junger Avantgardisten“ locken konnte, wäre ihm selbst nie in den Sinn gekommen.
Aber die neue Kollegin – die reizende, etwas geheimnisvolle Anna Blume – hatte ihn mit sanftem Nachdruck überredet, „doch mal mitzukommen, nur zum Schauen“.

Heino war hinreichend eitel und hinreichend empfänglich, um zu nicken. „Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,“ murmelte er vor sich hin. Und dann noch leiser: „Von vorne und von hinten… Anna eben.“

Sie gingen durch das Gewühl der Burg. Menschen, Stimmen, Frühlingsluft. Anna strahlte, Heino schwitzte. Er spürte, wie ihm der Talg tropfte, als sie ihn plötzlich ansah:
„Heino… sag mal, bist Du verknallt? Frühlingsgefühle?“

Er errötete. Und stammelte wirres Zeug:
„Halloh, deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt…
Rot liebe ich, Anna Blume… rot liebe ich dir— wir?“

Weiter kam er nicht, und jetzt wurde Anna auch knallrot.
Doch wir, liebe Leser, wollen das lieber nicht vertiefen. Wir sind hier schließlich bei der Pflanze der Woche.

Sie folgten dem Stimmengewirr in einen Raum, in dem ein gepflegter Herr im Anzug stand, so um die vierzig. Heino wunderte sich:
„Komisch. Kunststudenten sehen doch sonst anders aus. Das ist ja ein richtiger Spießer.“

Der Mann begann zu rezitieren. Merkwürdiges Zeug. Das Publikum kicherte, manche blickten zu Boden.

„Fümms bö wö tää zää Uu,
pögiff,
kwii Ee…
dll rrrrr beeeee bö…
fümms bö wö tää zää Uu…“

Heino rief halblaut:
„Das ist doch total Dada!“

Anna, peinlich berührt, zischte:
„Du hast doch keinen Schimmer! MERZ ist nicht Dada. Der Mann da ist kein geringerer als…“

Heino schwieg beschämt.
„Komm“, sagte Anna, „wir sehen uns seine Bilder an.“

Vor einer Collage blieben sie stehen. Zeitungsausschnitte, Linien, Verschnitte, Typografie wie aus der Zeit gefallen. Ein Hintergrund, der aussah wie eine explodierte Architektur.
„Psst“, sagte Anna, „das ist Merz-Architektur.“

Heino räusperte sich.
„Schreibt man März nicht mit e?“
„Ja“, sagte sie, „wie in Commerzbank.“

Er deutete auf ein ausgeschnittenes Element, das ein Mann hochhielt: ein kelchiges weißes Blütengebilde.
„Und dieser Becher da? Auch Merz-Kunst?“

Anna lachte.
„Ich heiße zwar Blume – aber von Pflanzen habe ich keinen Schimmer.“

Da mussten sie wohl wieder die Leser fragen.


Fragen an unsere Leser

  1. Was für einen Becher hält der Mann im Bild in der Hand?
  2. Wie heißt die Blume, wenn sie nicht „Anna“ heißt?
  3. Welcher Künstler wird hier zitiert – und aus welcher Zeit stammt er?
  4. Hat Anna einen Vogel?
  5. Ist Merz dasselbe wie Dada?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Dicke Luft unter der Dusche“): Efeutute, Epipremnum aureum

1. Bestimmung der Art

Bei der gesuchten Pflanze handelt es sich um Epipremnum aureum, im deutschsprachigen Raum meist als Efeutute bekannt. Sie gehört zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae).

2. Herkunft und Ökologie

Epipremnum aureum stammt ursprünglich aus den Wäldern des Südpazifiks, insbesondere der Region Mo’orea (Gesellschaftsinseln, Französisch-Polynesien). In ihrer Heimat wächst sie als Kletter- und Kriechpflanze an Baumstämmen empor.

Typisch für viele Aronstabgewächse besitzt sie:

Herzförmige, glänzende Blätter

Ranktriebe, die mehrere Meter lang werden

Luftwurzeln, die sich an Oberflächen festklammern

In Wildhabitaten kann sie Blattgrößen erreichen, die in Kultur kaum vorstellbar sind.


3. Luftreinigung – Mythos oder Wahrheit?

Die Efeutute wird häufig als „Luftreiniger“ vermarktet. Grundlage dieser Behauptung ist eine ältere NASA-Studie (1989), in der verschiedene Zimmerpflanzen in hermetisch geschlossenen Testkammern untersucht wurden.

Ob das wirklich mit der Luftreinigung funktioniert?

Wichtige Einordnung:

Unter Laborbedingungen kann Epipremnum aureum bestimmte Schadstoffe wie Formaldehyd oder Benzol abbauen.

In normalen Wohnräumen ist dieser Effekt verschwindend gering, da Luftaustausch, Oberflächenvolumen und Stoffkonzentration völlig andere Größenordnungen besitzen.

Für schlechte Gerüche im Bad ist die Pflanze daher keine wirksame „Luftfilteranlage“.

4. Giftigkeit

Alle Teile der Pflanze enthalten Calciumoxalat-Kristalle, typisch für Aronstabgewächse.

Diese können bei:

Haustieren

Kleinkindern

empfindlichen Personen

Reizungen in Mund, Haut und Magen-Darm-Trakt verursachen.

Die Pflanze gilt daher als leicht giftig, aber nicht hochtoxisch.

5. Standort – ist das Badezimmer geeignet?

Ja, ein Badezimmer ist grundsätzlich gut geeignet, sofern:

Helles, indirektes Licht vorhanden ist

Die Temperaturen konstant warm bleiben

Eine gewisse Luftfeuchte herrscht

Die Efeutute toleriert zwar geringere Lichtstärken, verliert then jedoch oft ihren charakteristischen Blattmarmorierungen.

Wichtig:

Staunässe vermeiden – der Topf braucht eine gute Drainage.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

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