Pflanze der Woche: 4.–10. August 2025
Niemand weiß es genau. Aber alle tuscheln in der Pflanzenredaktion. Man hatte die beiden gesehen – spätabends am Fuß des Götterbaums. Ihre Gesichter ernst, ihre Hände still, ihre Herzen womöglich nicht mehr ganz allein. Am Tag darauf dann plötzlich: Abwesenheitsnotizen. Beide. Gleichzeitig. „Spontaner Urlaub“, hieß es.
Und nun das: Der Aufschrei in der Redaktionsgruppe. „Cringe!“, tippte jemand. „Fremdscham pur! Und so rosa!“
Denn da war es: Ein Statusbild. Öffentlich.
Ein Post, so schmalzig, dass es Sirup regnen könnte.
Und dennoch – oder gerade deshalb – sprach er Bände.
Zwei junge Menschen, Wangen an Wange, zwischen überbordenden Blüten. Rosen, wohin das Auge reicht. Kitsch in Pink, drapiert wie aus einem überdrehten 19.-Jahrhundert-Film. Und diese Rosen – sie sahen anders aus. Mächtiger. Sinnlicher. Fast betörend echt. „Das ist doch kein Zufall“, meinte jemand. „Das ist ein Hinweis!“
Und tatsächlich: Rechts im Bild ein kleines Eselchen, beladen mit blühenden Körben. Ein alter Kupferkessel. Männer in langen Mänteln umgeben von Flaschen. Eine Schnapsbrennerei? Und auf einem Tablett, fast übersehen: Rosa Würfel – von zuckriger Konsistenz. Das kennt man doch. Lokum?
Man versuchte, den Geruch zu rekonstruieren. Süß. Sinnlich. Irgendwo zwischen Blütenduft und Orangenschale. Und plötzlich machte alles Sinn. Die beiden waren verschwunden – nicht ins Off, sondern auf eine Duftspur. In eine Stadt, deren Name in alten Zeiten in Zedernholz geschnitzt wurde: Kesselstadt, hieß sie in ihrem türkischen Namen. Was um alles für Kessel? Der Ruhrpott wird wohl nicht gemeint sein. Und der türkische Name? Man streitet noch.
So blieb das Bild stehen: Zwei Menschen, die sich inmitten betörender Blüten finden. Eine Spur aus Duft, Süßigkeit, Öl und Vergangenheit.
Derweil taumeln Nixi und Heino, verbunden durch die Hilfe der mechanischen Götter (und der Autoren, die göttergleich – nämlich sie erfunden und hervorgebracht haben – durch ihr Glück. Man muss das Schicksal bezwingen, das Glück suchen: „Lascia la spina, cogli la rosa“ singen sie jetzt, statt im Tal der Tränen unterzugehen. Zur gleichen Melodie des einstigen Klageliedes, das ihnen so vertraut war. Übrigens. Wie kann das sein?
Fragen an unsere Leserinnen und Leser:
– Um welche Rosenart (Pflanzenart) handelt es sich?
– In welcher Stadt wächst sie traditionell, und was bedeutet deren Name?
– Was genau geschieht bei der Destillation – und wie entstehen Rosenöl und Rosenwasser?
– Und wofür werden sie verwendet – medizinisch, kulinarisch, rituell?
– was sind das für rosa Glibberwürfel?
-Mit dem Stoff, der aus der Destille tropft, würzt man aber auch norddeutsche Süßigkeiten. Weche?
– „Lascia la spina, cogli la rosa“ – der Melodie des vertrauten Klageliedes – das einst Heino auf dem Redaktiosflur noch vor wenigen Wochen summte – ist mit einem trotzigen, hoffnungsvollem Text jetzt untermalt ? Und was hat das jetzt mit Halle zu tun?
Auflösung der letzten Pflanze der Woche: („Himmlische KI„): Ailanthus altissima – der Götterbaum
Rati wusste, was es fü ein Baum ist und schrieb: „Götterbaum. Habe diese Woche keine Zeit, ausführlicher drauf einzugehen“. Aber hallo, da werden die Götter aber zürnen.
Also: Ursprünglich beheimatet in China und Nordvietnam, wurde der Götterbaum seit dem 18. Jahrhundert als Zier- und Nutzbaum nach Europa, Nordamerika und andere Erdteile eingeführt. Inzwischen ist er als sogenannter Neophyt weltweit verbreitet – besonders in Gebieten mit gemäßigtem oder mediterranem Klima. In Europa zählt er heute zu den hundert problematischsten invasiven Arten.







New York,Boericke & Tafel,c1887.
http://www.biodiversitylibrary.org/item/84253
Der Götterbaum ist ein schnell wachsender Laubbaum mit eindrucksvollen Fiederblättern, die bis über einen Meter lang werden können. Besonders an warmen, urbanen Standorten gedeiht er prächtig, selbst dort, wo andere Arten längst aufgegeben haben. Doch seine Wuchsfreude hat Schattenseiten: Er bildet zahlreiche Wurzelsprosse, verdrängt einheimische Vegetation und verändert durch seine leicht zersetzbare Laubstreu den Stickstoffhaushalt empfindlicher Lebensräume – etwa von Magerrasen oder Felsfluren. Besonders stark ist seine Ausbreitung entlang von Bahnlinien, Straßenrändern und Trümmerflächen nach dem Zweiten Weltkrieg beobachtet worden. Mit der globalen Erwärmung erobert er zunehmend auch ländlichere Räume.
Ökologisch problematisch ist nicht nur seine Konkurrenzstärke, sondern auch seine Resistenz gegenüber Trockenheit, Hitze, Salz und Luftschadstoffen. Diese Widerstandskraft, einst geschätzt für Stadtbegrünung und Erosionsschutz, macht ihn heute zu einem schwer kontrollierbaren Eindringling. Selbst kräftiger Rückschnitt oder Herbizide können ihn nicht dauerhaft stoppen – oft treibt er umso heftiger wieder aus. Biologische und mykologische Bekämpfungsansätze, etwa durch Verticillium-Pilze oder spezialisierte Käferarten aus Asien, befinden sich derzeit in Erprobung.
Blatt und Rinde des Götterbaums fanden traditionell in der chinesischen Medizin Verwendung – besonders gegen Durchfälle und Fieber. Zudem diente er als Futterpflanze für den Ailanthus-Spinner (Samia cynthia), aus dessen Kokons eine grobe, aber haltbare Seide (Shantung-Seide) gewonnen wurde. Versuche, diese Seidenwirtschaft nach Europa zu exportieren, scheiterten jedoch meist.
Ein bemerkenswerter Aspekt ist die chemische Wirkung der Pflanze: Neben phenolischen Verbindungen enthält sie sogenannte allelopathische Substanzen, insbesondere Ailanthon, das das Keimen benachbarter Pflanzen hemmen kann. Der Blütengeruch – vor allem bei männlichen Exemplaren – ist streng, oft mit Sperma verglichen, der Honig jedoch aromatisch-muskatisch. Die Blüten erscheinen im Juli, gefolgt von rötlich geflügelten Früchten, die in Massen ausgebildet werden.
Der Germanische Götterbaum
Die gefiederten gefiederten Blätter des Götterbaums erinnern ein wenig an die der einheimischen Esche (Fraxinus excelsior), sind jedoch größer und unangenehm riechend – besonders beim Zerreiben. Die Unterschiede zeigen sich auch in den Rändern der Fiederblättchen: Während Eschen glattrandig sind, besitzen die unteren Fieder des Götterbaums oft eine drüsige Ausbuchtung. In der nordischen Mythologie galt die Esche als heiliger Weltenbaum – Yggdrasil, die gewaltige Esche, deren Äste Himmel, Erde und Unterwelt verbanden. In ihren Wurzeln saßen die Nornen und webten das Schicksal, während ihr Stamm den Mittelpunkt der Welt markierte.
Ratatösker ist keine Maschine und auch kein Auto
Zwischen Wipfel und Wurzel huschte unermüdlich der listige Ratatöskr, ein Eichhörnchen, das Botschaften – und manchmal auch Spott – zwischen dem Adler in der Krone und dem Drachen Nidhöggr tief unten verbreitete. So stand die Esche einst im Zentrum des göttlichen Gefüges – ein Baum des Ursprungs, der Erkenntnis und des ewigen Werdens.


In Halle, besonders in Halle-Neustadt, ist der Götterbaum immer häufiger zu sehen – nicht zuletzt, weil er mit widrigen Bedingungen bestens zurechtkommt. Ob er aber auch wirklich göttliche Anliegen weiterleitet – das bleibt offen.
Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.
2 comments on “Lascia la spina, cogli la rosa: Süßliche Kitschgrüße aus dem Urlaub”
– Rose von Kazanlik (Rosa Trigintipetala)
– Sie wird im Gebiet um die Stadt Kazanlak (Bulgarien) zur Rosenölgewinnung genutzt.
– Die Rosenblüten werden von Hand und in den frühen Morgenstunden geerntet. Zu dieser Zeit ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten.Für die Gewinnung einer geringen Menge Rosenöl sind immense Mengen an Blütenblättern erforderlich. Für die (Wasserdampf-)Destillation von einem Liter Rosenöl werden 3.000 bis 5.000 Kilogramm Rosenblüten benötigt.Die frisch geernteten Blütenblätter werden in einen Destillierkolben oder eine Destille gegeben.Die Blütenblätter werden mit Wasser erhitzt. Der aufsteigende Wasserdampf durchdringt die Blütenblätter und löst die darin enthaltenen flüchtigen Duftmoleküle (das ätherische Öl).Der mit den Ölen angereicherte Dampf wird anschließend durch ein Kühlsystem geleitet, wo er kondensiert .Das Kondensat besteht aus zwei Phasen: dem leichten, auf der Oberfläche schwimmenden Rosenöl und dem schwereren Rosenwasser (auch Hydrolat genannt). Da sich Öl und Wasser nicht vermischen, können sie leicht voneinander getrennt werden. Das Rosenwasser enthält ebenfalls Duftstoffe und wird oft als wertvolles Nebenprodukt weiterverwendet.
– Rosenöl: Verwendung als Komponente in hochwertigen Parfüms, in der Aromatrerapie, wegen der antiseptischen Eigenschaften in der Hautpflege und Medizin und zum Aromatisieren orientalischer Desserts.
Rosenwasser: ähnliche Anwendungsbereiche, dazu auch in der Haarpf´lege und als Duftwasserspray, und auch wieder zum Aromatisieren von Baklava, Lokum oder auch MARZIPAN
Absurderweise ist es verboten, privat in der heimischen Küche Rosenwasser oder Rosenöl herzustellen. Denn dies ist ein Destillationsvorgang, und der Besitz einer Destille ist – um Schwarzbrennen von Alkohol zu verhindern, Privatleuten in Deutschland grundsätzlich verboten. Außer, und zwar nur dann, wenn man bis maximal 2 Liter Vorlage hat, und keinen Alk destuilliert, muss dies beim Zoll angezeigt werden. Findige Leute haben natürlich herausgefunden, wie man aus einfachem unauffälligem küchengerät durch einfaches Zusammenstecken eine destille bauen kann: https://www.smarticular.net/mit-zwei-einfachen-tricks-hydrolate-selbst-herstellen/
Es zeigt aber auch, wie bescheuert unser Gesetzgeber ist.