Jeder kennt sie

8. April 2019 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Die unbekannte Dame – nennen wir sie mal Daisy – demonstriert in einem Werbeplakat die technische Errungenschaft der Rasenpflege.

Jedes Kind kennt sie. Vielleicht aber nicht so, wie ihre Blüten in unserem Artikelbild gezeigt werden. Denn das, was jedes kleine Kind als „Blume“ oder Blüte bezeichnet, ist eigentlich eine Ansammlung von ganz vielen Einzelblüten. Was hier abgebildet ist, sind die einzelnen Blüten, die in einem wahren Blumenkorb zusammengefasst sind. Der weibliche Teil der Blüte liegt im Inneren der Blütenröhre, und die weißen Kügelchen, die wir an der gelben Spitze sehen, sind die männlichen Blütenpollen. Auch, wenn unser Blümchen zu den wohl bekanntesten Blumen gehört, und man ihm geradezu auf Schritt und Tritt begegnet, haben wahrscheinlich unsere eiszeitlichen Vorfahren sie wohl nicht gekannt. Denn sie hat sich aus dem Mittelmeerraum hierher ausgebreitet, und zwar, als die ersten Bauern aus dem Süden hier her kamen, die Wälder rodeten, und Wiesen und Weiden anlegten, auf die sie dann ihre mitgebrachten Rinder und Schafen stellen konnten.  Aber so ganz richtig häufig wurde unser Pflänzchen erst, als man englische Landschaftsgärten und Parks in den Städten anlegte. Das hinwiederum wurde im großen Stil erst möglich, als um das Jahr 1830 die im Bild dargestellten, von Menschenhand geschobenen Maschinchen erfunden wurde.  Kann man aber mit dem Blümchen etwas anfangen, statt sie mit der lärmenden Rasselmaschine plattzufahren? Kinder haben sie immer schon als Schmuck zum Flechten von Kränzlein verwendet. Essen kann man die jungen Blätter, und die Blütenknospen, in Essig eingelegt, sollen als Kapernersatz taugen. Hunderte von Namen hat unser Pflänzchen allein im deutschen Sprachraum, und der wissenschaftliche lateinische Name nimmt sowohl auf ihre Schönheit als auch auf ihre Ausdauer Bezug. Im Mittelalter wurde unser Blümlein ausgiebigst als Heilpflanze genutzt, jüngst entdeckte man, dass die Inhaltstoffe tatsächlich antimikrobiell wirken.
Kaum zu glauben: die einen rücken unserem Blümchen mit dem Messer zu Leibe, der Ordnung halber, die anderen setzen sie als Schmuck in den Vorgarten. Dort allerdings nur dessen imposante Zuchtform, mit gefüllten Blüten und Farben von dunkelpink, weiß und rosa.

Unsere Frage: Wie heißt unser Pflänzchen?

Welche weitere deutsche Namen kennt Ihr dafür?

Welche (internationale) Mädchennamen beziehen sich auf unsere Pflanze?

 

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Beliebter Frühblüher zeigt Klimaveränderung an“): Die Forsythie, Forsythia × intermedia.

 

Auch die „Forsythie“ fällt unter die Kategorie „Jeder kennt sie“. Aber sie ist eigentlich ein Garten-Neophyt. Noch im 18. Jahrhundert kannte sie niemand hier.  Ihre Stammeltern stammen aus dem mediterranen Raum einerseits, andererseits aus China. Die Hybride aus F. suspensa × F. viridissima enstand um  1833  und ist ein beliebter Frühblüher- Auch Teil so genannter Ostersträuße. Im noch nicht blühenden Zustand gepflückt, ausgeblasene Eier drangehängt, in die Vase gestellt: oh! dieser Haushalt weiß, was Jahreszeit ist. Forsythien sind der kleine Weihnachtsbaum zur Osterzeit. Im zerbombten Nachkriegsdeutschland  haben Forsythien überlebt, und offenbar auch Oberstudienräte, die neben dem Wiederaufbau Zeit und Muße fanden, sich der  Wetterforschung  zu widmen. Das war der Beginn des Forsythienkalenders im ansonsten ziemlich zertrümmerten Hamburg. Unser User Rugby hat die Lösung ausgesprochen, damit hat er ein ausgeblasenes Ei gewonnen.

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