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Heinos Raumfahrt und Anna Bumens süße Lust


Pflanze der Wioche, 6.-12. Juli 2026

Heino und Anna standen in der Küche. Sie starrten heraus, versonnen, leicht angeheitert vom wein – es war dieser Zustand zwischen Alltag und Nachwirkung – ein wenig zu warm, ein wenig zu leicht im Kopf, als hätte der Nachmittag bereits beschlossen, sich nicht mehr streng an die Realität zu halten. Draußen vor dem Küchenfenster, stand sie, die Pflanze. Er meinte, er habe sie von einer sizilianischen blumenhändlerin geschenkt bekommen. Sie meinte, nein, das war doch damals. In Bulgarien, weißt du nicht mehr?
Egal. Ihre Blütenstände waren längst verblüht, nun standen die Kapseln trocken und papierartig auf.  Wie papierne Raumkapseln, Wie Modelle aus einer Zeit, in der man sich das Weltall noch wie in Kinderbüchern vorstellte.

„Siehst du das?“, sagte Heino. „Das sind Satelliten. Oder Raumkapseln aus den Fünfzigern.“

Anna stand daneben und leckte an einem großen Softeis, das sie wie selbstverständlich in der Hand hielt.„Typisch Mann“, sagte sie. „Immer Technik. Immer Raketen. Immer raus aus allem.“

„Ist doch geil.“ Sie sah ihn kurz an.

„Ich denke eher an Honig.“ Auf der Anrichte stand ein Glas mit der Aufschrift „Honey“. Daneben ein kleines Küchenlabor aus Gläsern, Löffeln und einer Art improvisierter Destille. Annas Softeis-Maschine. Heino deutete auf das Eis, ihre neueste Kreation.

„Und das ist jetzt… Lauch-Honig?“

Anna nickte, ohne aufzuhören zu probieren.

„Genau.“

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Aus dieser Pflanze da?“

Sie zeigte nur mit dem Löffel.

„Schau richtig hin.“

Die getrockneten Blütenstände wirkten plötzlich noch fremder. Nicht mehr Pflanze, eher Modell. Fast künstlich.

„Für mich bleiben das Raumkapseln“, sagte Heino.

In diesem Moment geschah es.

Eine der Kapseln löste sich aus der Ordnung der Dinge, wurde leicht, beinahe federlos.

Und Heino – ohne große Überraschung – stand plötzlich darin.

„Bis gleich!“, rief er noch.

Die Kapsel öffnete das Küchenfenster, glitt hinaus in die Luft und wurde dort draußen sofort zu etwas anderem: zu einer kleinen Rakete, auf der ein winziger Astronaut saß, als hätte jemand die Fünfzigerjahre nie aufgehört zu träumen.Anna sah ihm nach, das Softeis noch in der Hand. Der Feuerstrahl von Heinos Rakete hatte es angeschmolzen, und ein starker Duft aus strengem Lauch und süßem Honig erfüllte den Raum.

Honig. Lauch. Und ein Allien, oder Allium – wie heißen die eigentlich männlich? Fragte sich Anna.


Fragen an unsere Leser:

Um welche Pflanze geht es?

Was hat sie mit Honig zu tun? Ist sie süß?
Oder eher stinkig wie knoblauch?
Wo komt sie her?
Und für was verwendet man sie?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche „Mörderischer Kampf unter der Kastanie“: Fleischrote Rosskastanie (Aesculus × carnea).

Bei dem beschriebenen Baum handelt es sich um die Fleischrote Rosskastanie (Aesculus × carnea).

Diese Art ist ein Hybrid (Bastard) und keine Chimäre. Sie entstand aus der Kreuzung zweier Arten: der weißblühenden Rosskastanie Aesculus hippocastanum und der rotblühenden amerikanischen Aesculus pavia.

Rotblühende Rosskastanie, Aesculus x carnea

Der Begriff „Bastard“ bezeichnet in der Botanik eine sexuelle Kreuzung zwischen zwei Arten, bei der das Erbgut beider Eltern in allen Zellen der Nachkommen gemeinsam vorliegt. Die Fleischrote Rosskastanie ist also genetisch einheitlich – kein Mosaik, kein zusammengesetzter Organismus.

Eine Chimäre dagegen entsteht anders: Hier wachsen zwei genetisch unterschiedliche Gewebe direkt miteinander oder ineinander, etwa durch Pfropfung oder seltene Mutationen in frühen Entwicklungsstadien. In einer echten Pflanzenchimäre könnten verschiedene Zellschichten unterschiedliche genetische Informationen tragen, was zu sektoralen Farb- oder Formunterschieden führt.

Die rot gefärbten Blüten gehen eindeutig auf den Elternteil Aesculus pavia zurück, der die entsprechende Pigmentierung (Anthocyane) in die Hybride eingebracht hat. Der weißblühende Anteil stammt entsprechend von Aesculus hippocastanum.

Die Fleischrote Rosskastanie selbst wird seit dem 18. Jahrhundert als Zierbaum kultiviert und vereint Merkmale beider Elternarten: die größere, handförmig geteilte Blattstruktur der Rosskastanie und die dekorativen, rötlichen Blütenkerzen der amerikanischen Art.

Eine Besonderheit steht auf der Peißnitz-Südspitze ist daher Beides: Sie ist eine „Chimäre“, in der zwei Baumarten durch ineinander-pfropfen zusammengewachsen sind. Der rotblühende Teil aber ist ein Bastard: eine Kreuzung aus der Pavie und der gemeinen Rosskastanie.



Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

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