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Geflügelte Kriegsendfigur

Pflanze der Woche, 13.-19. Juli 2026

Die Überfahrt nach der Insel von Samothrake war beschwerlich. Nixi hatte den Platz ganz vorn auf dem Schiffsbug bekommen. Mit jeder Welle schlug Gischt über das Deck. Bald war ihr helles Leinengewand vollständig durchnässt. Der Wind presste den Stoff eng an ihren Körper, löste ihn wieder, legte neue Falten, schmiegte ihn erneut an ihre Hüften und Schultern.

Hinter ihr jubelten junge Männer. Aus den wenigen griechischen Worten, die sie verstand, hörte sie immer wieder dasselbe heraus: Sieg. Nach vier Jahren Krieg. Ob eines Tages auch die Ukraine so einen Tag erleben würde, fragte sie sich. Einer der Männer jubelte nicht.

Er war jung, hatte kräftige Hände, aber keine eines Soldaten. Eher die eines Steinmetzen. Seit einer halben Stunde hatte er den Blick nicht von ihr gewandt. Nicht aus Unverschämtheit – vielmehr mit jener konzentrierten Aufmerksamkeit, mit der ein Künstler eine Form betrachtet, nach der er lange gesucht hat.  Als das Schiff anlegte, sprach er sie an. Viel verstanden sie voneinander nicht. Doch einige Silberdrachmen mehr  und viele Gesten später stand Nixi in seinem Atelier auf dem steinernen Bug eines Schiffes. Es war aus grauem Marmor gehauen, wie er auch in den steilen Wänden der Steinbrüche auf dieser Insel zu sehen war.. Es sollte ein Denkmal des Sieges tragen. Und nicht aus dem grauen Inselmarmor. Man hatte eigens aus Paros den feinsten weißen und beinahe Durchsichtigen beschaffen lassen: ein Vermögen !

Sie hielt einen Strauß violetter Blumen in der Hand, die überall auf der Insel zwischen feuchten Wiesen blühten. Sie versuchte dem Bildhauer zu erklären, dass diese Pflanze in ihrer Heimat ebenfalls mit Sieg und tapferen Kriegern verbunden werde. Dass man ihre netzartig umhüllten Knollen einst wie kleine Kettenhemden als Schutzamulett tragen würde. Und dass sogar ihr gelehrter Name etwas mit einem Schwert zu tun habe. Der Bildhauer verstand kein Wort. Er sah nur, wie das nasse Gewand in feinen Falten über ihren Körper floss: und mehr als 2000 Jahre später würden Gelehrte noch diese Falten zählen.
Sie begann zu frieren, versuchte sich verständlich zu machen, doch er verstand nicht, hämmerte weiter drauf los. Sie fühlte, wie sie langsam steif gefroren war und langsam zu Stein erstarrte.

Die Blumen begannen zu welken, und dem Meister gefielen sie nicht mehr. Also ersetzte er sie durch einen Lorberkranz, den er der geflügelten Skulptur in die erhobene rechte Hand gab. Auch die riesigen Schwanenflügel, mit der diese Figur wie eine Möwe auf dem Schiffsbug landen sollte, hatte er nach einer anderen Vorlage gebildet.


Unsere Fragen

  • Welche Pflanze hielt Nixi in den Händen? Ihr wissenschaftlicher Name erinnert an eine Waffe, ihr deutscher Name an ein glückliches Kriegsende.
  • Wie heißt die berühmte Statue, für die unser namenloser Bildhauer Nixi Modell stehen ließ? In welchem Museum ist sie heute zu sehen?
  • Weltweit machte der Fund der Statue Furore. Und regte Bildhauer dazu an, sich an Hir als Vorbild zu bedienen. So auch in Berlin, in luftiger Höhe. Wie heißt sie im dortigen Volksmund?
  • Wie nennt die Kunstgeschichte jenen Stil, der durch diesen speziellen Faltenwurf geprägt ist?
  • Welcher historische Sieg könnte mit der Entstehung dieser Statue gefeiert worden sein?

Auflösung der letzten Pflanze der Woche (Heinos Raumfahrt und Anna Blumens süße Lust): der Sizilianische Honiglauch (Allium siculum, Synonym: Nectaroscordum siculum).

Systematik

Familie: Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse)
Unterfamilie: Allioideae (Lauchgewächse)

Herkunft

Die Art stammt aus dem Mittelmeerraum. Sie ist verbreitet in Süditalien (einschließlich Sizilien), auf dem Balkan sowie in Teilen Südosteuropas und der Türkei. Sie wächst dort in lichten Laubwäldern, an Waldrändern und in Gebüschen. In Mitteleuropa ist sie als Zierpflanze eingebürgert.

Verwendung

Der Sizilianische Honiglauch wird ausschließlich als Zierpflanze verwendet. Er ist wegen seiner ungewöhnlichen Blüten- und Fruchtstände in Gärten und Parkanlagen verbreitet. Eine Nutzung als Nutz- oder Gemüsepflanze erfolgt nicht.

Morphologie und Entwicklungsverlauf

Die Pflanze zeigt eine charakteristische Umkehr der Erscheinungsform zwischen Blüte und Frucht:

  • Während der Blüte hängen die Einzelblüten glockenförmig nach unten.
  • Nach der Befruchtung richten sich die Blütenstiele auf.
  • Es entstehen kugelige Fruchtstände aus Kapselfrüchten, die deutlich aufrecht stehen.

Diese aufrechten Fruchtstände sind morphologisch kugelige Infrukteszenzen. Sie bestehen aus mehreren regelmäßig angeordneten, trocknenden Kapseln, die strahlenförmig von einer zentralen Achse ausgehen.

Gerade diese Struktur erzeugt die optische Ähnlichkeit zu technischen Objekten wie Satelliten oder Raumkapseln:

  • zentrale Achse als „Trägerkörper“
  • radial angeordnete Kapseln als „Module“
  • kompakte Kugelform als abgeschlossene Struktur

Die Ähnlichkeit ist rein strukturell bedingt und kein funktionelles Merkmal.

Bestäubung

Die Blüten produzieren reichlich Nektar und werden vor allem von Bienen und Hummeln besucht. Die hängende Stellung der Blüten begünstigt dabei gezielten Insektenanflug.

Inhaltsstoffe

Wie alle Allium-Arten enthält die Pflanze schwefelhaltige Verbindungen (Cysteinsulfoxide), die beim Verletzen der Gewebe den typischen Lauchgeruch erzeugen.

Namensherkunft

  • „Sizilianisch“ bezieht sich auf das Hauptverbreitungsgebiet und die frühe botanische Beschreibung im süditalienisch-sizilianischen Raum.
  • „Bulgarisch“ ist ein historisch gebräuchlicher Alternativbezug auf Vorkommen im südosteuropäischen bzw. balkanischen Raum. Beide Bezeichnungen spiegeln regionale Zuordnungen in der botanischen Literaturgeschichte wider, bevor sich die heutige taxonomische Nomenklatur durchgesetzt hat.

Weitere „Pflanzen der Woche“ findet Ihr in unserem Archiv – alle, seit 2016.

2 comments on “Geflügelte Kriegsendfigur”

  1. In Griechenland sind Gladiolen sowohl atemberaubende Wildblumen als auch ein wichtiges Symbol der antiken Mythologie. Als wilde Art wächst dort häufig die Acker-Gladiole (lateinisch Gladiolus italicus), die an sonnigen Hängen und in Getreidefeldern blüht. Die lateinische Bezeichnung leitet sich von gladius (Schwert). Der deutsche Name für Gladiolen ist Schwertblume. Gelegentlich werden sie auch Siegwurz genannt. Beide Namen beziehen sich auf ihre langen, spitzen Blätter, die wie Schwerter aussehen, und ihren hohen, stolzen Wuchs

    Die Säule trägt eine von Friedrich Drake geschaffene vergoldete Bronzeskulptur in Form einer weiblichen Figur, der Viktoria. Sie hält in der Rechten einen Lorbeerkranz in die Höhe, in der Linken ein Feldzeichen mit dem Eisernen Kreuz. Auf ihrem Helm sitzt ein Adler. Viktoria ist in der römischen Mythologie als Siegesgöttin bekannt, sie entspricht in der griechischen Mythologie der Nike. Beide werden geflügelt dargestellt. Ihr Adlerhelm lässt die Viktoria auf der Siegessäule auch als Borussia, die Personifikation Preußens, erscheinen.

    Im Volksmund wird sie die Goldelse genannt.
    Nike (altgriechisch Νίκη Níkē oder Νίκα Níka, deutsch ‚Sieg‘) ist die Siegesgöttin in der griechischen Mythologie.

  2. Drake entwarf die Figur nach den Zügen von Victoria von Großbritannien und Irland, die zu diesem Zeitpunkt Kronprinzessin in Preußen war.

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